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Sie wollen nicht nur verkaufen – Unternehmen benachteiligen Mädchen mit Migrationshintergrund

BIELEFELD. Mädchen mit Migrationshintergrund haben geringere Chancen, Ausbildungsplätze zu bekommen als junge Männer mit Migrationshintergrund, obwohl die Mädchen in der Schule deutlich erfolgreicher sind. Im Vergleich zu Frauen und Männer ohne Migrationshintergrund haben sie noch weniger Chancen, eine Ausbildungsstelle zu finden. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Kompetenzzentrums Technik-Diversity-Chancengleichheit in Bielefeld.

„Junge Frauen mit Migrationshintergrund interessieren sich für viele verschiedene Berufe und wollen Karriere machen“, erklärt Wenka Wentzel vom Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit in Bielefeld. 14 Prozent der befragten Mädchen mit Migrationshintergrund können sich vorstellen, Ärztin zu werden. Auch Lehramt und kaufmännische Berufe (jeweils mit 6 Prozent) stehen bei ihnen hoch im Kurs. „Wenn sie dann tatsächlich aus der Schule in die Arbeitswelt wechseln, landen sie in nur wenigen, den immer gleichen Berufsgruppen. Die Hälfte der jungen Frauen ohne deutsche Staatsangehörigkeit macht Ausbildungen in nur fünf Berufen wie Arzt- bzw. Zahnarzthelferin und Friseurin. Bei Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit sind dies nur 30 Prozent“

Nicht alle Mädchen, die Verkäuferin werden, wollen das auch. (Foto: flowcomm/Flickr CC BY 2.0)

Nicht alle Mädchen, die Verkäuferin werden, wollen das auch. (Foto: flowcomm/Flickr CC BY 2.0)

Der Grund dafür sei aber nicht dass sich die Mädchen nur für ein eingeschränktes Berufsspektrum interessieren. Diese jungen Frauen haben viele Wünsche in Bezug auf ihr Berufsleben und – sie träumen mehr als Mädchen ohne Migrationshintergrund von „klassischen Karriereberufen“ wie Ärztin oder Juristin. Sobald sie aber mit der konkreten Suche nach Ausbildungsmöglichkeiten beginnen, schränken sie ihre Wünsche drastisch ein und passen sie an wahrgenommene Arbeitsmarktrealitäten an.

„Die Einstellungspraxis der Unternehmen könnte hier viel verändern“, betont Wenka Wentzel. „Weil diese jungen Frauen in vielen Berufen kaum präsent sind, nehmen wir an, dass viele Personalverantwortliche, die Einfluss auf die Einstellungspraxis haben, keine Erfahrungen mit weiblichen Beschäftigten mit Zuwanderungsgeschichte haben. Es ist wichtig, Kontakte zwischen Unternehmen und interessierten Migrantinnen herzustellen, um mögliche Vorbehalte auf beiden Seiten abzubauen.“

Diese und andere Ergebnisse stellt der neueste Band der „Forschungsreihe Girls’Day“ vor. Darin werden relevante Befragungsergebnisse aus der Evaluation des Girls’Day – Mädchen-Zukunftstags veröffentlicht. Er kann ab jetzt unter http://www.girls-day.de/forschungsreihe eingesehen und heruntergeladen werden.

Für die Untersuchung wurden mehr als 10.000 Mädchen befragt und die Antworten von Haupt-, Realschülerinnen und Gymnasiastinnen ausgewertet. Davon haben insgesamt 24 Prozent einen Migrationshintergrund. Diese Mädchen legen hohen Wert auf Bildung und beschäftigen sich intensiv mit ihrer beruflichen Zukunft.

Achtung: Der nächste Girls’Day – Mädchen-Zukunftstag findet 2014 aufgrund der Osterferien bereits am 27. März statt.

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