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Aufsichtsbehörden stellen Odenwaldschule neues Ultimatum

HEPPENHEIM. Im Fall der neuen Missbrauchsvorwürfe an der Odenwaldschule, verlangen die Aufsichtsbehörden weitere Aufklärung. Zwar habe die Schule fristgerecht auf das zweite Ultimatum reagiert, die Fragen aber nicht genau und auch noch widersprüchlich beantwortet. Das hessische Sozialministerium will indes die Betriebsgenehmigung für die Schule prüfen.

Zwar hat sich der Missbrauchsverdacht gegen einen Kinderarzt der Odenwaldschule nicht erhärtet. Dennoch ist der Schule ein weiteres Ultimatum gesetzt worden, die Missbrauchsvorwürfe weiter aufzuklären – es ist bereits das dritte. Das Sozialministerium hat bereits angekündigt, die Genehmigung für die Schule zu prüfen. Die Zukunft des Reform-Internats erscheint fraglicher als selbst vor vier Jahren. Es muss um seinen Ruf kämpfen.

Die Aufsichtsbehörden zeigen sich unzufrieden mit den Aufklärungsbemühungen der Odenwaldschule. Die will nun ein neues Internatskonzept erarbeiten. Foto: Armin Kübelbeck / Wikimedia Commons (CC-BY-SA-3.0)

Die Aufsichtsbehörden zeigen sich unzufrieden mit den Aufklärungsbemühungen der Odenwaldschule. Die will nun ein neues Internatskonzept erarbeiten. Foto: Armin Kübelbeck / Wikimedia Commons (CC-BY-SA-3.0)

Die Aufsichtsbehörden bemängelten, die Schule beantworte Fragen nicht genau und auch noch widersprüchlich. «Wir brauchen ein Gesamtbild der Verhältnisse und Abläufe an der Odenwaldschule», sagt der stellvertretende Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Schimpf (Grüne). Mit dem Sozialministerium werde eng Kontakt gehalten.

2010 war ein lange vertuschter Missbrauchsskandal mit mindestens 132 Opfern hochgekocht. Nach einigen Veränderungen im Konzept und neuen Gesichtern an der Spitze war an der Schule so etwas wie Ruhe eingekehrt. Doch seit vier Wochen reißen neue Missbrauchsvorwürfe alte Wunden auf. Der Arzt stand unter Verdacht, sich Schülern der Odenwaldschule bei Untersuchungen unangemessen genähert zu haben.

Die Aufsichtsbehörden kritisieren nicht nur, dass die Odenwaldschule Verdachtsfälle nicht offen und ehrlich mitteile. Es geht auch um das Betreuungskonzept, mit dem das Internat laut Verband Deutscher Privatschulverbände (VDP) eher eine Ausnahme ist.

In Heppenheim betreuen jeweils zwei Lehrer gleichzeitig auch als Betreuer und Erzieher eine Schülergruppe, die als «Familie» bezeichnet wird und nah beieinander wohnt. «Im Normalfall sind Betreuer aber immer andere Pädagogen», sagt Petra Stieb von der VDP-Internatsberatung Düsseldorf.

Dass zwei Lehrer pro Schülergruppe zuständig sind, ist an der Odenwaldschule auch noch praktisch neu. Vor Bekanntwerden des massiven Missbrauchsskandals 2010 war pro «Familie» nur ein Lehrer der Ansprechpartner. Eine Kontrolle des Erziehers war damit praktisch nicht möglich. Auch die Doppelspitze wird von Kritikern als zu nah empfunden, selbst diese Regelung öffne Pädophilen Tür und Tor.

Zwei Tage vor Ablauf des Ultimatums ergriff Internatsleiterin Juliana Volkmar die Flucht nach vorn und stellte hier eine klar Trennung in Aussicht. Wer Schüler unterrichtet, dürfe nicht mehr gleichzeitig im Internat der Erzieher sein. Das müssten auch an der Odenwaldschule andere Pädagogen übernehmen. Wenige Stunden vor Ablauf des Ultimatums schob die Schule noch eine offizielle Mitteilung nach, dass diese Idee auch umgesetzt werden könnte. Ein neues Internatskonzept soll es bis spätestens Ende September 2014 geben. Aber es müsse alles erst einmal geprüft werden.

Volkmar ließ durchblicken, dass dies die Privatschule vor finanzielle Herausforderungen stellen dürfte. Die Zahl der Schüler von fast 200 – davon 140 im Internat – war auch schon mal höher.

Geplante Veränderung hin, neues Ultimatum her. «Wir glauben nicht daran, dass sich an der Odenwaldschule wirklich vieles zum Besseren ändert», sagt der Vorsitzende des Opfer-Vereins «Glasbrechen», Adrian Koerfer. «Zu tief sind die Strukturen einer „traumatisierten Institution“ in dieser verwurzelt, zu nah die Gefahr, wieder und weiterhin zu verdecken, zu vertuschen, also Täterschutz vor Kinderschutz zu stellen. Ein Neuanfang sähe anders aus.» (News4teachers, Joachim Baier, dpa)

zum Bericht: Odenwaldschule unter Druck: Lehrer sollen nicht mehr bei den Schülern wohnen

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