Anzeige


Startseite ::: Politik ::: Löhrmann hält an G8 fest – vorerst

Löhrmann hält an G8 fest – vorerst

DÜSSELDORF.  In Nordrhein-Westfalen wird es vorerst keine Abkehr von der Schulzeitverkürzung am Gymnasium geben. Allerdings sollen bis zum Herbst konkrete Vorschläge zur Verbesserung des achtjährigen gymnasialen Bildungsgangs (G8) erarbeitet werden. Dies sind Ergebnisse eines Runden  Tisches gestern Abend in der Düsseldorfer Staatskanzlei.

Will keinen Schnellschuss in Sachen G8. NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann. Foto: Grüne NRW / Flickr (CC BY-SA 2.0)

Will keinen Schnellschuss in Sachen G8. NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann. Foto: Grüne NRW / Flickr (CC BY-SA 2.0)

NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) schloss heute eine Rückkehr zu G9 zwar nicht ausdrücklich aus. Sie machte aber ihre Präferenz für eine Optimierung des verkürzten Bildungsgangs deutlich. «Jetzt alles auf Knopfdruck wieder umzustellen, davor warnen sehr viele Vertreter, die ganz konkret Schule gestalten», sagte Löhrmann, die auch amtierende KMK-Präsidentin ist, im WDR-«Morgenecho».

Am Montagabend hatten sich rund 45 Vertreter von Eltern, Lehrern, Schülern, Wirtschaft und Politik in der Düsseldorfer Staatskanzlei zu einem über dreistündigen Meinungsaustausch zum «Turbo-Abitur» getroffen. Eine Empfehlung zur Beibehaltung oder Abschaffung von G8 stand an dem Runden Tisch nicht zur Entscheidung an. Stattdessen einigten sich Befürworter und Gegner nach intensiver Diskussion darauf, in drei Arbeitsgruppen eine Bestandsanalyse vorzunehmen und nach Lösungen zu suchen.

«Damit wird nichts auf die lange Bank geschoben, aber es soll eben auch nichts übers Knie gebrochen werden», sagte Löhrmann. In den Arbeitsgruppen sollen Möglichkeiten zur Entlastung der Schüler, Ganztagsangebote, das Verhältnis von Schule und Freizeit sowie der Umstellungsprozess von G8 auf G9 beleuchtet werden.

Die Vizevorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Eva-Maria Voigt-Küppers, bilanzierte in einer Mitteilung: «Jetzt ist es noch viel zu früh, um konkrete Aussagen über die Schulzeitverkürzung zu treffen. Wir benötigen eine detaillierte Aufarbeitung.» Die schulpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Sigrid Beer, verlangte, die Lehrpläne zu durchforsten und die Schüler deutlich von Hausaufgaben zu entlasten.

Die Bürgerinitiative «G-ib-8» und die Landesschülervertretung (LSV) bleiben bei ihrer Forderung, zu G9 zurückzukehren, wollen sich aber in die Arbeitsgruppen einbringen. «Wir sind weiterhin für einen Wechsel zum Abitur in neun Jahren», unterstrich Vanessa Katharina Seiffert vom LSV-Vorstand. «Schüler haben lange genug das Versuchskaninchen gespielt.»

Die Sprecherin der Bürgerinitiative, Anja Nostadt, sagte: «Uns wird es so lange geben, bis in NRW neun Jahre am Gymnasium möglich sind.» Ihr gehe es aber nicht um eine Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9 wie in Hessen, sondern um eine flächendeckende Umstellung. Ein Elternbündnis sammelt bereits Unterschriften für eine entsprechende Volksinitiative. dpa

Zum Kommentar: G8/G9-Streit – Deutschland driftet auseinander

Zum Bericht: Vor dem Runden Tisch: Organisierte Eltern und Lehrer wollen G8 in NRW erhalten

10 Kommentare

  1. Viel zu früh? Was hat das Ministerium seit 2005 gemacht? Genügen 9 Jahre nicht um Erkenntnisse zu sammeln? Und jedes Jahr mehr G8 bedeutet jedes Jahr eine weitere Generation von Schülern, die teilweise schon mit 9 Jahren mehr Stunden ackern müssen als Erwachsene in Vollzeit.

    Auf eine Erklärung wie G8 absolut gleichwertig mit G9 sein kann, wenn doch trotz gleich gebliebener Gesamtstundenzahl gestrafft und gestrichen werden muss, warte ich immer noch.

    • Zitat: „Auf eine Erklärung wie G8 absolut gleichwertig mit G9 sein kann, wenn doch trotz gleich gebliebener Gesamtstundenzahl gestrafft und gestrichen werden muss, warte ich immer noch.“

      Nina Braun hat in ihrem Kommentar dazu einen (zumindest auf den ersten Blick) recht brauchbaren Vorschlag in ihrem Kommentar gegeben:
      „Dabei wäre ein Kompromiss so leicht zu finden: auf der einen Seite das Gymnasium mit einem achtjährigen Bildungsgang zum Abitur (für die fixen und besonders leistungswilligen Schüler), auf der anderen Seite eine integrierte Schulform, die alle Wege offenhält – einschließlich des Abiturs nach neun Jahren. Damit müsste doch jeder leben können.“
      Quelle: http://www.news4teachers.de/2014/05/g8g9-streit-deutschland-driftet-auseinander/#comment-22346

      Da hätten auch die etwas langsamer lernenden Schüler die Möglichkeiten, das Abitur zu schaffen – und die Schnelllerner werden nicht ausgebremst… (allerdings dürfte dann auf diesesn „Autobahn-Gymnasien“ keine Inklusion mit lernschwachen stattfinden, um nochmal ein anderes Thema hier mit einzubringen… sonst wäre das fixe und schnelle Durchnehmen des Schulstoffs vermutlich nicht mehr leistbar…)

      • Geistig behinderte Kinder gehören auf keine Form des Gymnasiums, weder G8 noch G9.

        • Okay – und welche Schulform ist dann die richtige?

          • Diejenige, die das Kind am besten fördert, am besten in Kleingruppen mit ähnlich gelagerten Fällen.
            Wichtig wäre z. B., dass verhaltensgestörte Kinder nicht mit lernbehinderten Kindern zusammen in eine Gruppe gesteckt werden, was in der Vergangenheit zu oft geschehen ist, weil Verhaltensstörungen auf dem Vormarsch sind und passende Einrichtungen dem Bedarf hinterherhinkten.
            Kurz und gut: Ich bin ein Anhänger des Förderschulprinzips und halte die Inklusion für ein politisch gewolltes Sparprogramm, das mit Menschenrecht und sonstigen hehren Gründen wenig zu tun hat. Diese sind m. E. nur schönes Aushängeschild für den Erhalt allgemeiner Zustimmung.

      • Küstenfuchs

        Ihre Grundannahme ist falsch: Es geht doch gar nicht darum, ob man schneller lernen kann. Es geht darum, ob die Kinder schneller lernen wollen. In vielen Teilen des Landes ist zu beobachten, dass bei G8 im Umkreis die Mitgliederzahlen im Jugendbereich von Vereinen (Fußball etc.), von Musikschulen oder von sozialen/ehrenamtlichen Einrichtungen (z.B. freiw. Feuerwehr) zurück gehen.

        Es ist einfach Unsinn zu behaupten, dass gute Schüler unbedingt G8 und eher schwächer Schüler G9 machen wollen. In Schleswig-Holstein gibt es genau zwei Städte, die sowohl ein G8 als auch ein G9-Gymnasium haben (Schleswig und Eutin). Dort wird mit den Füßen abgestimmt, die G9-Gymnasien haben wesentlich größeren Zulauf bei ähnlichem Niveau der Leistungen.

        • Das liegt aber an der Ausdehnung des Unterrichts in den Ganztag, die wird vermutlich auch bei Wiedereinführung des G9 nicht zurück genommen werden. Die Pflichtstundenzahl zwischen Klasse 5 und 10 beträgt ungefäht 190 Wochenstunden. Das ergibt 32 WS je Schuljahr ohne AG-Teilnahme oder Förderunterricht. Die zwei Sportstunden je Woche sind doch nur der Tatsache geschuldet, dass die Hallenkapazitäten nicht reichen. Die Sollstundentafel gibt nämlich mindestens 3 Stunden je Woche vor. Die einzige Möglichkeit ohne nachmittagsinterricht auszukommen, ist die Wiedereinführung des Samstagsunterrichts.

    • 2012/13 war das erste Schuljahr, in dem die ersten G(ute N)8er auf den Markt kamen. Den Stress hatten die lieben Kleinen ab 2005 in der SekI, also weitgehend zu Zeiten von der blonden Jahreszeit. da in NRW die Oberstufe nach wie vor drei Jahre dauert, musste da nichts geändert werden. Also hat man beschlossen, die notwendigen Kompetenzen sind in den Schuljahren 9 bis ohne weitere Abstriche zu vermitteln. Nicht bedacht wurde unter Rüttgers Club, dass die ersten, die vom G8 betroffen waren, viele mit fünf Jahren in die GS eingeschult worden waren und dann auch noch oft in jahrgangsübergreifende Eingangsklasssen. Die kamen also mit gerade einmal neun Jahren auf das Gymnasium. In den ersten beiden Jahren machen aber alle Schulfornen von der HS bis zum Gym den mehr oder weniger gleichen Fächerkanon und die gleichen Inhalte. dass diese SuS in der Pubertät dann voll einen vor den Latz geknallt bekommen haben und in drei Schuljahren den Stoff von vieren abhandeln mussten, um den Übergang in die Einführungsphase zu ermöglichen, das musste absehbar schief gehen.

      gepfuscht worden ist bei der Einführung des G8, nicht danach. Das, was sie hier einforden ist auch nicht Sache des Ministeriums, sondern sache des Landesinstituts für Qualitätssicherung und Schule in Soest. – Nur die hat Rüttgers damals zeitgelich mit aufgelöst. Wenn Herr Laschet heute dicke backen macht, kann man nur herzhaft lachen.

  2. Die “Ergebnisse” der Gesprächsrunde sind mehr als enttäuschend, es werden Arbeitskreise eingerichtet (nach dem Motto “Wenn du nicht mehr weiter weißt, gründe einen Arbeitskreis…”)
    Anstatt etwas zu ändern, wird das Thema erst einmal ausgesessen… und die Kinder werden weiter gestresst. Man kann nur hoffen, dass die Bürgerinitiative schnell die notwendigen Unterschriften für einen Volksentscheid zusammenbekommt. Ich empfehle allen sich im Sinne unserer Kinder hier zu unterschreiben und möglichst auch sich am Sammeln der Unterschriften zu beteiligen, s. folgender link.
    http://www.g9-jetzt-nrw.de/
    Denn dass eindeutige Umfrageergebnisse unsere Politiker nicht interessieren, haben die Reaktion ja schon gezeigt.

    • Warum neue lehrpläne? Weil die alten eben nicht mehr passen, und zwar unabhängig von der Frage der Länge der gymnasialen Ausbildung. Dass mittlerweile 42% der Viertklässler an ein Gymnasium wechseln, trägt dazu bei, dass die gymnasien neue Konzepte erarbeiten müssen.

      Wichtig ist doch erst einmal zu klären, was das Ziel der gymnasialen Bildung sein soll. Zweitens müsses Profile entwickelt werden, die der Fachhochschulreife (FHR) ein höheres Gewicht zubilligen. Warum muss jeder, der auf einem Gymnasium eingeschult wird, dieses mit der Allgemeinen Hochschulreife (AHR) verlassen? Die meisten Studiengänge können an allen Hochschulen mit einer FHR (schulischer Teil) und einem einjährigen Praktikum oder einer abgeschlossenen Ausbildung begonnen werden.

      Ist die Einführung sogenannter Oberstufen Gymnasien (nur die letzten 3 Schuljahre) mit größerer Bandbreite der möglichen Profile möglich? Damit sind technische, kaufmännische, naturwissenschaftliche, neusprachliche, altsprachliche, musische, sportliche Profile gemeint Warum gesteht man den Oberstufenschülern nicht wieder eine größere Wahlfreiheit zu? Was soll die Pflichtbindung in Deutsch, Mathematik und Geschichte?

      Es gibt keinen abgschlossenen Wissenskanon mehr, warum versucht man dennoch, diesen mit dem Abitur vorzuspiegeln? Ist es nicht sinnvoller, am Ende des 10. Jahrganges die Schüler, die einen Qualifizierungsvermerk haben, aufzuteilen in eine Gruppe, die in 12 Jahren zum FHR geführt werden soll, und eine, die nach 13 Jahren zur AHR geführt werden soll. Wer überragende Leistungen in der ersten Gruppe hat, kann ja noch ein Jahr dranhängen und die AHR erwerben, während die anderen ein gelnktes einjähriges Praktikum absolvieren.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*