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Sommerferien: Ein alter Streit um die schönste Zeit des Jahres

BERLIN. Kein Bett mehr frei, Staus auf den Straßen: Die Wirtschaftsminister wollen die Länder-Ferientermine im Sommer entzerren. Im Streit zwischen Tourismuswirtschaft und Kultusministern müssen die Ministerpräsidenten erneut vermitteln.

Wann ist endlich wieder Sommer? Foto: rishibando / flickr (CC BY-NC 2.0)

Wann ist endlich wieder Sommer? Foto: rishibando / flickr (CC BY-NC 2.0)

Es ist ein alter Streit um die schönste Zeit des Jahres: Ginge es allein nach den Wünschen von Tourismusbranche und Länder-Wirtschaftsministern, dann würden die unterschiedlichen Termine der Schulsommerferien in den 16 Bundesländern über einen längeren Zeitkorridor schon von Anfang Juni bis weit in den September hinein gestreckt. Bessere Bettenauslastung, weniger Staus auf den Straßen und mehr Umsatz im Tourismus wären die Folge, argumentieren sie. An diesem Donnerstag müssen sich erneut die Ministerpräsidenten mit einem Vorstoß der Wirtschaft beschäftigen. Die Kultusminister setzen auf einen Kompromiss.

Was ist der Auslöser für die neue Debatte?

Der Termine der Sommerferien werden von den Kultusministern langfristig nach einem «rollierenden System» festgelegt. Das heißt, mal starten die einen Länder früher in die Ferien, mal die anderen. So sollen möglichst alle Eltern und Kinder mal in den Genuss von besonders warmen Ferientagen im Hochsommer kommen. Derzeit gilt die «Langfristige Ferienordnung von 2011 bis 2017». Noch in diesem Jahr wollen sich die Kultusminister über den genauen Zeitplan für die Jahre 2018 bis 2024 verständigen.

Wie groß ist der zeitliche Gestaltungsspielraum?

Der Spielraum für die Ferientermine erstreckt sich in der Regel vom 20. Juni bis zum 15. September. Das wechselt aber von Jahr zu Jahr. Fallen Ostern und Pfingsten erst spät ins Frühjahr, starten die ersten Länder auch erst spät in die Sommerferien – so wie in diesem Jahr. Den Auftakt macht diesmal Nordrhein-Westfalen mit dem ungewöhnlich späten Ferienstart am 7. Juli. Über die Jahre hinweg nutzen die Kultusminister für die Feriengestaltung einen Zeitkorridor von 83 Tagen. In diesem Jahr sind es wegen der späten Oster- und Pfingsttage jedoch nur 71 Tage – was als Ausnahme gilt.

Was wollen die Wirtschaftsminister?

Die Wirtschaftsminister haben die Forderungen von Tourismusbranche und ADAC aufgegriffen und wollen diesen Zeitkorridor im Schnitt auf «mindestens» 90 Tage ausdehnen – so dass in einzelnen Ländern ein früherer Ferienstart nötig wäre. Jeder Tag, um den sich der Ferienkorridor verkürzt, bedeute für die Tourismuswirtschaft einen Umsatzverlust von 120 Millionen Euro, argumentieren sie. Doch mancher Kultusminister hält auch dagegen, dass es Anfang Juni für ein Bad in der Nord- oder Ostsee einfach noch schlicht zu kalt ist.

Gibt es pädagogische Gründe für einen späten Ferienstart?

Ein zu früher Start in die Sommerferien würde aus Sicht der Kultusminister die Unterrichtszeit zwischen Weihnachts- und Sommerferien zu sehr verkürzen. Die Prüfungsphasen nach Ostern müssten noch mehr komprimiert werden. Befürchtet wird mehr Lernstress.

Wie begründen Bayern und Baden-Württemberg ihren Sonderweg?

Die beiden südlichen Bundesländer machen traditionell im «rollierenden System» der anderen 14 Länder nicht mit und bestehen auf den späten Ferientermin von Anfang August bis Mitte September. Früher begründeten sie das damit, dass viele Kinder bei der Ernte helfen müssten. Heute zieht das Argument nicht mehr. Mancher Schulminister sieht das Beharren seiner bayerischen oder baden-württembergischen Amtskollegen auf den späten – attraktiven – Termin mit Argwohn.

Wie wird der Streit ausgehen?

Wie auch bei früheren langfristigen Ferienordnungen wird ein Kompromiss erwartet. Der Entwurf der Kultusminister für die Termine 2018 bis 2024 sieht nach Berechnungen der Wirtschaftsminister einen Zeitkorridor von durchschnittlich 79,5 Tagen vor – was sie als zu wenig beklagen. Die Länder-Regierungschefs werden ihre Kultus- und Wirtschaftsminister ermahnen, sich noch einmal für einen Kompromiss an einen Tisch zu setzen. In ihrer Beschlussvorlage für diesen Donnerstag heißt es salomonisch, dabei sollten «die verkehrlichen und wirtschaftlichen (insbesondere touristischen) Gesichtspunkte Berücksichtigung finden, soweit dies (….) maßgeblichen pädagogischen Grünen nicht entgegensteht». Ein Zeitraum von 90 Tagen solle «weitmöglichst» ausgeschöpft werden. dpa

Zum Bericht Sommerferien sollen künftig auch schon Anfang Juni beginnen

6 Kommentare

  1. Wieder möchte ich bei dieser Gelegenheit vorschlagen, die Herbst- und Osterferien zu kürzen und die gekürzte Zeit an die Winter- und Sommerferien “anzuschließen”, sodass wir 2-3 Wochen Winterferien (zwischen den beiden Halbjahren) und 8 Wochen Sommerferien haben. Das sind dann echte Erholungspausen und das Schuljahr ist nicht von lauter Ferien “zerrissen”. (Natürlich sollte es auch keine Schließzeiten an den Schulen geben, sondern ein attraktives Ferien-Hortprogramm!)

  2. PS: Und die Lehrer sollten verpflichtet werden, zumindest die meisten ihrer Fortbildungen außerhalb ihres Urlaubs, aber in den Ferien zu absolviere.

    • und wann sollen wir Klausuren korrigieren, die Sammlung aufräumen, unsere Arbeitsmatierialien weiterentwickeln? Haben Sie realistische Vorstellungen von unseren Arbeitsbedingungen?

  3. Die ganze Sache mal von einer anderen Seite beleuchtet:
    Wenn die Ferientermine der Sommerferien schon Anfang Juni starten, muss nochmal dringender über das Alter der SchülerInnen diskutiert werden, die eingeschult werden. Es wird ja heute schon von Eltern und Lehrern kritisch gesehen, dass die Grenze auf Ende September gelegt worden ist. Siese Tatsache verschärft das Ganze aber noch.
    Wenn Mitte Juli schon das Schuljahr startet, ein Kind, das eingeschult wird, aber erst Ende September 6 wird, fehlt vielen dieser Kinder der “letzte Entwicklungsschub” und ihnen fällt der Schulstart viel schwerer. Da kann man von Chancengleichheit schon nicht mehr sprechen.

    Also müsste dann wohl die alte Regelung mit dem Stichtag 30.06. wieder her…

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