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Mehr als die Hälfte der niedersächsischen Gymnasien streichen Klassenfahrten

HANNOVER. Niedersachsens Lehrer wollen nicht hinnehmen, dass sie vom kommenden Schuljahr an mehr arbeiten sollen und erhöhen den Druck auf die Landesregierung. Den Boykott von Klassenfahrten bekommen die Jugendherbergen schmerzlich zu spüren.

Klassenfahrten sind pädagogisch wertvoll - und für Lehrer oft Zusatzarbeit. Foto: gostockholmgoeteborg / (CC BY-NC-SA 2.0)

Klassenfahrten sind pädagogisch wertvoll – und für Lehrer oft Zusatzarbeit. Foto: gostockholmgoeteborg / (CC BY-NC-SA 2.0)

An Niedersachsens Schulen wächst der Widerstand gegen die vom Kabinett beschlossene Mehrarbeit für Lehrer. Bereits 170 Gymnasien und Kooperative Gesamtschulen hätten einen Boykott von Klassenfahrten beschlossen, sollte die Landesregierung an ihren Plänen festhalten, teilte der Philologenverband in Hannover mit. Unter den Auswirkungen leiden die Jugendherbergen im Norden: Mittlerweile sind nach Angaben des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) fast 20 000 Übernachtungen von Schulen storniert worden.

Der Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Eberhard Brandt, sagte: «Wir organisieren den Klassenfahrtenboykott nicht, aber wir haben dafür Verständnis.» Die GEW rief zu neuen Protesten gegen die Arbeitszeiterhöhung auf. Pädagogen in ganz Niedersachsen sollen am 20. März um fünf vor zwölf Uhr mit Plakaten am Schultor demonstrieren. «Wer sich mit der Lehrerschaft anlegt, erleidet politischen Schaden», betonte Brandt. «Wir halten durch bis zu den nächsten Wahlen.» Wegen des Wortbruchs der Landesregierung würden auch rechtliche Schritte geprüft.

Das Kabinett hatte am 12. Februar beschlossen, die wöchentliche Unterrichtsverpflichtung an Gymnasien um eine Stunde zu erhöhen sowie die versprochene Altersermäßigung an allen Schulen zu streichen. Ursprünglich sollten die Pädagogen ab 55 Jahren eine Stunde und ab 60 Jahren zwei Stunden weniger unterrichten. Jetzt bleibt es bei einer Stunde weniger ab 60 Jahren. Aus Sicht von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) ist das «vertretbar und verkraftbar». Die Einsparungen von jährlich rund 80 Millionen Euro sollen an anderer Stelle für Bildung ausgegeben werden.

Unter anderem gebe es eine bessere Ganztagsausstattung, mehr Schulpsychologen und eine Stärkung des Gesundheits- und Arbeitsschutzes. «Damit stehen die Gymnasien insgesamt deutlich besser da als vor dem Regierungswechsel», sagte Ministeriumssprecherin Susanne Schrammar.

Für die 68 Jugendherbergen des DJH in Niedersachsen sind die Einbußen schmerzlich. Rund 40 Prozent der Gäste sind Schüler auf Klassenfahrt. Viele Lehrer buchen Gesamtpakete mit von den Herbergen organisierten Stadtrallyes oder Exkursionen. In manchen Jugendherbergen seien schon zehn Prozent der Klassenfahrten abgesagt worden, berichtete DJH-Hauptgeschäftsführer Bernd Dohn am Montag. «Wir sind nervös, aber wir diskutieren noch nicht über Arbeitsplatzabbau.»

Die Streichung von Klassenfahrten und anderen freiwilligen Zusatzarbeiten wird von den Personalräten der jeweiligen Schulen beschlossen. Im November hatten erst 50 der rund 300 Gymnasien und Kooperativen Gesamtschulen sich für diese Maßnahme entschieden, inzwischen sind es schon mehr als die Hälfte. Die Lehrerverbände kritisieren unter anderem auch, dass durch die vorgesehene Mehrarbeit 1750 Referendarinnen und Referendare um ihre Einstellungschancen gebracht werden.

In den vergangenen Monaten hatten sich Jugendliche in Hannover oder Osnabrück mit den Pädagogen solidarisiert und gegen die rot-grüne Bildungspolitik demonstriert. Der Landesschülerrat (LSR) warnte allerdings nun davor, Schüler zu instrumentalisieren. «Die Schüler leiden am meisten unter der Absage der Klassenfahrten», sagte der LSR-Vorsitzende Helge Feußahrens.

Der Philologenverband  sieht den Schulfrieden in Niedersachsen gefährdet, wenn die Landesregierung weiter an der Arbeitszeiterhöhung für Lehrkräfte festhalte – und weiterhin sachliche Argumente mit Provokationen beantworte.

Der jetzt vorliegende Entwurf einer Arbeitszeitverordnung für Lehrkräfte halte nämlich nicht nur an der Arbeitszeiterhöhung für Gymnasiallehrer fest, erklärte der Vorsitzende der Lehrerorganisation, Horst Audritz, er enthalte nicht einmal mehr den ursprünglichen Beschluss des Landeskabinetts, die Wiederherstellung der früheren Altersermäßigung für alle Lehrer nur zeitlich befristet „auszusetzen“; stattdessen werde diese jetzt generell gestrichen. Diese „Provokation“ werde der Empörung in den Kollegien neue Nahrung geben und die Auseinandersetzungen mit Rot-Grün weiter antreiben, unterstrich Audritz. News4teachers, mit Material der dpa

Zum Bericht: Lehrer streichen aus Protest Klassenfahrten – Ministerium machtlos

 

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