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Bayern: SPD fürchtet bis 2020 jährliche Kürzung von 1.000 Lehrerstellen

MÜNCHEN. Keine Ruhe im bayerischen Lehrerstellen-Streit. SPD-Bildungsexperte Martin Güll rechnet damit, das bis 2020 rund 6800 Lehrerstellen wegfallen könnten. „Reine Spekulation“ heißt es dazu aus dem Kultusministerium. Genauere Zahlen, wieviele Stellen schon in diesem Jahr gestrichen werden sollen gab es aber noch nicht.

Die Landtags-SPD fürchtet nach den ersten Streichungen von Lehrerstellen tausende weitere Kürzungen bis 2020. Da die Schülerzahlen stark zurückgehen werden, werde die Staatsregierung vermutlich auch die Stellenkürzungen fortsetzen, sagte der SPD-Bildungsexperte Martin Güll. Ausgehend von der ersten Runde geht die SPD davon aus, dass bis zu 1000 Stellen jährlich wegfallen könnten. Bis 2020 könnten das etwa 6830 Stellen sein.

Der Landtagsabgeordnete Martin Güll sorgt sich um die bayerischen Gymnasiasten. Foto: www.martin-guell.de

SPD-Bildungsexperte Martin Güll hält die Hochrechnung, nach der bis 2020 etwa 6830 Stellen gestrichen werden könnten, noch für eine konservative Schätzung. Foto: www.martin-guell.de

Das Kultusministerium wies das als «reine Spekulation» zurück. «Der Haushalt des Freistaats Bayern ist für die Jahre 2013/2014 verabschiedet, die Verhandlungen zum Nachtragshaushalt für 2014 stehen erst bevor», sagte ein Sprecher am Freitag in München. «Wie die SPD bereits heute Feststellungen für 2020 treffen will, kann nicht nachvollzogen werden.»

Dagegegen sagte SPD-Bildungsexperte Güll: «Das ist eine sehr konservative Schätzung.» Der Vorsitzende des Bildungsausschusses im Landtag geht von der Schülerprognose des Kultusministeriums aus. Demnach wird die Schülerzahl von 1,72 Millionen im Jahr 2013 auf 1,58 Millionen im Jahr 2020 zurückgehen – ein Minus von gut acht Prozent. Derzeit verfügt das Kultusministerium noch über 87 000 volle Lehrerplanstellen – eine Kürzung von 6830 Stellen wäre prozentual sogar etwas niedriger als der Rückgang der Schülerzahlen.

Vor dem Kultusministerium in München demonstrierten am Freitagvormittag einige hundert Schüler gegen die CSU-Schulpolitik.

Güll kritisierte, dass Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) bisher keine Analyse des künftigen Lehrerbedarfs vorgelegt hat. «Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat eine Ganztagsgarantie zugesagt, eine Stärkung individueller Förderung und Inklusion», sagte Güll. «Wenn er diese Aufgaben festschreibt, müsste er seriöserweise aber auch sagen, wie er diese Ziele erreichen will.»

In der Tat hat das Kultusministerium bislang keine genauen Zahlen vorgelegt, wie viele Lehrerstellen in diesem Jahr gestrichen werden sollen. Finanzminister Markus Söder (CSU) hatte zuletzt von 196 Stellenstreichungen gesprochen, aus einer Antwort des Kultusministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der SPD ergibt sich ein Nettominus von 401 Stellen.

Der Bildungsausschuss des Landtags hatte deswegen am Donnerstag einstimmig einen Bericht des Kultusministeriums zur Entwicklung von Schüler – und Lehrerzahlen in den nächsten Jahre gefordert. Initiator waren die Freien Wähler. «Das darf nicht auf die lange Bank geschoben werden», sagte der FW-Bildungspolitiker Günther Felbinger. «Wir erwarten, dass der Bericht bis Ostern vorliegt.»

Nach Einschätzung Gülls wäre allein der Ausbau des Ganztagsunterrichts ohne mehrere hundert zusätzliche Stellen nicht zu bewältigen. «Ganz grob gesprochen brauchen Sie für drei zusätzliche Ganztagsklassen einen zusätzlichen Lehrer», sagte Güll. «Wir haben derzeit 20 000 Grundschulklassen in Bayern, darunter sind 2700 gebundene Ganztagsklassen. Unter 500 zusätzlichen Stellen ist an einen Ausbau gar nicht zu denken.» (dpa)

zum Bericht: Bayrischer Landtag fordert von Minister Spaenle Auskunft über Lehrerplanung

zum Bericht: Also doch: Seehofer hat Streichungen von Lehrerstellen seit Längerem geplant

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