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Wird Bildung zum Luxusgut? VBE-Chef Beckmann beklagt Privatschul-Boom

DÜSSELDORF. Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung, ist in Sorge. Der Anlass: Eine aktuelle Erhebung des Statistischen Landesamtes von Nordrhein-Westfalen, nach der mittlerweile jeder zwölfte Schüler in dem Bundesland eine Privatschule besucht – ein offenbar bundesweit zu beobachtender Trend. Beckmann: „Wenn Privatschulen boomen, ist das vor allem ein Zeichen dafür, dass Eltern mit dem öffentlichen Schulsystem nicht zufrieden sind.“

VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann auf dem Deutschen Schulleiterkongress. Foto: Susanne Schnabel

VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann unlängst auf dem Deutschen Schulleiterkongress. Foto: Susanne Schnabel

Wie das statistische Landesamt in Düsseldorf mitteilte, lag der Anteil der Privatschüler in Nordrhein-Westfalen im Schuljahr 2013/14 wie im Vorjahr bei acht Prozent – im Schuljahr 1995/96 waren es gut sechs Prozent. Zu den Privatschulen zählen die Statistiker staatlich genehmigte Schulen in freier Trägerschaft, etwa Schulen kirchlicher Träger sowie Freie Waldorfschulen.

Dass Eltern für ihre Kinder die bestmögliche Bildung haben möchten, sei nachvollziehbar, so Beckmann, „schließlich wollen Eltern, dass ihre Kinder mit optimalen Voraussetzungen ins Berufsleben starten.“ Allerdings ist er besorgt über den Trend vieler Eltern, ihr Kind auf eine Privatschule statt auf eine öffentliche zu schicken: „So wird die Schere zwischen denen, die sich Bildung leisten können, und denen, die es nicht können, nur noch weiter auseinandergezogen“, sagt Beckmann.

Private Schulen lockten mit Angeboten, die öffentliche Schulen wegen der finanziellen Lage der Schulträger oft nicht haben. „Damit schlagen sie absichtlich in eine Kerbe, die uns nur zeigt, woran es im momentanen Schulsystem hapert“, ärgert sich Beckmann. Die mangelnde finanzielle Unterstützung und das schlechte Image vieler öffentlicher Schulen seien weitere Faktoren, die den Konkurrenzdruck noch verstärken, so Beckmann weiter. Öffentliche Schulen hingen, was Ausstattung und Personal betreffe, privaten Schulen hinterher – das sei aber kein Grund, sie per se als die bessere Alternative anzusehen: „Weder Eltern noch Kindern ist geholfen, wenn sich Eltern verschulden, um das hohe Schulgeld zu bezahlen. Darüber hinaus kann Bildung auch an Privatschulen nicht erkauft oder garantiert werden.“

Eltern dürften zudem nicht vergessen, dass öffentliche Schulen der Allgemeinheit gegenüber die Verpflichtung haben, allen Kindern die benötigte Bildung zu ermöglichen. „Private Schulen handeln hingegen ausschließlich auf Grundlage von wirtschaftlichen Interessen, die im Zweifelsfall einseitig kündbar sind“, macht Beckmann klar, „im schlimmsten Fall können sie also einem Schüler mitten im Schuljahr kündigen – dann ist es an den Eltern, mühsam während eines laufenden Schuljahres zu versuchen, ihr Kind an einer anderen Schule unterzubringen. Das kann aber nicht im Sinne einer Schullaufbahn ohne Brüche sein.“

„Bildung darf nicht zu einem Luxusgut werden, das sich nur wenige leisten können. Wir brauchen mehr Bildungsgerechtigkeit. Das Recht auf individuelle Förderung nur ins Gesetz zu schreiben, reicht nicht – man muss es auch tatsächlich umsetzen; sonst gibt es bald nur noch ‚Bildung all inclusive‘ an Privatschulen und ‚Bildung light‘ an den öffentlichen Schulen“, so der VBE-Vorsitzende. News4teachers

 

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