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„Vorrang für Bildung“: GEW trommelt gegen Olympische Winterspiele in München

MÜNCHEN. Am Sonntag steht in vier bayerischen Kommunen eine Entscheidung an: Sollen sie sich für die Olympischen Winterspiele 2022 bewerben oder nicht? Ein Bürgerentscheid soll diese Frage klären. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Bayern hat sich deutlich positioniert. Sie fordert: „Vorrang für Bildung“ – und keine Bewerbung.

Die GEW möchte, dass die Stadt München und das Land Bayern erst mal mehr Geld in die Schulen steckt, bevor in eine Olympia-Bewerbung investiert wird. Illustration: News4teachers/Wikimedia Commons

Die GEW möchte, dass die Stadt München und das Land Bayern erst mal mehr Geld in die Schulen steckt, bevor in eine Olympia-Bewerbung investiert wird. Illustration: News4teachers/Wikimedia Commons

München, Garmisch-Partenkirchen und die Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land sind beteiligt, in allen vier Orten muss die Mehrheit der Bürger mit Ja stimmen, dann kommt es zur Bewerbung. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) wirbt dafür. „Zunächst einmal wäre es großartig für Deutschland“, sagt er laut einem Bericht der „Deutschen Welle“. „Und wir in München wissen ganz besonders, wie positiv sich Olympische Spiele auswirken. Da wird die Infrastruktur aufgebessert, da werden auch viele Schritte nachgeholt, die längst erforderlich gewesen wären.“

Die GEW Bayern meint hingegen: Für Infrastrukturbauten und Durchführung der Winterspiele seien derzeit rund 3,3 Milliarden Euro veranschlagt. „Bislang sind die tatsächlichen Kosten derartiger Großprojekte noch immer explodiert, meist vor allem zugunsten der Bauindustrie. Die Stadt München und im Hintergrund der Freistaat und der Bund müssten Finanzrisiken in Milliardenhöhe übernehmen, wohl je zu einem Drittel“, so heißt es in einer Erklärung.

Sowohl der Freistaat Bayern als auch die Stadt München und andere Kommunen würden bis heute deutlich zu wenig für öffentliche Bildung ausgeben. Gute Bildung koste mehr Geld. Die GEW meint: „Land und Stadt haben hier erst einmal alle ihre Hausaufgaben ordentlich zu erledigen. Die personelle Ausstattung der Bildungseinrichtungen ist unzureichend, Pädagoginnen und Pädagogen sind für die Herausforderungen ihres Berufs nicht ausreichend aus- und fortgebildet, die baulichen Mängel sind zum Teil himmelschreiend: egal, ob es um heraus fallende Fenster an Münchner Schulen oder herabstürzende Decken an der Uni Erlangen geht.“ Die Gewerkschaft zitiert einen Sportlehrer einer Münchner Schule: „Wegen Sparmaßnahmen wurde an unserer Schule die Turnhalle geschlossen. Soll ich jetzt den Kindern und Eltern sagen, dass man statt Geld für eine Turnhalle lieber 29 Millionen Euro alleine für eine unsichere Olympia-Bewerbung ausgibt?“

Gele Neubäcker, Vorsitzende der bayerischen GEW, meint: „Allein mit dem Geld für die Bewerbung könnte man den schlimmsten Notstand an etlichen Schulen lindern. Mit den auf insgesamt weit über 3,3 Milliarden Euro zu veranschlagenden Gesamtkosten könnte man das Bildungssystem so aufstellen, dass es keine Verlierer mehr gibt.“

Wegen der drei Wochen nach Olympia geplanten Paralympischen Winterspiele schwärme Bayerns Staatskanzleichefin Christine Haderthauer (CSU) von einem „starken Signal für ein inklusives Bayern“. Ein echtes Signal in diese Richtung sähe für die GEW Bayern anders aus: „Erst einmal müssten die in bayerischen Schulen aktuell praktizierten integrativen Maßnahmen endlich mit ausreichenden personellen und materiellen Ressourcen ausgestattet werden, um sie von diesem Status quo aus zu einer inklusiven Schule für alle Kinder und Jugendlichen weiter zu entwickeln.“

Neubäcker: „Wir sind kein Spielverderber in Sachen Zuschauersport oder gar Breitensport. Ganz deutlich möchten wir jedoch auf diese klare Fragestellung verweisen: Für wen und für was ist Geld da – und für wen und für was nicht?“ News4teachers

 

 

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