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Zum Wutbrief der Lehrerin: Erziehen in der Schule – ja, aber …

Ein Kommentar von ANDREJ PRIBOSCHEK.

Der Bildungsjournalist Andrej Priboschek. Foto. Alex Büttner

Der Bildungsjournalist Andrej Priboschek. Foto. Alex Büttner

De jure ist die Sachlage klar: Natürlich gehört zum Bildungsauftrag von Lehrerinnen und Lehrern – schon gar von denen in den Grundschulen – nicht nur die Wissensvermittlung, sondern auch das Erziehen. Kein Pädagoge wird das ernsthaft bestreiten. Wohl auch die Lehrerin nicht, die in ihrem Ärger über den aus dem Ruder gelaufenen Ausflug mit Erstklässlern etwas über das Ziel hinausschoss, als sie den Eltern schrieb: „Mein Job ist der, Ihre Kinder zum Lernen zu bewegen.“ Eine Grundschule, das weiß auch die Kollegin, ist nun mal keine Mini-Universität.

De facto allerdings ist die Sachlage schwieriger: Was bedeutet denn die Erziehungsverantwortung von Lehrern? Sie geht im Einzelfall recht weit, kann aber – und das ist offenbar nicht immer so klar – die elternliche Fürsorge nicht ersetzen. Die Schule ist nur ein Teil im Leben eines Kindes, ein wichtiger, zugegeben, aber auch ein zeitlich eng begrenzter. Das macht deutlich, dass es ohne ein vernünftiges Miteinander von Eltern und Lehrern nicht geht.

Aber genau daran hapert es allzu häufig. Wie viele Eltern vermitteln ihren Kindern zu Hause, dass sie die Schule nicht allzu ernst zu nehmen brauchen? Das geschieht häufig bewusst (wenn etwa Eltern ihren Kindern mitgeben, sie sollten sich nichts gefallen lassen, und von der doofen Lehrerin schon gar nicht) und häufiger noch unbewusst (wenn Eltern ihren Kindern vorleben, dass es Wichtigeres auf der Welt gibt als Bildung). Erziehung muss konsequent sein, sonst funktioniert sie nicht. Wenn der eine Erziehungsverantwortliche„Hü“ sagt und der andere „Hott“ – dann werden Kinder kaum folgen. Wem auch? Dieses gravierende Problem öffentlich gemacht zu haben, dieses Verdienst gebührt der mutigen Lehrerin aus dem Hamburger Vorort.

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