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Studie zu ungewöhnlicher Unterrichtsmethode: Wenn Schüler einen Stromkreis tanzen

WÜRZBURG. Speziell ausgebildete Künstler bringen Schülern Unterrichtsstoff auf eine ganz besondere Art und Weise bei: Das ist das Prinzip der Unterrichtsmethode „Lernen durch die Künste“. Psychologen der Uni Würzburg haben jetzt den Erfolg dieser Methode untersucht – mit einem überraschenden Ergebnis.

Der Einsatz von LTTA – Learning through the Arts, auf Deutsch: Lernen durch die Künste – lohnt sich. Die Unterrichtsmethode vertieft das Wissen der Schüler, auch über einen längeren Zeitraum hinweg, und steigert ihre Motivation. Nachteile sind nicht zu erkennen. Das sind die zentralen Ergebnisse einer aktuellen Studie der Universität Würzburg.

Und jetzt bitte mal Alle das Bein im rechten Winkel heben! Die Unterrichtsmethode „Lernen durch die Künste“ mag manch Einem ungewöhnlich vorkommen. Aber sie ist erfolgreich. (Foto: Petra Weingart)

Und jetzt bitte mal Alle das Bein im rechten Winkel heben! Die Unterrichtsmethode „Lernen durch die Künste“ mag manch Einem ungewöhnlich vorkommen. Aber sie ist erfolgreich. (Foto: Petra Weingart)

Ein Künstler, der Interesse daran hat, Schulklassen zu unterrichten. Dazu eine Lehrkraft, die Neuem gegenüber aufgeschlossen ist. Und natürlich die dazugehörige Schulklasse: Das sind die Zutaten für das Programm „Lernen durch die Künste“. Diese drei tun sich zusammen, um regulären Unterrichtsstoff mit Hilfe der Kunst zu vermitteln – nicht im Kunst- oder Musikunterricht, sondern in den klassischen Fächern wie Sprachen, Mathematik, Geschichte oder Physik.

In der Regel nehmen sich dafür Künstler und Lehrkraft, die beide in LTTA ausgebildet sind, ein Thema gemeinsam vor und behandeln es dann auf unterschiedliche Weise. Dann können beispielsweise Drittklässler unter Anleitung eines Profi-Tänzers durch ihren Körpereinsatz die Bewegung der Elektronen imitieren und dadurch einen Stromkreis nachbilden. Zu einem anderen Thema können Viertklässler tanzend die Aggregatszustände des Wassers – fest, flüssig und gasförmig – darstellen, beispielsweise als Voraussetzung für die Behandlung verschiedener Niederschlagsarten.

Die Einführung in das Thema übernimmt nach der gemeinsamen Planung meist der Künstler, wobei die Lehrkraft mit anwesend sein muss, aber nur ergänzend und unterstützend mitwirkt. Bei dieser Reihenfolge hält dann die Lehrkraft die restlichen Stunden allein, indem sie die mit der speziellen LTTA-Methode erarbeiteten Inhalte weiterverwendet und das Thema zum Abschluss bringt. Dabei wird im Ganzen dieselbe Stundenzahl benötigt wie im konventionellen Unterricht und wie vom Lehrplan vorgegeben.

Natürlich nutzt LTTA nicht nur die Fähigkeiten von Tänzern. Zum Einsatz in der Schule kommen je nach Thema auch Bildhauer, Maler, Musiker, Schauspieler und andere mehr. Seinen Ursprung hat das Bildungsprogramm an Kanadas Royal Conservatory of Music in Toronto. Von dort machte es sich Mitte der 90er-Jahre auf den Weg, um weltweit eine neue Unterrichtsform an Schulen zu etablieren. In Deutschland gibt es das Programm bislang ausschließlich in Unterfranken. Seit 2006 hat sich Dr. Petra Weingart, verankert am Zentrum für Lehrerbildung der Universität Würzburg, der Aufgabe angenommen, das Programm auch an hiesigen Schulen in die Tat umzusetzen.

282 Kinder haben insgesamt an der Studie teilgenommen. Sieben Klassen mit zusammen 139 Kindern wurden nach der LTTA-Methode unterrichtet; 143 Kinder aus anderen sieben Klassen erhielten den klassischen Unterricht. In den Unterrichtseinheiten ging es um den Stromkreis, die Sinnesorgane Auge oder Ohr, geometrische Körper, den rechten Winkel und um Wahrscheinlichkeiten. Jeweils kurz vor diesen Lehrsequenzen, kurz danach und dann noch einmal zum Schuljahresende maßen die Psychologen das Wissen und den Lernzuwachs der Kinder in den jeweiligen Gebieten. Mit speziellen Testverfahren erfassten sie außerdem die Lernmotivation und die Lernfreude. nin

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