Startseite ::: Titelthema ::: Studie: Mehr Verantwortung belastet Schulleiter

Studie: Mehr Verantwortung belastet Schulleiter

FRANKFURT/MAIN. In den meisten Bundesländern haben Schulen heute wesentlich mehr Eigenverantwortung als früher. Das erfordert von den Schulleitern neue Managementqualitäten. Von vielen wird die neue Autonomie als Belastung erlebt, zumal  Verwaltungsaufgaben und  Unterrichtsverpflichtung nicht weniger werden.

Der Trend geht zur Selbstständigkeit. In den meisten Bundesländern ist in den letzten Jahren die Eigenverantwortlichkeit von Schulen kräftig gestärkt worden, in der Hoffnung auf Qualitätsverbesserungen. Den Schulleiterinnen und Schulleitern kommt dabei eine Schlüsselfunktion zu. Nach dem Motto „vom Verwalten zum Gestalten“ sollen sie nicht mehr nur Verwalter sein, sondern die eigene Schule strategisch entwickeln.

Planungsdiagramm - Schulleiter haben mehr Verantwortung als früher und nehmen das als Belastung wahr. Foto: Jerry / flickr-(CC BY 2.0)

Schulleiter haben mehr Verantwortung als früher und nehmen das als Belastung wahr. Foto: Jerry / flickr-(CC BY 2.0)

Schöne neue Schulleitungswelt also? – Keineswegs, wie eine Studie des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) unter der Leitung von Dr. Stefan Brauckmann zeigt: Schulleiter haben demzufolge heute in der Tat mehr Freiheit als früher, aber oft fühlten sie sich von der größeren Autonomie überfordert.

Einerseits seien die Verwaltungsaufgaben nicht weniger geworden. Die Untersuchung ergab, dass die Schulleitungen deutlich mehr Zeit mit Verwaltungs- und Lehrtätigkeiten verbringen als mit den strategischen Führungsaufgaben in der Schulentwicklung. (Ein durchschnittlicher Grundschulleiter kam auf eine Arbeitszeit von ca. 49 Stunden in der Woche, von denen rund 40 auf Verwaltungs- und Lehrtätigkeiten fielen.)

Andererseits hätten die neuen Leitungsaufgaben, das Berufsbild der Schulleitungen grundlegend gewandelt. Neben den herkömmlichen Arbeiten übernehmen die Schulleiterinnen und Schulleiter heute vermehrt neue Aufgaben der Organisations- und Personalentwicklung. Zudem müssten sie Unterrichtskonzepte so gestalten, dass die Ergebnisse der Messlatte zentraler Prüfungen Genüge tun. Gefragt ist statt des pädagogischen Primus inter Pares daher zunehmend der Schulmanager.

„Für die Schulleitungen seien die Voraussetzungen, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden und Schulen wirksam weiterzuentwickeln, sehr schwierig“, so Brauckmann. So fühlten sich die Schulleiter durch ihre Ausbildung nicht genügend auf die Tätigkeit vorbereitet. Der Verwaltungsaufwand sei durch die erweiterte Schulautonomie meist noch gestiegen und die Ausstattung mit Personal und Ressourcen wurde als nicht ausreichend bemängelt. Kein Wunder also, dass von vielen Befragten wurde die neue Autonomie weniger als Chance, denn als hohe Belastung empfunden wird.

Um der Neuausrichtung des Berufsbildes der Schulleitungen gerecht zu werden, bedürfe es Brauckmann zufolge einer stärkeren Berücksichtigung von Leitungsaufgaben in der Lehrerbildung. und einer intensiveren Vernetzung der Schulleitungen.“ An der Motivation mangele es der Studie zufolge jedenfalls nicht: Als Kernmotiv für das Ergreifen des Schulleiterberufs wurde übergreifend der Wunsch genannt, die Schulen zu verbessern.

Für das Projekt „Schulleitungshandeln zwischen erweiterten Rechten und Pflichten“ (SHaRP), wurden Leiter von 112 Grundschulen und 97 Gymnasien in sechs Bundesländern zu ihren Aufgaben und Belastungen befragt. (News4teachers)

Details zur sHaRP-Studie

Ein Kommentar zum Schulleiter-Mangel: “Belastbare Bewerber gesucht”

zum Bericht: GEW fordert bessere Bezahlung für Schulleiter

Zum Bericht: Nina Ruge moderiert beim Deutschen Schulleiterkongress

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*