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„Die Schüler brauchen Profis“ – Lehrerverbände gegen Reform der Lehrerausbildung

KIEL. Keine Ruhe für Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Waltraud Wende im Streit um die geplante Reform der Lehrerausbildung. Nach Uni-Streit und massiver Kritik der Opposition fordern jetzt Lehrerverbände, das die geplante Reform „auf Null gestellt wird“. Die Schüler bräuchten Profis und keine vermeintlichen Alleskönner.

Mehrere Lehrerverbände fordern die Rücknahme des aktuellen Gesetzentwurfs der Lehrerreform in Schleswig-Holstein. «Diesem Gesetz kann man nicht zustimmen», sagte der Landesvorsitzende des Philologenverbandes, Helmut Siegmon. «Jeden Tag kommt ein neuer Haken.» Er sehe aufgrund der massiven Kritik an den Plänen von Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) aber durchaus noch Chancen, dass die geplante Reform «auf Null gestellt wird».

In mehreren Verbänden regt sich seit Wochen massiver Widerstand gegen die Reformpläne. Sie bezeichneten die einheitliche Ausbildung im Sekundarbereich als Schritt in die falsche Richtung. Sie trage den unterschiedlichen Schularten nicht ausreichend Rechnung und sei auch nicht Wunsch der Teilnehmer des Bildungsdialogs gewesen. Siegon kritisierte Wende scharf: «Es fehlt der Ministerin die Durchdringungstiefe des Schulsystems.»

«Die Schüler brauchen Profis und keine vermeintlichen Alleskönner», sagte Ulf Biethahn, Landessprecher des Bundesarbeitskreises der Seminar- und Fachleiter. Angesichts zunehmend größerer Herausforderungen an die Lehrer sei der «Einheitslehrer» die falsche Antwort. Die künftige Ausbildung gehe am Bedarf vorbei.

«Die Qualität wird leiden», fürchtet auch Eckhard Formella, der Landesvorsitzende des Germanistenverbandes. Werde die von der Koalition gewollte stärkere pädagogische Ausrichtung umgesetzt, müsste der fachliche Anteil bei einer notwendigerweise begrenzten Ausbildungszeit sinken. Der Vorsitzende des Vereins zur Förderung des mathematisch naturwissenschaftlichen Unterrichts, Jürgen Schmidt, fürchtet gar, dass in der Folge langfristig die Zahl der Mathestudenten zurückgehen könnte.

Siegmon betonte, «das Lehrkräftebildungsgesetz ist von so weitreichender Bedeutung, dass angesichts der verfahrenen Situation und der Vielzahl der ungeklärten und ungelösten fragen ein Neustart unumgänglich ist».

Die geplante Reform der Lehrerausbildung in Schleswig-Holstein sorgt auch im Landtag seit Wochen für Streit. CDU-Hochschulpolitiker Daniel Günther warf den Regierungsfraktionen von SPD, Grüne und SSW am Donnerstag Beratungsresistenz vor. Fraglich sei angesichts der Einmaligkeit des Gesetzentwurfes weiter die Anerkennung durch die Kultusministerkonferenz, ohne die Lehramtsabsolventen aus Schleswig-Holstein nicht in anderen Ländern unterrichten dürften, sagte er.

Die FDP lehnt den Gesetzentwurf ebenfalls weiter strikt ab. «Die von der Landesregierung geplante Lehrerbildung geht am Bedarf vorbei, die fachliche Qualität wird leiden, die Besoldungsfrage ist weiterhin unklar», sagte der FDP-Bildungspolitiker Christopher Vogt. Zudem habe die Koalition nicht nachvollziehbar erklären können, wie angehende Lehrer in einer Gemeinschaftsschule ohne Oberstufe in ihrer Referendariatszeit vernünftig auf die Zusammenarbeit mit Oberstufenschülern vorbereitet werden können.

SSW-Fraktionschef Lars Harms verteidigte die geplante Reform der Lehrerausbildung. Der Philologenverband habe in der Vergangenheit bereits unbeeindruckt von Bildungsstudien jeder Bildungsreform den Kampf angesagt. «Die Lehrer des 21. Jahrhunderts orientieren sich nicht an ihrem eigenen Status, sondern am Wohl der Kinder», sagte Harms. Die Reform soll im Sommer vom Parlament beschlossen werden. (dpa)

zum Bericht: Wende prophezeit: Uni Kiel werde mit die besten Lehrer Deutschlands ausbilden

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