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Odenwaldschule unter Druck: Lehrer sollen nicht mehr bei den Schülern wohnen

HEPPENHEIM. Unter Druck der Behörden wird die umstrittene Odenwaldschule aktiv: Lehrer sollen nicht mehr bei den Kindern wohnen. Fraglich ist, ob eine Reform die von einem Missbrauchsskandal und neuen Vorwürfen erschütterte Schule noch vor der Schließung retten kann.

Das Idyll trügt: Um die Odenwaldschule wird wieder heftig gestritten. Foto: Jakob Montrasio / flickr (CC BY 2.0)

Das Idyll trügt: Um die Odenwaldschule wird wieder heftig gestritten. Foto: Jakob Montrasio / flickr (CC BY 2.0)

Die Odenwaldschule hat eine Änderung des heftig kritisierten Internatskonzeptes angekündigt. Zur Zeit betreuen jeweils zwei Lehrer eine Gruppe, die als «Familie» bezeichnet wird. Dieses Verhältnis wird von Kritikern als zu nah empfunden. «Wir brauchen eine Trennung von “Lehrer” und “Erzieher” sowie ein Aufgeben des Familienbegriffs», sagte die Internatsleiterin Juliana Volkmar. «Es kann nicht sein, dass dieselbe Person unterrichtet und auch die Gruppe betreut.» Als Erzieher könnten etwa Sozialpädagogen arbeiten.

Die Schule kommt damit ihren Aufsichtsbehörden entgegen, dem hessischen Sozialministerium und dem Landkreis Bergstraße. Sie hatten Veränderungen am Konzept gefordert. Das Ministerium will umfassend prüfen, wie tragfähig das Präventions-, Betreuungs- und Leitungskonzept der Odenwaldschule ist. Vom Ergebnis hängt ab, ob die Schule unter Auflagen weiterarbeiten darf oder schließen muss. Kurzfristig bis diesen Donnerstag soll die Schule den Behörden Auskunft wegen eines Kinderarztes geben. Er soll Schüler in unangemessener und übertriebener Weise abgetastet haben. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob ein Ermittlungsverfahren eröffnet werden muss.

Das Ministerium hatte der Schule vorgeworfen, die Information dazu nicht rasch genug weitergegeben zu haben. Gleiches gilt für den Fall eines mittlerweile entlassenen Lehrers, der Kinderpornografie besessen hat. Die Odenwaldschule handele ungeachtet ihrer Geschichte mit Fällen von schwerstem Kindesmissbrauch weiter intransparent, erklärte das Sozialministerium. Internatsleiterin Volkmar sagte, die «Familien» lebten zwar nahe beieinander, aber in getrennten, abschließbaren Räumen. Dies könne zu Missverständnissen führen. Laut Volkmar gibt es fast 200 Schüler, davon knapp 140 im Internat.

Für die umfassenden Auskünfte zum pädagogischen Konzept hat die Odenwaldschule nach Angaben einer Ministeriumssprecherin in Wiesbaden länger Zeit als nur bis Donnerstag. «Deren Erstellung und Prüfung wird einige Zeit erfordern. Es ist momentan noch nicht absehbar, wie lange die Prüfung in Anspruch nehmen wird.» Eine Schließung der über 100 Jahre alten Schule ist möglich; sie gilt aber als kompliziert, weil die Verfügung juristisch wasserdicht sein muss. «Die Schule geht davon aus, dass die Betriebserlaubnis bestätigt wird», sagte eine Sprecherin. dpa

Zum Bericht: Odenwaldschule: Aufsicht platzt jetzt der Kragen – Ministerium prüft Genehmigung

Ein Kommentar

  1. … und ewig weht der böse Geist von Gerold Becker durch die Flure der Odenwaldschule…

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