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Fall Henri: „Das macht uns traurig und wütend“

WALLDORF. Die Eltern des behinderten Herni fühlen sich und ihren Sohn ausgegrenzt. In einem Beitrag für das Nachrichtenmagazin Fokus werfen die sie der Landesregierung vor, den elfjährigen nur noch als Problem zu sehen.

Die Eltern des elfjährigen Henri, die ihren Sohn trotz seines Down-Syndroms auf ein Gymnasium schicken wollen, erheben Vorwürfe gegen die Landesregierung. «Henri wird nur noch als Problem gesehen, nicht als Bereicherung. Das ist schade und eine vertane Chance», schrieben Kirsten Ehrhardt und Norbert Hirt in einem Beitrag für das Nachrichtenmagazin «Focus». «Dümmer wird durch Henri niemand, nur weiser.» Die Eltern sehen sich und ihren Sohn ausgegrenzt. «In diesen Tagen müssen wir erleben, wie unser Sohn „behindert“ wird. Das macht uns traurig und wütend.» Eine Mehrheit der Deutschen sieht das Thema ähnlich.

Schlagbaum - Die Eltern des elfjährigen Henri fühlen sich und ihren Sohn ausgegrenzt. Foto: zigazou76 / flickr (CC BY 2.0)

Die Eltern des elfjährigen Henri fühlen sich und ihren Sohn ausgegrenzt. Foto: zigazou76 / flickr (CC BY 2.0)

Henris Eltern möchten, dass ihr Sohn zusammen mit seinen Freunden auf das örtliche Gymnasium wechselt. Weil er nie das Abitur machen wird, sollte er dort in seinem ganz eigenen Tempo lernen. Die Schule hatte das abgelehnt. Auch die Hoffnungen der Eltern, dass Kultusminister Andreas Stoch (SPD) den Beschluss des Gymnasiums gegen die Aufnahme Henris aufheben könnte, haben sich nicht erfüllt.

Einer Emnid-Umfrage zufolge befürworteten 88 Prozent der Deutschen, dass körperlich behinderte Kinder zusammen mit nicht Behinderten unterrichtet werden. Deutlich niedriger fällt die Zustimmung allerdings bei geistig behinderten Schülern wie Henri aus. Hier sprachen sich nur 48 Prozent der Befragten für einen gemeinsamen Unterricht aus, 47 Prozent lehnten ihn ab. Emnid befragte für den «Focus» am 21./22. Mai 1005 repräsentativ ausgewählte Personen. (dpa)

Mit Down-Syndrom aufs Gymnasium? Der „Fall Henri“ spaltet Deutschland

8 Kommentare

  1. Die Zustimmung zur Inklusion liegt bei 98% – vor allem dann, wenn die Klasse des eigenen Kindes davon nicht betroffen ist.

    Uner Förderbedarf emotionale, soziale Entwicklung können die meisten sich ja nichts vorstellen – den Euphemismus verhaltensoriginell kennen ja auch nur Eingeweihte. Und Schwererziehbar ist eben nicht pc.
    Als ob Schüler mit Förderbedarf LB ein Problem wären. Sonderpädagogen sind so gut ausgebildet, dass sie neben den Förderschülern auch noch weitere 25 Regelschüler individuell fördern können.

  2. Elisabeth Mack

    So allmählich macht es auch mich wütend, wie penetrant, uneinsichtig und – ja – unverschämt Sie „Ihren Fall“
    ausschlachten. Ich habe 42 Jahre lang eine behinderte Tochter gehabt: 2012 ist sie gestorben. Noch 3 1/2 Jahre lebte sie bei uns als Pflegefall. Unsere 2. Tochter ist Gymnasiallehrerin.
    Ich denke, wir können uns ein Urteil erlauben. Wir haben unsere Tochter gefördert und begleitet hin zu
    einem einigermaßen selbstständigen Leben mit Abitur in einer Sonder/Förderschule für schwerhörige Kinder,
    Berufsausbildung und Führerschein. Auch ihre Freundinnen dort haben Berufe gelernt: Biblothekarin, Angest.
    im Landratsamt, Lehrerin in einer Gehörlosen-Schule.
    Leider hat der eingespielte Film über Henri mich nicht überzeugt, dass er bereit ist, irgend etwas zu lernen
    (siehe das FAllenlassen von Jacke und Schulmappe auf der Treppe z.B.) Vielleicht wäre die engagierte Mutter
    in dieser Hinsicht einmal gefordert!
    Meine zweite Tochter ist übrigens gegen einen Besuch von Henri im Gymnasium.
    Und hören Sie bitte auf, alle diese Meinungen als Bosheiten anzusehen.

    • Sie haben ja so Recht, Frau Mack. Aber diese edlen Daherschwätzer dreschen eben gern wohlfeile Phrasen und sperren sich gegen die dunklen Seiten der Inklusion, die ja nicht sie ausbaden müssen, sondern die Kinder. Was sich so großherzig anhört, ist meiner Meinung nach nur Selbstgefälligkeit und mangelnde Bereitschaft, sich mit der Inklusion mal differenzierter auseinanderzusetzen.

  3. Sankta Simplicitas

    Wenn das so weiter geht, gibt es bis Weihnachten den kleinen Henri mit Mutter Kirsten und Vater Hirt als Krippenfiguren zu kaufen.

  4. Sankta Simplicitas

    Und noch etwas: Ein Onkel von mir musste als Kind sterben, weil die Psychiater seiner Zeit auch unbedingt ein Gesetz umsetzen wollten.

  5. Sankta Simplicitas

    Henries Eltern sind auch nicht die einzigen, die damit fertig werden müssen, dass ihr Kind von seiner Umwelt eher als Belastung denn als Bereicherung empfunden wird. Wenn diese Eltern vernünftig sind, und die meisten sind es, suchen sie für ihr Kind und sich professionelle Hilfe, die nicht unbedingt (nur) aus Tabletten besteht.

    • Die Mutter schiebt aber ihren Sohn bzw. dessen Behinderung in die Öffentlichkeit ohne sich um die pychischen Folgen zu kümmern nach dem Motto „Machen Sie den Platz frei für meinen Sohn. Er kann zwar nicht sitzen, hat aber einen Schwerbehindertenausweis !!“

      Wurde Henri eigentlich selbst schon einmal gefragt, was er möchte bzw. was er von dem Trubel um seine Person hält?

  6. Sankta Simplicitas

    Zum Schluss möchte ich noch auf das Argument eingehen, dass die gemeinsame Beschulung mit geistig Behinderten die Sozialkompetenz mit diesen Menschen verbessert.
    Der Anteil geistig behinderter Kinder (um die es im Fall Henri geht) liegt im Promillebereich, so dass die meisten Schüler auch bei einer rein inklusiven Beschulung keinen persönlich Kontakt zu einem geistig behinderten Mitschüler haben werden. Zudem ist der Ausprägungsgrad der Behinderung und natürlich auch die sonstige Persönlichkeit des jeweiligen Mitschülers so individuell, dass die Bekanntschaft mit dem einen Schüler genauso zu falschen Vorannahmen über geistig Behinderte führen kann, wie das Beispiel der jungen Trisomie-Trägerin bei Günther Jauch im Vergleich zu dem kleinen Henri gezeigt hat.

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