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Missbrauch eines Schülers – Berliner Lehrer gesteht vor Gericht

BERLIN. In der Schule war er der Lehrer seines Opfers, in seiner Wohnung wurde er zum Sexualtäter. Er habe leider die Grenzen nicht ziehen können, sagt der 53-Jährige nun vor Gericht.

Der Täter hatte sich selbst der Polizei gestellt. Foto: Florentine / pixelio.de

Der Täter hatte sich selbst der Polizei gestellt. Foto: Florentine / pixelio.de

Ein Berliner Lehrer verging sich fast zwei Jahre lang an einem Schüler. Der Junge war elf Jahre alt, als es zu den Übergriffen kam, gestand der 53-jährige Pädagoge vor dem Berliner Landgericht. «Ich habe leider die Konsequenzen ausblenden und die Grenzen nicht ziehen können», sagte er zu Prozessbeginn.

Der Lehrer war an einer staatlichen Schule in Berlin-Wilmersdorf tätig und zunächst Klassenleiter des Jungen. Zu sexuellen Handlungen kam es der Anklage zufolge in der Wohnung des Pädagogen und auf Reisen mit der Familie. Etwa 45 Fälle zwischen Herbst 2011 und Sommer 2013 gab der Lehrer für Englisch und Sport zu. Warum es zu den Übergriffen kam, könne er nicht erklären, sagte der Mann. Er habe seine homosexuelle Neigung jahrelang verdrängt. «Ich gehe davon aus, dass ich mir einredete, er sei ein junger Mann», erklärte der Angeklagte.

Einer der Söhne des Pädagogen war mit dem Opfer eng befreundet. Darüber sowie über eine freikirchliche Gemeinschaft, die der Angeklagte leitete, war es zu einem privaten Kontakt der Familien gekommen. Wenn die Jungen vom Fußballtraining kamen, habe sein Schüler oft bei ihm in Charlottenburg und nach einem Umzug in Friedenau übernachtet, sagte der vierfache Vater. Er habe sich dann oft gemeinsam mit den beiden Jungen auf eine Schlafcouch gelegt. Seine Familie habe von den Übergriffen nichts bemerkt.

Das Opfer war 13 Jahre alt, als sein Vater verdächtige Nachrichten auf dem Computer des Sohnes fand. «Du hast etwas Schlimmes getan, ich werde dir nie vergeben», hatte der Junge an seinen Peiniger geschrieben. Nachdem sich das Opfer gegenüber seinen Eltern offenbart hatte, war der Lehrer selbst zur Polizei gegangen und hatte sich gestellt.

Der Brite, der seit 2009 in Berlin lebt, wurde sofort vom Schuldienst suspendiert. Da die Justiz keine Flucht- oder Wiederholungsgefahr sah, blieb er auf freiem Fuß. Er arbeitet inzwischen als Kassierer. Das Gericht hat ihm bei einem glaubhaften Geständnis eine Strafe zwischen viereinhalb und vier Jahren und zehn Monaten Haft zugesichert. Das Urteil wird für kommende Woche erwartet. dpa

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