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Historischer Höchststand: Fast 30 Millionen Sklaven weltweit

BERLIN. Weltweit befinden sich rund 30 Millionen Menschen in moderner Sklaverei – mehr als zur Zeit der Sklavenbefreiung unter Abraham Lincoln im Jahr 1863, das meldet die Menschenrechtsorganisaion International Justice Mission (IJM).

Die Betroffenen werden ausgebeutet, zur Arbeit gezwungen und misshandelt. Die Grausamkeit der Sklaverei, wie sie der aktuelle Kinofilm „Twelve Years As Slave“ beispielhaft darstellt,sei noch immer Realität, meldet IJM. Obwohl Sklaverei offiziell in allen Ländern dieser Erde verboten ist, fehlt in vielen Ländern die konsequente strafrechtliche Verfolgung, weshalb die Zahl der Opfer konstant steigt.

IJM berichtet von einem beispielhaften Fall aus Indien: Der Besitzer einer Reismühle in Chennai, sein Namen war Kandasamy, hatte seine Arbeiter mit einmaligen Vorauszahlungen angelockt. Er hatte ihnen versichert, dass sie die Darlehen in seiner Fabrik abarbeiten könnten. Tatsächlich war der Vorschuss eine Falle. Kandasamy zahlte den Arbeitern nur so viel, dass sie sich ernähren konnten. Außerdem erhob er überhöhte Zinsen auf die Darlehen, die die Arbeiter nicht abbezahlen konnten. Die Reismühle konnten sie deshalb nicht mehr verlassen. Der Sklavenhalter drohte ihnen und misshandelte sie körperlich. Kandasamy prahlte ganz offen mit seiner Strategie und erklärte lachend: „Die Schulden der Arbeiter häufen sich immer mehr an. Sie müssen arbeiten. So führe ich dieses Unternehmen schon seit 25 Jahren!“

Während seiner Gefangenschaft in der Reismühle heiratete einer der Arbeiter, Raman, eine Sklavin. Seine vier Kinder erbten das schreckliche Schicksal der Sklaverei, das von Generation zu Generation weiterging. Raman sagte, er hatte sich als „stiller Beobachter“ seines eigenen Lebens gefühlt: in einem monotonen Kreislauf aus 18-Stunden-Tagen erntete er Reis, bearbeitete ihn und füllte den fertigen Reis schließlich in Säcke. Oft musste er zusehen, wie seine Frau bei der ebenfalls schweren Arbeit vor Erschöpfung zusammenbrach. „Wir hatten keine Wahl, wir mussten immer weiter arbeiten,“ sagte er und fand sich langsam mit seiner Lage ab. Doch er träumte, dass seine Kinder eines Tages spielen und zur Schule gehen könnten.

Nachdem IJM die Zwangsarbeit und Misshandlungen in der Fabrik entdeckt hatte, befreiten Ermittler mit lokalen Behörden, Raman und 34 weitere Sklaven dort. Ein IJM-Leiter für die Nachsorge der Opfer in Chennai sagte: „Viele Arbeiter, die wir unterstützen, müssen sich erst an ihre Freiheit gewöhnen. Wir müssen sie an die Rechte, die sie als Bürger Indiens haben, erinnern, da sie so lange nur als Besitz behandelt worden sind und ihrer grundlegendsten Rechte beraubt waren.“

IJM Deutschland e. V. ist der deutsche Zweig der internationalen Menschenrechtsorganisation International Justice Mission (IJM), die sich in 14 Partnerländern in Asien, Afrika und Lateinamerika für die Rechte der Opfer von Menschenhandel, Sklaverei und anderen Formen der gewaltsamen Unterdrückung einsetzt. Ermittler, Anwälte und Sozialarbeiter von IJM befreien Opfer, klagen Täter vor Gericht an, helfen den Betroffenen und nehmen Einfluss auf die jeweiligen Rechtssysteme, sodass Menschenrechte tatsächlich durchgesetzt werden.

2013 befreite IJM über 3.324 Menschen aus Sklaverei, Menschenhandel und andere Formen der gewaltsamen Unterdrückung.

Mehr Informationen zur Arbeit von IJM finden Sie hier

Ein Kommentar

  1. Ich las mehrmals, dass es auch in Deutschland viele sklavenähnliche Verhältnisse gebe – größtenteils im Bereich der Prostitution. Schade, dass diese immer noch legal ist!

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