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Gericht: Private Gesamtschule darf weiter «G8»-Gruppe anbieten

MÜNSTER. Derzeit wird viel über das Turboabitur nach acht Jahren Gymnasium gestritten. Kritiker sehen Schüler überlastet, auch gesundheitlich angegriffen. Eine Gesamtschule – dort führen normalerweise neun Jahre zum Abi – erstreitet sich nun aber gerichtlich das schnelle G8.

Eine private Gesamtschule in Münster darf nach einer Gerichtsentscheidung weiter das Abitur auch schon nach acht Jahren anbieten. Das teilte das Verwaltungsgericht Münster am Freitag mit und sprach von einem in dieser Art bisher einmaligen Fall. Das Gericht verpflichtet das Land NRW – vertreten durch die Bezirksregierung Münster – per einstweiliger Anordnung, der Friedensschule auch über Juli 2014 hinaus vorläufig eine Lerngruppe zu genehmigen, die in acht Jahren zur Hochschulreife führt. In Nordrhein-Westfalen wird das Abitur an den allermeisten Gymnasien nach acht Jahren abgelegt, an den Gesamtschulen nach neun Jahren.

Ende 2006 hatte die Bezirksregierung Münster dem Bistum Münster als Träger der Friedensschule die Genehmigung erteilt, bis 2013/2014 pro Jahrgang jeweils eine G8-Lerngruppe einzurichten. Im Juli 2013 beantragte das Bistum eine Verlängerung, die nicht gestattet wurde. Die Bezirksregierung sah laut Gericht einen «Widerspruch zu den Grundlinien der staatlichen Schulpolitik». Die Gesamtschulen seien so konzipiert, dass das Abitur dort nach insgesamt 13 Jahren erworben werde.

Justitia

G 8 oder G 9? Die Vorlieben gehen offenbar nicht nur nach Schulform auseinander. Foto: dierk schaefer / flickr (CC BY 2.0)

Laut Verwaltungsgericht weicht die G8-Gruppe vom üblichen Gesamtschulkonzept ab und entspricht weitgehend dem achtjährigen Bildungsgang der Gymnasien. Sie gewährleiste aber das von Privatschulen geforderte «Mindestmaß an Verträglichkeit mit den vorhandenen Schulstrukturen». Bei pädagogischen Ansprüchen, Lehrzielen, Lehrerausbildung oder Leistungsstärke sei auch nicht erkennbar, dass die G8-Gruppe öffentlichen Schulen unterlegen sei.

Gegen den Beschluss kann innerhalb von zwei Wochen Beschwerde beim NRW-Oberverwaltungsgericht eingelegt werden. Nach Protesten gegen G8 wird derzeit an einem Runden Tisch im Schulministerium ausgelotet, ob das Turbo-Abitur an Gymnasien noch breiter Konsens ist. dpa

Ein Kommentar

  1. wieder ein beleg dafür, dass nicht gegen g8 an sich sondern gegen dessen umsetzung protestiert wird. letzteres meiner Meinung nach auch zurecht.

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