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US-Militär finanziert Forschung an deutschen Hochschulen

KARLSRUHE. Das US-Pentagon vergibt Forschungsaufträge auch an deutsche Unis oder Institute – etwa zur Erkennung von Tumoren, zur Optimierung von Sprengstoff oder zur Orientierung von Drohnen.

Das Pentagon, das US-Verteidigungsministerium in Washington, gibt Geld für Forschung aus - auch in Deutschland. Foto: Wikimedia Commons

Das Pentagon, das US-Verteidigungsministerium in Washington, gibt Geld für Forschung aus – auch in Deutschland. Foto: Wikimedia Commons

Das US-Verteidigungsministerium lässt an deutschen Hochschulen und Instituten forschen. Seit dem Jahr 2000 seien über zehn Millionen Dollar (7,4 Mio. Euro) für Rüstungs- wie Grundlagenforschung an 22 Einrichtungen geflossen, berichten der Norddeutsche Rundfunk (NDR) und die «Süddeutsche Zeitung». Dabei geht es um Forschungen über militärische Sprengstoffe bis hin zu Orientierungssystemen für Drohnen. Die Hochschulen bestätigten auf Nachfrage weitgehend die Zusammenarbeit, wollten aber keine Angaben zu den Ergebnissen machen.

Laut den Berichten sind Gelder des US-Militärs auch an Universitäten geflossen, die sich durch eine Zivilklausel zur friedlichen Forschung verpflichtet haben sollen. Laut der Initiative «Ja zur Zivilklausel» haben derzeit 14 Universitäten in ihren Statuten festgelegt, nur Forschungen zur friedlichen Nutzung zu betreiben. Daraunter sind große Hochschulen wie die TU Berlin oder die Unis in Münster, Göttingen und Tübingen.

Die Universität München hat vom US-Pentagon 2012 mehr als 470 000 Dollar erhalten, um militärische Sprengstoffe zu verbessern. Die Fraunhofer-Gesellschaft forschte dem Bericht zufolge für die US-Armee an Panzerglas und an Sprengköpfen, die Universität Marburg an Orientierungssystemen für Drohnen und «präzisionsgelenkte Munition».

Die Verträge fanden sich den Angaben zu Folge in einer öffentlichen US-Datenbank. Zudem erhielten ein Max-Planck-Institut, die Fraunhofer-Gesellschaft, das Alfred-Wegener-Institut und ein Leibniz-Institut Mittel des US-Verteidigungsministeriums in Höhe von zusammen 1,1 Millionen Dollar.

Der hochschulpolitische Sorecher der Grünen, Kai Gehring, forderte die Hochschulen auf, Transparenz über ihre Drittmittelprojekte herstellen. «Nur die Offenlegung der vertraglichen Eckdaten ermöglicht den notwendigen gesellschaftlichen Diskurs über die ethische Bewertung der Forschungsprojekte», sagte Gehring. Diese Transparenz sichere zudem die wissenschaftliche Unabhängigkeit, indem sie mögliche Interessenskonflikte für die Gesellschaft offenlege.

Der Vize-Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Andreas Keller, forderte als ersten Schritt die Offenlegung aller militärischen Forschungsprojekte an Hochschulen und Instituten. Dies müsse bei Forschungsvorhaben für die Bundeswehr ebenso gelten wie für Projekte im Auftrag des Pentagon.

Das Bundesverteidigungsministerium gibt eigenen Angaben zu Folge jährlich rund 900 Millionen Euro für Forschungen aus. Der überwiegend Teil des Geldes fließt aber in Ressortforschung der eigenen Institute. An deutschen Hochschulen seien im Schnitt der letzten Jahre Aufträge mit einem Volumen von zehn Millionen Euro pro Jahr vergeben worden. «Detailliertere Angaben zu den Forschungsaufträgen sind aus Gründen der militärischen und der zivilen Sicherheit nicht möglich», erklärte ein Sprecher des Ministeriums.  dpa

Zum Bericht: Neuer Streit um Militärforschung an Hochschulen entflammt

 

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