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Streit um Unterrichtsausfall – GEW: Mehr Lehrer statt messen

DÜSSELDORF. Sollte der Unterrichtsausfall genau ermittelt werden? Eine Studie für die NRW-Regierung sagt, das koste viel und bringe wenig. Der Schulausschuss will es genauer wissen und die Gutachter befragen. Die CDU warf Schulministerin Löhrmann «Fahrlässigkeit» vor. Die GEW meinte hingegen: „Mit einer besseren Erfassung gibt es nicht mehr Unterricht.“

Zu den kritisierten Unterrichtsausfällen an nordrhein-westfälischen Schulen sollen demnächst Gutachter im Landtag befragt werden. Bildungspolitiker aller Fraktionen einigten sich im Schulausschuss, die angesetzte Beratung zu verschieben und die Verfasser eines vom Schulministerium beauftragten Gutachtens einzuladen.

In NRW wird nicht genau erfasst, wie viele Unterrichtsstunden ausfallen. Neben viel Kritik aus der Elternschaft fordert auch der Landesrechnungshof eine detaillierte Statistik. Die Gutachter hatten nun in ihrem Bericht bilanziert: Eine solche Statistik sei nur mit nicht vertretbarem Aufwand zu erstellen und erfordere bis zu 700 Lehrerstellen.

Die CDU-Fraktion kritisierte, Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) wolle offenbar ein «unliebsames Thema unter den Teppich kehren». CDU-Schulexpertin Petra Vogt zufolge wurde der Unterrichtsausfall in NRW immer statistisch erhoben, bis Rot-Grün 2010 an die Regierung kam. «Qualität im Unterricht kann es nur geben, wenn er auch stattfindet», erklärte Vogt in einer Mitteilung. «Unterrichtsausfall ist keine Petitesse.» In Bayern und Sachsen – bei schulischen Ländervergleichen regelmäßig an der Spitze – gebe es differenzierte Erhebungen des Unterrichtsausfalls. Sie warf Löhrmann «Fahrlässigkeit» gegenüber den Schülern vor.

Das Gutachten war von Schulforschern der Universität Bochum und der Fachhochschule Nordwestschweiz (Brugg) verfasst worden. Die Experten kommen darin auch zu dem Ergebnis: Eine zeitlich beschränkte Abwesenheit von Lehrern habe auf den auf den Lernerfolg der Schüler nur geringe Auswirkungen. Der Aufwand einer aufwendigen Statistik lohne daher nicht. Der umfangreiche Bericht war Anfang Januar veröffentlicht worden und sollte eigentlich am Mittwoch im Ausschuss beraten werden.

Die GEW begrüße die Empfehlung der vom Schulministerium NRW in Auftrag gegebenen Studie,  Ressourcen nicht in die Erfassung, sondern in die Vermeidung von Unterrichtsausfall zu investieren. Die Ursachen für Unterrichtsausfall seien hinlänglich bekannt sind. Als kontraproduktiv nannte die GEW eine im letzten Jahr in NRW vorgenommene Kürzung der flexiblen Mittel für Vertretungsstellen.n „Effektiv lässt sich Unterrichtsausfall an unseren Schulen nur mit ausreichend Personal vermeiden“, sagte GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer. „Deshalb benötigen wir eine Vertretungsreserve an den Schulen und mehr Mittel für die Kompensation von krankheitsbedingten und anderen Ausfällen.“

Der Landesrechnungshof hatte im Jahresbericht 2011 kritisiert, an 105 überprüften öffentlichen allgemeinbildenden Schulen seien rund 5,8 Prozent des Unterrichts ersatzlos ausgefallen (Schuljahr 2008/09). Das Schulministerium ermittelte in einer kleineren Stichprobe eine Fehlquote von 2,3 Prozent. dpa

Zum Bericht: Gutachten: Unterrichtsausfall hat kaum Auswirkung auf Schülerleistung

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