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Nach dem Flughafen scheitert Berlin jetzt am „digitalen Klassenbuch“

BERLIN. Die Berliner Bildungssenatorin Scheeres wollte konsequent gegen Schuleschwänzen vorgehen und Eltern per SMS über das Fehlen ihres Kindes informieren. Doch das Modellprojekt steht offenbar vor dem Aus, wie ein Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ nahelegt.

Geht schärfer gegen Schwänzer vor - aber ohne digitales Klassenbuch: Berlins Bildungssentatorin Sandra Scheeres (SPD). Foto: Geht härter gegen Schwänzer vor: Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Foto: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft

Geht schärfer gegen Schwänzer vor – aber ohne digitales Klassenbuch: Berlins Bildungssentatorin Sandra Scheeres (SPD). Foto: Geht härter gegen Schwänzer vor: Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Foto: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft

Vor zwei Jahren hatte die damals frisch gekürte Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) einen Modellversuch an zehn Schulen der Hauptstadt angekündigt, um das Schwänzen künftig konsequenter bekämpfen zu können: nämlich mit einem „digitalen Klassenbuch“. Von den zehn Modellschulen ist dem Bericht zufolge aber nur noch eine übrig geblieben.

Lehrer sollten dafür mit Tablet-Computern wie dem iPad ausgestattet werden. Darauf sollte dann ein besonderes Programm aufgespielt sein, in dem die Klassenbucheinträge erfolgen und auch die Handynummern der Eltern gespeichert sind. Sobald der Lehrer dann einträgt, dass ein Schüler unentschuldigt fehlt, werden die Erziehungsberechtigten automatisch per Kurznachricht (SMS) aufs Handy benachrichtigt – so jedenfalls die Theorie. Die Meldungen würden zudem gespeichert, damit sie später auf Zeugnissen erscheinen könnten, hieß es.

Sogar eine detailreiche Beschreibung einer elektronischen Klassenbuchseite wurde veröffentlicht: Oben erschienen Angaben darüber, welche Unterrichtsstunde mit welchem Fach gerade anstehe, hieß es damals, dazu Datum, die Klasse und der Name des Lehrers. Mit einem Klick werde festgehalten, wenn es sich um Vertretungsunterricht handelt. In einem Extrafeld lasse sich alles über Fehlzeiten, Aufgaben (etwa Hausaufgaben) und Vermerke (zum Beispiel Tadel bei Fehlverhalten) dokumentieren.

Doch: Es ist bislang gescheitert, die Technik in die Fläche zu bringen – nicht nur aus Gründen des Datenschutzes. In vielen technischen und inhaltlichen Fragen habe nachgebessert werden müssen, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Die Kosten seien deshalb auf das Doppelte des Vorausgesagten gestiegen. Etwa 140.000 Euro hat die technische Umsetzung des Modellprojektes dem Bericht zufolge bisher gekostet, für gesicherte Funknetzwerke, Notebooks und die Weiterbildung der Lehrer. Dafür hätte man auch einen Sozialpädagogen zusätzlich engagieren können, der wohl mehr hätte gegen das Schwänzen bewirken können. Ob es nach dem Modellprojekt mit dem „digitalen Klassenbuch“ weitergeht, darauf will sich die Politik in Berlin laut „Süddeutscher Zeitung“ nicht mehr festlegen.

So gilt in Berlin weiterhin die Regelung: telefonieren! Seit dem 1. Februar sind Berlins Schulen angehalten, die Eltern bei Fehltagen ihrer Kinder noch am gleichen Tag anzurufen. Im Schuljahr 2009/2010 gab es rund 2600 Schwänzer in Berlin, in rund 900 Fällen wurden Bußgeldverfahren wegen des Verstoßes gegen die Schulpflicht eingeleitet. News4teachers

Zum Bericht: Mit einem “digitalen Klassenbuch” gegen Schwänzer

 

Ein Kommentar

  1. Das elektronische Klassenbuch ist zwar gescheitert, doch Berlin hat nicht aufgegeben, gegen Schulschwänzerei anzugehen. Die Zahlen waren einfach zu hoch und so hat man die Schulen angewiesen, dass ab dem Schuljahr 2010/11 auf den Jahresendzeugnissen nur noch die Fehlzeiten des 2. Halbjahres vermerkt werden. Schon sieht die Welt ein wenig “schöner” aus und gekostet hat’s auch nix !!!

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