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Schulkonferenz: Eltern und Schüler können im Südwesten zukünftig die Lehrer überstimmen

Die Schulkonferenz soll nach dem Willen der Landesregierung demokratischer werden. Doch zumindest bei bestimmten Themen stößt die Gleichberechtigung an Grenzen, meinen die Lehrer.

STUTTGART. Die Ganztagsschule darf aus Sicht des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) nicht gegen den Willen der Lehrer eingeführt werden. Es könne nicht angehen, dass Eltern und Schüler in der Schulkonferenz die Pädagogen bei der Einführung von Ganztagsbetrieb künftig überstimmen könnten, sagte Landeschef Gerhard Brand bei der Bildungsmesse Didacta am Dienstag in Stuttgart. «Das geht so nicht.» Das Kultusministerium gab hingegen Entwarnung.

Hintergrund ist, dass im Südwesten zum Schuljahr 2014/15 die sogenannte Drittelparität in der Schulkonferenz eingeführt werden soll. Das bedeutet, dass die Stimmen von Lehrern, Eltern und Schülern das gleiche Gewicht in dem Gremium haben. Es bestimmt grundlegende Fragen wie Unterrichtsbeginn, Schul- und Hausordnung, Besetzung der Schulleiterstelle sowie Umwandlung in eine Gemeinschafts- oder Ganztagsschule mit.

Im Nicht-EU- Ausland ausgebildete Lehrer und andere Fachkräfte sollen leichter hier arbeiten dürfen. (Foto: US Departement of Education/Flickr CC BY 2.0)

Eltern und Schüler sollen mehr Rechte in der Schulkonferenz bekommen. (Foto: US Departement of Education/Flickr CC BY 2.0)

In der Schulkonferenz bildeten die Lehrkräfte bisher gemeinsam mit dem Schulleiter die Mehrheit. Eine Änderung des Schulgesetzes ist derzeit in der Anhörung.

Ein Sprecher des Kultusministeriums sagte, es sei nicht zu erwarten, dass Eltern und Schüler gerade in einem so wichtigen Punkt wie der Einrichtung einer Ganztagsschule in der Schulkonferenz geschlossen gegen die Lehrer stünden. Er betonte: «Eltern, Schüler und Lehrer werden ihre Entscheidungen über den künftigen Weg der Schule in einem demokratischen Prozess gemeinsam treffen.» dpa

6 Kommentare

  1. Annett Grundmann

    In Sachsen ist die Parität der Schulkonferenz schon lange vorhanden und funktioniert außerordentlich gut. Gemeinsam entscheiden, heißt auch für alle gemeinsam die Verantwortung für Prozesse zu übernehmen und Entscheidungen mitzutragen.

  2. Südwesten heißt mal wieder Baden-Württemberg mit seiner grün-roten Landesregierung.
    DRITTELparität bedeutet natürlich eine Überstimmung der Lehrer im Konfliktfall. Und das soll demokratisch sein? Ist doch klar, dass Schüler und Eltern im Konfliktfall eine Einheit bilden. Ich bin schockiert.
    „Ein Sprecher des Kultusministeriums sagte, es sei nicht zu erwarten, dass Eltern und Schüler gerade in einem so wichtigen Punkt wie der Einrichtung einer Ganztagsschule in der Schulkonferenz geschlossen gegen die Lehrer stünden.“ Dieser arglistige Heuchler!
    So also erwartet sich die Landesregierung in der landesweiten Einführung der Ganztagsschulen Schützenhilfe von außen und kann sich dabei die Hände in Unschuld waschen, denn es geht ja angeblich um das hehre Prinzip „demokratischer Beschlüsse“.
    Das erinnert mich an das hehre Prinzip „Erziehung zur Toleranz“ bei dem abartigen Bildungsplan 2015.
    Der VBE protestiert immerhin. Wo bleibt die GEW, deren Kungelei mit der Landesregierung von vielen Lehrern noch immer nicht gesehen wird? Die geliebte Gewerkschaft kann sich beim Beschluss zur Überstimmung der Lehrer, genannt „mehr Demokratie“, an dieser Stelle wohl nicht so einfach mit dem populären und Anschein sichernden Ruf nach mehr Geld aus der Affäre ziehen. Gegen die Überstimmung der Lehrer hat sie offenbar nichts und auch bestimmt nichts gegen Ganztagsschulen. Diese gehören wie alle Ganztagsbetreuungen (incl. Krippen) ebenso zu ihren Lieblingsprojekten wie die Inklusion und der Bildungsplan mit seiner „sexuellen Vielfalt“.
    Die vereinigte geballte Scheinheiligkeit ist einfach widerlich.

  3. Entscheiden dann auch Eltern und Schüler über das Vorrücken? Wozu dann noch unterrichten 🙂

  4. Ich finde das schlecht. Das Ergebnis sind sogenannte „Elternschulen“, mit vielem, was zwar wünschenswert, aber nicht machbar (nicht praktikabel bzw. unrealistisch) ist. Darunter leiden dann nicht nur die Lehrer, sondern im Endeffekt alle!

  5. Ein Beispiel noch: Eltern unserer Schüler hatten schon mal die Idee, dass die Lehrer ihnen die Hausaufgaben per E-Mail nach Hause mitteilen. Damit sie kontrollieren können, ob die Kinder sie wirklich machen, denn die tragen ja manchmal die Hausaufgaben gar nicht ins Hausaufgabenheft ein. Eine irgendwie verständliche Idee, aber wie soll sie umgesetzt werden? Jeder Fachlehrer schreibt allen Eltern aller seiner Schüler abends noch E-Mails mit den Hausaufgaben? Oder mal wieder der Klassenleiter? Der sammelt alle Hausaufgaben pro Tag und teil sie den Eltern per E-Mail mit. Und wenn er früher Schluss hat als der letzte Fachlehrer, na dann muss er halt bis zur letzten Stunde bleiben (wir sind zwar eine Ganztagsschule, aber nach dem Mittagessen übernimmt der Hort)?!? Und nun sage bitte niemand, der nicht selber Lehrer / Klassenleiter ist, die halbe Stunde (?) habe man ja wohl Zeit, um den Eltern die Hausaufgaben zu mailen ………………..

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