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Das bayerische Gymnasium soll reformiert werden – doch wie?

MÜNCHEN. Wie soll das Gymnasium künftig aussehen? Einigkeit herrscht bei einem ersten «Dialogforum», dass vieles anders werden muss. Aber soll man deshalb zurück zum G9? Das ist umstritten. Das Volksbegehren der Freien Wähler wird derweil von 45 Bildungsverbänden unterstützt.

Mit übereinstimmenden Rufen nach mehr Flexibilisierung und neuen pädagogischen Ansätzen hat der offizielle Diskussionsprozess über die Zukunft des bayerischen Gymnasiums begonnen. Uneinigkeit herrschte beim ersten «Dialogforum» des Kultusministeriums dagegen wie erwartet in der Frage nach der Dauer – ob es grundsätzlich beim G8 bleiben oder es wieder ein G9 geben soll. Minister Ludwig Spaenle (CSU) versprach eine ergebnisoffene Debatte.

Derweil hat das Volksbegehren der Freien Wähler weitere, breite Unterstützung bekommen: Nach dem Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) ruft nun auch das Forum Bildungspolitik mit seinen 45 Mitgliedsorganisationen dazu auf, sich daran zu beteiligen. Das gab der Sprecher des Forums, BLLV-Präsident Klaus Wenzel, bekannt. Zwar halte man das Konzept der Freien Wähler für «sehr problematisch» – diese wollen keinen Parallelbetrieb von G8 und G9 ermöglichen. Aber nur bei einem Erfolg des Volksbegehrens bleibe der Reformdruck auf Staatsregierung und CSU aufrechterhalten, argumentierte er. «Es ist eine strategische Unterschrift, keine Zustimmung zu den Forderungen.»

Der Landesschülersprecher der Gymnasien in Bayern, Julian Fick, beklagte am Abend unter anderem, dass die Persönlichkeitsbildung an den Gymnasien momentan recht stark unter den Tisch falle. Die Vorsitzende der Landes-Eltern-Vereinigung, Susanne Arndt, verlangte mehr individuelle Förderung. Prälat Lorenz Wolf als Vertreter der katholischen Kirche sagte: «Wir brauchen Zeiten der Muße – wo man einfach mal nichts tut und das, was man gelernt hat, sitzen lässt.»

Ex-Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin sprach sich – wie der Bayerische Philologenverband (bpv) – für eine grundsätzliche Rückkehr zum G9 aus. Er betonte: «Es geht um eigenständiges Denken-Können – und dazu braucht man Zeit, keine Hektik.» Der bpv-Vorsitzende Max Schmidt forderte mehr Zeit für die Vertiefung des Unterrichtsstoffs. Zudem betonte er, Schüler brauchten unterschiedliche Zeit für ihre Entwicklung – und warb dabei für sein G9-Modell. Die Vorsitzende der Universität Bayern e.V., Sabine Doering-Manteuffel, hielt dagegen explizit ein «Plädoyer für das Wissen»: «Nur Problemlösen ohne Grundlagen geht nicht», sagte sie. Christof Prechtl von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft warnte ausdrücklich vor einer Rückkehr zum G9.

Die Vereinigung der Direktorinnen & Direktoren der Bayerischen Gymnasien (BayDV) ist in der Frage der Dauer gespalten: Ein Teil des Landesvorstands habe sich für die Beibehaltung des G8, ein anderer Teil für das G9 ausgesprochen, räumte der BayDV-Vorsitzende Karl-Heinz Bruckner in einem Schreiben an die Mitglieder ein. Er selbst könne sich «irgendein Streckungsmodell vorstellen», sagte er.

Auch das Forum Bildungspolitik fordert massive pädagogische Reformen mit mehr Zeit für Vertiefung und Anwendung des erlernten Stoffs. Das Gymnasium müsse sich grundlegend ändern, sagte Wenzel: «Es kommt nicht nur darauf an, wie lange Schüler lernen sollen, sondern vor allem darauf, was sie lernen müssen und wie sie lernen dürfen.»

Die Unterschriftenlisten für das Volksbegehren liegen vom 3. bis 16. Juli in den Rathäusern aus. Nur wenn sich mindestens zehn Prozent aller Stimmberechtigten – rund 945 000 Menschen – beteiligen, ist der Weg zu einem Volksentscheid offen. Dann könnte der Landtag dem Freie-Wähler-Konzept ein eigenes Reformmodell entgegensetzen. Die Freien Wähler reagierten erfreut: Mit dem Forum Bildungspolitik habe sich «ein weiteres bildungspolitisches Schwergewicht auf unsere Seite gestellt», sagte Generalsekretär Michael Piazolo. Auch er warb vor dem Volksbegehren für eine «strategische Unterschrift für eine grundlegende Weiterentwicklung des Gymnasiums in Bayern».

Dem Forum Bildungspolitik gehören nach Angaben Wenzels 45 Organisationen mit zusammen 1,5 Millionen Mitgliedern an. Darunter sind Lehrer-, Eltern- und Schülerorganisationen, etwa der Bayerische Elternverband, der BLLV oder die Landesschülervereinigung.

Ein zweites «Dialogforum», das «Gymnasialkongress» heißen soll, ist für den 21. Juli geplant. Anschließend will sich Kultusminister Spaenle auf ein Modell für die künftige Dauer des Gymnasiums festlegen – und die Eckpunkte im Sommer dem Kabinett vorlegen. dpa

Zum Bericht: Bayerns Kultusminister Spaenle schließt vor “Dialogforum” einige Gymnasialreformen aus

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