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Kaum zu glauben: Brandenburger Schulen vergeben tausende Zeugnisse mit fehlenden Noten

POTSDAM. In Brandenburger Schulen fällt so viel Unterricht aus, dass Schüler in manchen Fächern nicht benotet werden können. Ministerin Münch sprach zuletzt von «Ausnahmen» – nun wittert die CDU einen Skandal.

Tausende Brandenburger Schüler erhalten wegen Unterrichtsausfalls in einzelnen Fächern keine Noten auf ihren Zeugnissen. In der ersten Hälfte des aktuellen Schuljahres waren nach Angaben des Potsdamer Bildungsministeriums mehr als 4100 Schüler in rund 150 Klassen betroffen, wie aus einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der CDU-Landtagsfraktion hervorgeht. Deren bildungspolitischer Sprecher Gordon Hoffmann nannte die Situation einen «flächendeckenden Skandal».

Laut Ministerium wurden insgesamt 1,6 Prozent der Schüler in zwölf Landkreisen und kreisfreien Städten in einzelnen Fächern nicht benotet. Der Mangel zog sich durch verschiedene Schularten und Fächer – von Biologie über Kunst und Musik bis zu Wirtschaft, Arbeit, Technik.

Ministerin Martina Münch (SPD) hatte im Februar zu einem Fall in Luckenwalde (Teltow-Fläming) erklärt, dabei handele es sich um eine «Ausnahme». In Notsituationen sollten Schulämter das Bildungsministerium künftig schneller informieren, sagte sie damals.

Hoffmann warf der Ministerin versuchte Verharmlosung vor. Die CDU forderte ein Meldesystem zum Unterrichtsausfall, um rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Zudem solle die Vertretungsreserve von Lehrern verdoppelt werden. «Die dafür benötigten 18 Millionen Euro pro Jahr sind gut investiertes Geld», sagte Hoffmann. Ähnlich äußerten sich die Bündnisgrünen.

In einer Antwort auf eine weitere Anfrage der CDU-Fraktion erklärte das Ministerium, dass der Anteil der ersatzlos ausgefallenen Schulstunden im ersten Schulhalbjahr bei 1,8 Prozent lag. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 2,0 Prozent gewesen.

Für SPD-Fraktionschef Klaus Ness ist dies auf zusätzliches Geld zurückzuführen, dass die rot-rote Koalition gegen Unterrichtsausfall zur Verfügung stellt. Zehn Millionen Euro werden für zusätzliche Lehrer und Vertretungskräfte eingesetzt. Unter anderem sollen Schulen damit eigenständig eine Reserve für Vertretungen aufbauen. «Das Projekt scheint zu funktionieren», meinte Ness. Überwiegend pensionierte Lehrer bildeten die Reserve.

Erfreulich sei auch, dass der Krankenstand bei Lehrern zurückgegangen sei, sagte der SPD-Politiker. Neueinstellungen hätten zu einer Verjüngung der Kollegien geführt. Für das kommende Schuljahr seien bereits mehr als 450 Verträge geschlossen worden. Etwa 900 Stellen sollen bis dahin besetzt werden. In den vergangenen Jahren begannen die Einstellungen laut Ness in der Regel erst nach Ostern. Brandenburg hatte im Frühjahr eine bundesweite Anzeigenkampagne gestartet, um neue Lehrer zu finden. dpa

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