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Wende will Zahl befristeter Verträge reduzieren

KIEL. Mit einer „mobilen Vertretungsfeuerwehr“ will Schleswig-Holsteins Schulministerin Waltraud Wende 80 bisher befristet angestellten Lehrern eine feste Stelle bieten und den Unterrichtsausfall reduzieren. Die CDU spricht von Augenwischerei.

Mit neun Millionen Euro zusätzlich kann Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) den Unterrichtsausfall in Schleswig-Holstein bekämpfen. Mit dem Geld aus Zensusmitteln will sie 75 zusätzliche Lehrerstellen in den nächsten beiden Jahren schaffen. Geplant ist zudem die Gründung einer «mobilen Vertretungsfeuerwehr» in allen Kreisen und kreisfreien Städten sowie der Einsatz pensionierter Lehrer für kurzfristige Vertretungen. «Wir können und wir wollen uns den Unterrichtsausfall an schleswig-holsteinischen Schulen nicht mehr leisten», sagte die Ministerin am Donnerstag in Kiel bei der Vorstellung ihres Maßnahmenpakets.

Löst Kontroverse aus: Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Waltraud Wende. (Foto: Steffen Voss/Bildungsministerium Schleswig Holstein)

Bildungsministerin Waltraud Wende will den Unterrichtausfall an Schleswig-Holsteins Schulen reduzieren. (Foto: Steffen Voss/Bildungsministerium Schleswig Holstein)

Ziel sei es auch, die Zahl befristeter Lehrer-Arbeitsverträge zu reduzieren und mit festen Planstellen Fachlehrer im Norden zu halten. Während die Regierungsparteien SPD, Grüne und SSW das Konzept von Wende durchweg lobten, sprach die CDU von «reiner Augenwischerei». Mit all ihren Maßnahmen bleibe die Ministerin noch hinter dem Stand von 2012 zurück, sagte die Unions-Schulexpertin Heike Franzen und verwies auf massive Kürzungen des Vertretungsfonds durch Wende nach dem Regierungswechsel.

2012 seien von den Schulen für Vertretungslehrer 16,2 Millionen Euro abgefordert worden. In diesem Jahr stünden im Vertretungsfonds lediglich zwölf Millionen Euro zur Verfügung. Aus diesem Topf würden allerdings weitere Maßnahmen finanziert, so dass den Kreisen lediglich 6,3 Millionen Euro blieben, kritisierte Franzen. «Wende schickt die Feuerwehr zu einem von ihr selbst gelegten Brand.»

«Das Land investiert weiter in Bildung», betonte dagegen Wende. Sie sprach von einer strategischen Personalplanung, um ein Abwandern von Fachlehrern zu verhindern. So erhalten die 75 Lehrer nach zwei Jahren automatisch eine reguläre, durch Pensionierung freigewordene Planstelle. Die mobile Vertretungsfeuerwehr wird 80 Lehrern, die bisher befristete Verträge hatten, eine unbefristete Planstelle bieten. Es handle sich also auch um eine soziale Maßnahme, sagte Wende. Maximal zwei Jahre sollen die Pädagogen «Feuerwehrlehrer» sein und dann an eine feste Schule wechseln. 45 Nachwuchslehrer, die längeren Vertretungsunterricht etwa bei Elternzeiten geben, erhalten ebenfalls feste Stellen.

Pensionierte Lehrer, die künftig zeitlich befristet Vertretungen übernehmen, können bis zu 400 Euro im Monat dazuverdienen, ohne dass ihnen dies auf die Pension angerechnet wird. Zuverdienste würden aufs ganze Jahr gerechnet, so dass in einigen Monaten deutlich mehr als 400 Euro verdient werden könne ohne Pensionskürzungen, erläuterten Fachleute des Ministeriums. «Es gibt sehr viele Lehrerinnen und Lehrer, die über 65 hinaus arbeiten wollen», sagte Wende. Vorrang hätten grundsätzlich junge Pädagogen.

Die heftig kritisierte bisherige Software zur Erfassung von Unterrichtsausfall an Schulen wird durch ein neues Online-System ersetzt. «Mit dem bisherigen System „Odis“ wurde praktisch kaum Unterrichtsausfall erfasst, obwohl es welchen gab», sagte Wende. Zum kommenden Schulhalbjahr starte das neue System «Push».

Die schulpolitische Sprecherin der Grünen, Anke Erdmann bezeichnete das Paket als «pragmatisch, praktisch und gut». Klar sei aber: «Um die strukturelle Unterversorgung bei den Schulen abzubauen, haben wir noch viel Strecke vor uns.» Ihr SPD-Kollege Martin Habersaat betonte: «Die Küstenkoalition steht zu ihrem Wort: Wir mobilisieren alle Reserven zugunsten von Schule und Bildung.»

Rund 200 jungen Lehrern werde eine feste berufliche Perspektive geboten, betonte die Gewerkschaft, Erziehung und Wissenschaft. «Sie müssen sich dann nicht mehr von Vertrag zu Vertrag hangeln», sagte der GEW-Landesvorsitzende Matthias Heidn. Dennoch werde die personelle Ausstattung der Schulen auch in Zukunft «hinten und vorne nicht reichen». Die Vertretungsmittel deckten nur etwa ein Fünftel des tatsächlichen Bedarfs ab. «Die Vertretungsfeuerwehr löscht also nur jedes fünfte Feuer.» (dpa)

Zum Bericht: Erfassung des Unterrichtsausfalls: Lob für Wende von der GEW

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