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Odenwaldschule: Aufsicht platzt jetzt der Kragen – Ministerium prüft Genehmigung

HEPPENHEIM. Die Odenwaldschule ist schon wieder im Visier der Staatsanwälte: Sie prüfen, ob ein Kinderarzt sich schuldig gemacht hat. Den Aufsichtsbehörden des Internats platzt der Kragen.

Goethehaus der Odenwaldschule; Foto: Mussklprozz / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Goethehaus der Odenwaldschule; Foto: Mussklprozz / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Nach mehreren neuen Missbrauchsvorwürfen könnte der Odenwaldschule die Schließung drohen. Das hessische Sozialministerium in Wiesbaden kündigte an, die Betriebsgenehmigung für das private Reforminternat bei Heppenheim zu prüfen. «Wir prüfen weitere Schritte, da die Schule bisher nicht vertrauenswürdig und transparent agiert hat» – und dies trotz der schweren Missbrauchsfälle in der Vergangenheit, hieß es in einer Mitteilung. An der Odenwaldschule waren 2010 lange vertuschte sexuelle Übergriffe hochgekocht.

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt schaltete sich wegen Vorwürfen ein, ein Kinderarzt könnte sich Schülern der Odenwaldschule bei Untersuchungen unangemessen genähert haben. «Wir prüfen, ob es ausreichend Anhaltspunkte dafür gibt, ein Ermittlungsverfahren zu eröffnen», sagte der stellvertretende Sprecher Noah Krüger. Der Landkreis Bergstraße stellte dem Internat zum zweiten Mal binnen weniger Wochen ein Ultimatum. Die Aufsichtsbehörde will bis zu diesem Freitag um 12.00 Uhr Details zum Fall des Kinderarztes wissen.

Die Staatsanwaltschaft führt bereits ein Ermittlungsverfahren gegen einen inzwischen entlassenen Lehrer. Er hat gestanden, Kinderpornografie aus dem Internet heruntergeladen zu haben. Das Internat hatte die Vorwürfe wegen des Kinderarztes am Samstag als falsch zurückgewiesen. Vor diesem Hintergrund begrüßte eine Sprecherin die Prüfung der Staatsanwaltschaft. «Dies ist entlastend.»

Nach den Vorwürfen könnte der Arzt Schüler bei Untersuchungen möglicherweise in unangemessener und übertriebener Weise abgetastet haben. Die Vorwürfe sollen schon zwei Jahre alt sein. An der verspäteten Weitergabe der Informationen setzte das Sozialministerium an. Die Odenwaldschule habe zum wiederholten Mal gegen Meldepflichten verstoßen. Die Gesamtschau aller Vorkommnisse mache es erforderlich zu prüfen, «ob das Internat der Odenwaldschule die gesetzlichen Bedingungen für den Bestand der Betriebserlaubnis erfüllt».

Schon im April hatte der Landkreis Bergstraße ultimativ Aufklärung im Zusammenhang mit den Kinderporno-Ermittlungen gegen den Lehrer verlangt. Die Antwort der Schule wurde als ungenügend betrachtet. Ergebnis eines Krisengesprächs waren härtere Auflagen. Ermittlungen gegen den Lehrer wegen des Verdachts der sexuellen Übergriffe auf Schüler sind allerdings eingestellt worden. Für diese Vorwürfe gab es laut Staatsanwaltschaft keine Anhaltspunkte.

Dem Landkreis riss am Montagnachmittag wegen einer Formulierung der Odenwaldschule der Geduldsfaden. Das Internat hatte am Samstag in einer Mitteilung kritisiert, Landrat Matthias Wilkes (CDU) habe den Verdacht «kolportiert», als Gerücht verbreitet. Der Landkreis meinte, diese Behauptung sei «absurd». Der Verdacht stamme von der Schule selbst. Sie versuche, zu vertuschen. Die Odenwaldschule blieb bei ihrer Stellungnahme. «Der Arzt hat sich aus unserer Sicht in keinster Weise etwas zuschulden kommen lassen», sagte eine Sprecherin. «Schüler hatten die ärztliche Untersuchung falsch eingeschätzt.»

An der Odenwaldschule waren vor Jahrzehnten mindestens 132 Schüler von Lehrern sexuell missbraucht worden. Die Übergriffe kamen erst viele Jahre später umfassend an die Öffentlichkeit. Einige Kritiker fordern, die Schule zu schließen. Sie habe sich nicht wirklich geändert. Ihre Struktur ziehe Pädophile an. Im Internat leben Schüler und Lehrer in einer Art Familienverband. dpa

Zum Bericht: Trotz Odenwald-Skandal: Internate trotzen Schülerschwund

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