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Wissenschaftler schreiben offenen Brief gegen Bonner Kissinger-Professur

BONN. Wenige Tage vor dem 90. Geburtstag von Henry Kissinger gab die Bundesregierung bekannt, dass zu seinen Ehren eine Professor geplant ist. Immer noch, fast ein Jahr später, sorgt das Projekt für heftige Diskussionen.

"In herausragender Weise um Friedenspolitik und Entspannung verdient gemacht": Ex-US-Außenminister Henry Kissinger. Foto: World Economic Forum / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

„In herausragender Weise um Friedenspolitik und Entspannung verdient gemacht“: Ex-US-Außenminister Henry Kissinger. Foto: World Economic Forum / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Der Streit um eine geplante Professur zu Ehren des früheren US-Außenministers Henry Kissinger an der Universität Bonn dauert an. In einem offenen Brief wandten sich nun mehr als 100 Wissenschaftler – meist aus dem linken Spektrum – gegen die Professur. Die Stiftungsprofessur für «Internationale Beziehungen und Völkerrecht» wurde von der Bundesregierung beschlossen und wird vom Verteidigungs- und Außenministerium finanziert. Die nach Kissinger benannte Professur soll zum Wintersemester 2014/15 starten.

Erstunterzeichner des Briefs sind etwa der französische Politikwissenschaftler Alfred Grosser und der Soziologe Oskar Negt. Rund 50 der Unterzeichner gehören dem wissenschaftlichen Beirat des globalisierungskritischen Netzwerks Attac an. Die Unterzeichner kritisieren neben der Namensgebung auch die Finanzierung durch die Bundesregierung. Zuvor hatte sich bereits eine «Initiative Zivile Uni Bonn» und das Bonner Studierendenparlament gegen die Professur ausgesprochen.

Die Kritiker werfen dem Deutschamerikaner und Friedensnobelpreisträger Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit bei der Verlängerung und Intensivierung des Vietnamkriegs und Verletzung des Völkerrechts vor, etwa durch seine Rolle beim Militärputsch in Chile (1973). Kissinger war Nationaler Sicherheitsberater (1969-1973) und US-Außenminister (1973-1977).

Ungeachtet der aufgekommenen Kritik hielten Bundesregierung und Hochschulleitung an der Professur fest. Das Verfahren für die Besetzung ist bereits angelaufen. Der Lehrstuhl wird über fünf Jahre vom Bundesverteidigungsministerium mit jährlich bis zu 250.000 Euro und vom Außenministerium mit bis zu 50.000 Euro pro Jahr finanziert. dpa

Zum Beitrag: Kriegsverbrecher oder Vorbild? Streit um Kissinger-Professur an der Uni Bonn

 

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