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Finanzierung unklar: Berufsorientierung für Schüler in Thüringen wackelt

ERFURT. Seit mehr als zehn Jahren werden Schüler ab der siebten Klasse in Thüringen bei der künftigen Berufswahl unterstützt. Das entsprechende Projekt steht jetzt auf der Kippe – weil die Finanzierung nicht abschließend geklärt ist.

Das Thüringer Projekt zur Berufsorientierung für Schüler «Berufsstart Plus» steht vor finanziellen Problemen. Die bisherige Förderung aus Mitteln des Bundes, der EU, der Bundesagentur für Arbeit (BA) und des Freistaates laufe zum Sommer aus, sagte die Projektleiterin bei der Handwerkskammer Südthüringen, Petra Bürger, der Nachrichtenagentur dpa in Suhl. Zwar hätten das Bildungs- und das Wirtschaftsministerium eine Zwischenfinanzierung bis Jahresende zugesichert. «Die Förderung ist aber noch unklar», fügte sie hinzu.

Lehrstellen-Bewerber und ausbildende Betriebe finden immer seltener zusammen. Foto: Tognum / flickr (CC BY-NC 2.0)

Die Berufsorientierung in Thüringen wird zurzeit noch über EU-Mittel gefördert. Foto: Tognum / flickr (CC BY-NC 2.0)

Seit mehr als zehn Jahren können Schüler ab der siebten Klasse im Rahmen des Projektes in elf möglichen Berufsfeldern erste Erfahrungen sammeln und sich ausprobieren. Die Schnupperwochen werden von sogenannten Projektbegleitern unterstützt. Davon gibt es rund 30 in Thüringen. Auch Lehrer und die Eltern sind daran beteiligt. Derzeit profitieren rund 20 000 Jugendliche von dem Programm, das pro Schuljahr mit rund vier Millionen Euro gefördert wird.

Bürger zufolge müssten im März erste Kündigungen an die Projektbegleiter verschickt werden, wenn die Finanzierung weiterhin unsicher ist. «Wir haben keine Zusage, sondern nur eine Absichtserklärung», sagte sie und fügte hinzu: «Das wäre ganz schädlich». So würden die Netzwerke und die gesamte Koordination unterbrochen werden.

Hintergrund ist die ab 2015 beginnende neue Förderperiode für EU-Mittel, die bis 2020 läuft. Das Geld fließt laut Bürger frühestens Anfang kommenden Jahres. Eine Zwischenfinanzierung sei für die Handwerkskammern als Träger nicht möglich. «Wir können nicht in Vorkasse gehen». Dennoch zeigte Bürger sich zuversichtlich, noch eine Lösung zu finden. Die beteiligten Landesministerien und auch der Bund stünden dem Programm schließlich positiv gegenüber.

Das bestätigte auch der Sprecher des Bildungsministeriums, Gerd Schwinger. Dieses Schuljahr sei noch finanziert. «Danach soll es bis Ende 2014 überbrückt werden», sagte er. Hier gebe es derzeit entsprechende Abstimmungen mit dem Wirtschaftsministerium.

Unklar ist laut Schwinger, wie es im kommenden Jahr weitergeht. Dann übernimmt das Bildungsministerium die Koordinierung im Rahmen einer sogenannten Landesrichtlinie, einer Art Dachorganisation. Die notwendigen Mittel bei der EU seien bereits beantragt. «Wir wollen das Projekt weiterführen», betonte er. Insgesamt gebe es aber rund 70 teils lokale Programme zur beruflichen Förderung von Jugendlichen im Freistaat. Die Bundesregierung und die Bundesagentur für Arbeit würden sich zudem aus dem Projekt zurückziehen.

Die Linke fordert nun ein «klares Konzept». Dies müsse mit dem Bundesbildungsministerium abgestimmt und zu einer Standardleistung weiterentwickelt werden, betonte die Landespolitikerin Ina Leukefeld. Ob die Förderung künftig auf einem gleich hohen Niveau weiterläuft wie bisher, ließ Schwinger allerdings offen. «Es ist sicherlich davon auszugehen, dass die Mittel nicht steigen», sagte er. dpa

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