Anzeige


Startseite ::: Nachrichten ::: „Historische Übereinkunft“: Endlich bekommt auch Baden-Württemberg seinen Ganztag an der Grundschule

„Historische Übereinkunft“: Endlich bekommt auch Baden-Württemberg seinen Ganztag an der Grundschule

STUTTGART. Baden-Württemberg hinkt seit Jahrzehnten hinterher: Nun soll die Ganztagsschule zur Regel werden – in der Primarstufe jedenfalls. Grün-Rot und die Kommunen haben sich im Grundsatz geeinigt.

Nach den Kitas sollen nun auch Grundschulen im Südwesten familienfreundlicher werden. Land und Kommunen haben sich nach jahrelangem Streit auf die Finanzierung des Ausbaus der Ganztagsgrundschulen geeinigt. Die Eckpunkte für die Grundschulen und die ersten vier Klassen der Förderschulen für Kinder mit Lernproblemen stellten Finanz- und Kultusministerium sowie die Verbände in Stuttgart vor.

«Wir kommen damit dem Ziel näher, im Land Baden-Württemberg eine Ganztagsgarantie vom ersten Geburtstag bis zum letzten Schultag anbieten zu können», sagte Finanzminister Nils Schmid (SPD). Die grün-rote Landesregierung verspricht sich mehr Qualität und Bildungsgerechtigkeit, weil es mehr Zeit für Förderung sowie musische und sportliche Angebote gibt.

Nach fast fünf Jahrzehnten soll die Ganztagsschule vom kommenden Schuljahr als Regelschule an drei oder vier Tagen jeweils sieben oder acht Stunden eingerichtet werden können. Diese flexible Handhabung hatten die Kommunen gefordert. Die entsprechende Schulgesetznovelle soll noch vor dem Start des Schuljahres 2014/15 verabschiedet werden, die große Antragswelle wird aber 2015/16 erwartet. Im Endausbau rechnet das Land mit 70 Prozent aller Grund- und Förderschulen, die verbindliche oder freiwillige Ganztagsangebote offerieren. Kostenpunkt 2023: 147 Millionen Euro plus 10,6 Millionen Euro für die ersten vier Klassen der Förderschulen pro Jahr. Basis für diese Berechnung sind 2063 zusätzliche Lehrerstellen. Kultusminister Andreas Stoch (SPD) hofft auch auf die schwarz-rote Bundesregierung, die im Koalitionsvertrag weitere Gelder zugesagt hatte.

Die CDU sprach von einem überfälligen Schritt. Grün-Rot habe erst auf Druck der Opposition reagiert. Der SPD-Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei nannte den Vorwurf der Verschleppung lächerlich, habe doch die Union als Regierungspartei das Thema jahrzehntelang verschlafen. Die FDP sieht einen «bildungspolitischen Taschenspielertrick» zu Lasten der Kommunen.

Es sei eine «historische Übereinkunft», auf die Familien und Wirtschaft gleichermaßen gewartet hätten, betonte dagegen Schmid. Nach den Worten von Städtetagspräsidentin Barbara Bosch ist es für die Eltern wichtig, dass ihre Kinder nach dem Ausbau von Ganztags-Kitas beim Eintritt in die Grundschule nicht in eine Betreuungslücke fallen.

Für die Eltern sei auch erfreulich, dass der «Konfliktstoff» Hausaufgaben durch die Ganztagsschule wegfalle, fügte Kultusminister Andreas Stoch (SPD) hinzu. Baden-Württemberg habe gerade bei Ganztagsangeboten an Grundschulen einen Nachholbedarf: Von rund 2400 öffentlichen Grundschulen im Land bieten nur 373 im Modellversuch eine Ganztagsbetreuung an.

Auch der gordische Knoten beim Thema Mittagessen ist durchschlagen. Die Kommunen stellen das Personal für die Ausgabe des Mittagessens im Speiseraum und die Betreuung der Kinder in dieser Zeit. Sobald die Kinder die Mensa verlassen, ist das Land verantwortlich. An der Betreuung in der Pause nach dem Essen beteiligen sich aber die Kommunen mit einem pauschalen Ausgleich von maximal zehn Millionen Euro im Jahr.

Für die Landkreise begrüßte Verbandspräsident Joachim Walter, dass das Land sich grundsätzlich zu höheren Zuweisungen an die Kreise bei Mehrkosten für die Schülerbeförderung verpflichtet fühle. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und der CDU-Bildungsexperte Georg Wacker plädierten dafür, dass auch für die anderen Schularten der Ganztag vorangetrieben wird. GEW-Landeschefin Doro Moritz verwies darauf, dass laut einer Emnid-Studie 70 Prozent der Eltern eine Ganztagsschule bevorzugen würden. JULIA GIERTZ, dpa

 

2 Kommentare

  1. Warum gilt eine „Ganztagsgarantie vom ersten Geburtstag bis zum letzten Schultag“ als familienfreundlich? Ist eine so exzessive außerhäusliche Betreuung nicht eher familienfeindlich?
    Freundlich für den Arbeitsmarkt ja, für die Wirtschaft ja, für die Berufstätigkeit beider Elternteile ja, für Einnahmen des Staates an Steuern und Abgaben ja.
    Doch fürs Familienleben?

  2. ICh verstehe noch nicht ganz – heißt das, dass künftig irgendwann ALLE Kinder ab der 1. Klasse ganztags in die Schule müssen?? Das wäre grauenvoll.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*