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Wildschwein wütet im Klassenzimmer

FRIESSNITZ. Für helle Aufregung hat eine desorientierte Wildsau in einer Grundschule in der Nähe von Gera gesorgt. Während die Viertklässler beim Sportunterricht weilen, verwüstet das aaufgebrachte Tier den Klassenraum. Auch Dank der umsichtigen Reaktion der Kollegen, gibt es keine Verletzten.

Blutspritzer an der Wand, umgeworfene Tische, ein kaputtes Fenster: Knapp sind Viertklässler der Grundschule in Frießnitz bei Gera einer Wildschweinattacke entgangen. Die Kinder sind kurz nach 13.00 Uhr am Donnerstag beim Sportunterricht, als das Schwein durch ein geschlossenes Fenster im Erdgeschoss springt und im verwaisten Klassenraum wütet. «Das Tier wird komplett desorientiert gewesen sein und hätte die Kinder mit Sicherheit angegriffen», sagt Horst Sproßmann von der Landesanstalt Thüringenforst.

Ein Wildschwein

Auch wenn Wildschweine Menschen grundsätzlich nicht angreifen ist Vorsicht geboten. Foto: Rudolpho Duba / pixelio.de

Das Schwein hat mit seiner Einlage dennoch für helle Aufregung gesorgt. Eine Lehrerin habe schreiend die Tür zugehalten und Kinder losgeschickt, den Schlüssel zu holen, um das Zimmer abzuschließen, berichtet Schulleiterin Steffi Roßmann. «Aber wenn so eine Wildsau ein Fenster durchbricht, ist wohl auch eine Tür nicht sicher.» Deswegen sei das Zimmer zusätzlich mit einem Mattenwagen aus der Sporthalle verbarrikadiert worden. Viele Kinder seien sehr neugierig gewesen, wurden aber vom Geschehen abgeschirmt.

Forstexperte Sproßmann vermutet eine Kurzschlussreaktion des noch jungen Tieres. «Ich nehme an, dass es aus irgendeinem Grund von seiner Rotte getrennt und dadurch panisch geworden ist.» So ein Vorfall wie in Frießnitz sei die absolute Ausnahme – ihm sei kein ähnlicher Fall bekannt. «Ich bin mehr als 30 Jahre hier Lehrer, aber so etwas ist mir noch nie passiert», konstatiert auch Roßmann. Zumal die Schule zwar am Ortsrand, aber etwa einen Kilometer vom Wald entfernt liege.

Dass Wildschweine dem Menschen bis hinein in Großstädte folgen, ist bekannt. «Generell sind sie aber menschenscheu und würden Menschen auch nicht einfach so angreifen», erläutert Sproßmann. Auf der Hut müsse man aber sein, wenn einem eine Bache mit Jungen im Wald begegne oder – wie im Fall Frießnitz – man es mit einem verwirrten Tier zu tun bekomme. Zwar kommen Wildtiere auch in strengen Wintern immer wieder nah an Siedlungen heran, um Futter zu suchen. Bei den aktuell milden Temperaturen sei das Futterangebot in Wald und Feld aber so gut, dass sie dort noch genügend Nahrung finden, betont Sproßmann.

Die etwa 30 Kilogramm schwere Wildsau aus Frießnitz jedenfalls hat ihren Abstecher in die Grundschule überlebt. Laut Polizei hat sie sich bei ihrem Fenstersprung nur leicht verletzt. Sie wurde von einem Tierarzt per Schuss betäubt und anschließend wieder in den Wald gebracht. In dem Zimmer, wo sie gewütet hat, werden die Kinder aber erst am Montag wieder lernen. Der Raum sei von Blut und Schmutz gesäubert und sollte am Freitag desinfiziert werden, hieß es. (Andreas Hummel, dpa)

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