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Rolle rückwärts beim Turbo-Abitur – wird Niedersachsen Vorreiter?

HANNOVER. In diesem Jahr absolvieren niedersächsische Schüler bereits zum vierten Mal das Abitur nach acht Jahren. Jetzt deutet alles auf eine Rücknahme der Reform hin. Fragen und Antworten zum Stand der Dinge in Niedersachsen.

Die Landesregierung will bis zum Sommer einen Zeitplan für eine Reform des Gymnasiums vorlegen. Unklar ist aber noch, ob das umstrittene Turbo-Abitur komplett abgeschafft wird. Auch von den Hochschulen und aus der Wirtschaft kommen Stimmen für eine generelle Rückkehr zur 13-jährigen Schulzeit.

Wie steht die rot-grüne Landesregierung zu einer generellen Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren?

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) will die Ergebnisse des Dialogforums zur Zukunft der Gymnasien abwarten. Das Gremium hat den Auftrag, verschiedene Reformszenarien zu entwickeln, um den Weg zum Abitur stressfreier zu machen. An den Integrierten Gesamtschulen hat Rot-Grün bereits nach dem Regierungswechsel die längere Schulzeit wieder eingeführt. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte kürzlich in einem «Spiegel»-Interview: «Manches spricht für eine Rückkehr zur Neunjährigkeit, es gibt aber auch gewichtige Stimmen, die G8 mindestens als Option aufrechterhalten möchten.»

Wie schnell könnte die längere Schulzeit wieder eingeführt werden?

Nach dem Modell des Philologenverbandes könnten die rund 270 niedersächsischen Gymnasien bereits zum 1. August 2014 zum sogenannten G9 wechseln. Dabei sollen die Jahrgänge 5 bis 7 einbezogen werden. Das könnte bedeuten, dass 2020 die ersten Abiturienten ihren Abschluss wieder nach 13 Jahren machen. Die Lehrergewerkschaft GEW möchte erst zum Schuljahr 2015 mit einer Reform beginnen. Auch das Kultusministerium plädiert für mehr Zeit. «Das Letzte, was wir brauchen, ist das, was bei G8 passiert ist, dass wir es überhastet einführen», sagte Sprecherin Susanne Schrammar.

Wie sieht die Situation in den anderen Bundesländern aus?

Während im Osten das achtjährige Gymnasium Tradition hat, erlebt das Abitur nach 13 Jahren eine Renaissance in Westdeutschland. Vielerorts werden Wahlmöglichkeiten angeboten. Dabei entscheidet sich nach Angaben des Philologenverbandes die große Mehrheit für das Abitur nach längerer Schulzeit, im grün-rot regierten Baden-Württemberg genauso wie im schwarz-grün regierten Hessen. «Der Zug zu G9 in Deutschland ist unaufhaltbar», betonte der niedersächsische Philologenverbands-Chef Horst Audritz. Wenn Niedersachsen komplett zum G9 zurückkehre, könne das Land Vorreiter sein, betonte er.

Welche Auffassungen haben die Landtagsfraktionen?

In der SPD-Fraktion mehren sich die Stimmen für eine Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren. Landtagsvizepräsidentin Gabriele Andretta kündigte in Göttingen an: «Wir wollen G9 wieder einführen an niedersächsischen Gymnasien.» Die Grünen warnten vor einer überstürzten Reform und erinnerten daran, dass die großen Kritiker des Turbo-Abiturs, CDU und FDP, es selbst eingeführt hätten. Jetzt plädiert die CDU wie die Lehrergewerkschaft GEW für ein «Abitur im eigenen Takt», bei dem das Abitur sowohl nach 12 als auch nach 13 Jahren möglich ist. Die FDP hat bereits einen Antrag zur grundsätzlichen Wiedereinführung des G9 gestellt. CHRISTINA STICHT, dpa

 

2 Kommentare

  1. Werner Schneyder

    Es ist wie bei einer Springprozession: mal G8, nun wieder G9. Wer erinnert sich noch an die aufgebrachten Eltern, die unbedingt und sofort das G8 wollten? Wer erinnert sich noch, wie die GEW dagegen war und der Philologenverband schwieg? Nun soll sogar ein Volksbegehren her: Das hatten wir schon einmal. Es war gescheitert. Aber damals regierte ja noch CDU und FDP. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Ich denke, Schleswig-Holstein hat es vorgemacht.

  2. Meine Tochter, 9. Klasse, ganz normaler G8- Jahrgang, leidet unter allem möglichen. Aber sicher nicht unter zuwenig Freizeit! Man mag von G8/G9 halten, was man will: Das Argument “Zu wenig Zeit für politische/musikalische/sportliche Aktivität” ist m.E. vorgeschoben. Zumal mittlerweile auch die meisten Gymnasien Ganztagsschulen sind, in denen Hausaufgaben gemacht werden können, oder, auch elegant, aufgrund eines bindenden Ganztageserlasses gleich ganz wegfallen.

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