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Der „Aschenputtel-Effekt“: Warum Stiefeltern manchmal böse sind

ROSTOCK. Das Verhalten von Stiefeltern zu ihren Kindern hängt Forschern zufolge auch von äußeren Lebensumständen ab. Zumindest früher hätten die wirtschaftlichen Perspektiven eine große Rolle gespielt.

Da guckt sie aber, die böse Stiefmutter.  Aschenbrödel- Illustration von Carl Offterdinger / Wikimedia Commons

Da guckt sie aber, die böse Stiefmutter. Aschenbrödel- Illustration von Carl Offterdinger / Wikimedia Commons

Forscher in Rostock und Kanada haben die in Märchen verbreitete Vorstellung von immer bösen Stiefeltern untersucht – und kommen zu erstaunlichen Ergebnissen: Eltern behandelten demnach die Stiefkinder im Durchschnitt schlechter als ihre eigenen, wenn sie wenig Raum für ihre wirtschaftliche Entwicklung hatten. Dafür hatten sie in einer Studie die Sterblichkeit von Kindern in Patchwork-Familien des 17. bis 19. Jahrhunderts untersucht.

«Wir konnten beweisen, dass der „Aschenputtel-Effekt“ kein unvermeidbarer Reflex von Stiefeltern ist», erklärte Kai Willführ vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock, der die Untersuchung gemeinsam mit Alain Gagnon von der Universität Montreal gemacht hat. Die Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachjournal «Biodemography and Social Biology».

Die Fürsorge der Stiefeltern hängt demnach von mehr ab als von der biologischen Verwandtschaft, wie viele Forscher Willführ zufolge bislang glaubten. Diese meinten, dass Eltern zwangsläufig schlechter für Stiefkinder sorgten, weil sie nicht ihre Gene verbreiten.

Die Vernachlässigung von Stiefkindern untersuchten die Forscher anhand der Sterblichkeit von Tausenden Kindern in der ostfriesischen Region Krummhörn, die bereits stark bevölkert war und wenig Raum für wirtschaftliche Entwicklung bot, sowie in expandierenden Siedlungen in der heutigen kanadischen Provinz Québec. Für beide Regionen berechneten sie, wie sich die Überlebenschancen von Kindern änderten, wenn der Vater nach dem Tod der Mutter wieder heiratete.

Ergebnis: Nur in der Region Krummhörn, die wenig Perspektiven bot, hatte die Stiefmutter einen negativen Einfluss. Nur dort starben die Kinder aus erster Ehe des Vaters häufiger, wenn die Stiefmutter einzog oder Halbgeschwister geboren wurden. Verlor ein Krummhörner Mädchen früh die Mutter, wuchs seine Wahrscheinlichkeit, den 15. Geburtstag nicht zu erleben, auf über das Doppelte des Risikos eines vergleichbaren Mädchens, dessen Mutter nicht starb. Heiratete der Vater danach wieder und die Stiefmutter zog ein, stieg die Sterblichkeit noch einmal ebenso stark. dpa

 

 

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