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Hessen: Schüler, Eltern und Lehrer kritisieren Änderungen am Schulgesetz

WIESBADEN. Opposition und Verbände wandten sich bei einer Anhörung im hessischen besonders gegen Umsetzung der Pläne, Eltern bei der Rückkehr zu G9 größere Wahlmöglichkeiten zu geben. FDP-Politiker Wolfgang Greilich forderte die Regierung auf, „den Gesetzesentwurf sofort zurückzuziehen“. CDU und Grüne verteidigten das Vorhaben.

Schüler, Eltern und Lehrer haben in der ersten Expertenanhörung im Landtag der neuen Wahlperiode die Pläne der Regierung zu Änderungen am Schulgesetz deutlich kritisiert. «Das Chaos hätte uns erspart bleiben können, wenn die Regierung die Kraft gehabt hätte, zu sagen: Der laufende Wechsel zu G9 ist nicht möglich», sagte der Vorsitzende des Hessischen Philologenverbandes (HPV), Knud Dittmann in Wiesbaden.

Wolfgang Greilich

Der frühere hessische FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Greilich forderte die Koalitionäre auf, den Gesetzentwurf sofort zurückzuziehen. Foto: Martin Kraft / Wikimedia Commons (CC-BY-SA-3.0)

Die Regierungskoalition will ermöglichen, dass auch laufende fünfte, sechste und siebte Gymnasialklassen zum Abitur nach 13 Jahren (G9) zurückkehren. Ein Wechsel setzt unter anderem die einstimmige Wahl der Eltern voraus. Neben dem Philologenverband lehnten auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie Eltern- und Schülervertreter die Pläne als nicht praktikabel ab. Der Streit über G8 oder G9 in werde in jede einzelne Klasse getragen. «Der Gesetzentwurf hat Chaos an die Schulen gebracht, bevor er überhaupt in den Landtag eingebracht wurde», sagte Landesschulsprecher Armin Alizadeh.

Auch die schulpolitischen Sprecher der Oppositionsfraktionen griffen die Vorlage der Regierung an. «Das vorgeschobene Versprechen, es allen Eltern recht zu machen, war wegen der selbst gebauten Hürden zum Scheitern verurteilt», erklärte Christoph Degen von der SPD. Die Linken-Politikerin Barbara Cárdenas verlangte, flächendeckend zu G9 zurückzukehren. Ähnlich äußerte sich Wolfgang Greilich von der FDP: «Wir fordern die Koalitionäre auf, den Gesetzesentwurf sofort zurückzuziehen.»

Auch bei Befürwortern von G8 stößt das Vorhaben von CDU und Grünen auf Kritik. Die Möglichkeit des Wechsels zu G9 für laufende fünfte bis siebte Klassen wecke den unzutreffenden Eindruck, das G8-Konzept sei in Hessen durchgängig gescheitert, heißt es im Positionspapier der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VHU).

CDU und Grüne verteidigten die Pläne der Koalition. Sie gäben Wahlfreiheit, soweit es rechtlich möglich sei, betonte Hans-Jürgen Irmer (CDU). Auch die Grünen erklärten sich mit dem Vorhaben einverstanden. Ohne den Gesetzentwurf hätte es keinerlei Möglichkeit für Schüler der laufenden Klassen für eine Rückkehr zu G9 gegeben, erklärte der bildungspolitische Sprecher der Grünen, Mathias Wagner. (dpa)

Öffentliche Anhörung zum Hessischen Schulgesetz auf den Seiten des hessischen Landtags

zum Bericht: Hessen-SPD: Rückkehr zu G9 typisches Beispiel missglückter Politik

2 Kommentare

  1. … aber natürlich ist der Eindruck richtig, dass das G8-Konzept in Hessen durchgängig gescheitert ist!!!
    Das Ziel der Regierung war von Anfang an nicht, wie behauptet, die Verbesserung der Berufschancen hessischer Schulabgänger im internationalen Wettbewerb; vielmehr waren die Damen und Herren Parlamentarier fasziniert von der Vorstellung, auf einfachem Wege Lehrerstellen einsparen zu können. Inhaltlich wurde G8 mit heißer Nadel gestrickt, indem man den Stoff ohne Sachkompetenz einfach in die kürzere Schulzeit passend komprimiert und dann gegen den Willen der meisten betroffenen mit der Brechstange zum finanziellen Nulltarif eingeführt hat. Na und jetzt, wo die ganze Chose grandios an die Wand gefahren ist, schmeißen die Politiker den Schulen, den Lehrern, den Eltern und den Schülern den Kram beleidigt vor die Füße mit der Aufforderung, den weiteren Weg doch bitte selbst zu gestalten.
    Richtig ist also, dass wieder einmal in Hessen ein großangelegter Menschenversuch an Schulen dank der Inkompetenz der handelnden Personen vor allem im Kultusministerium grandios gescheitert ist.

  2. Wenn die Eltern einstimmig dafür sind, sollen sie auch den neuen Lehrplan zusammenstricken.

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