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Politiker von Grünen und CDU fordern: Späterer Schulbeginn bei der Fußball-WM

BERLIN. Immer mehr Politiker fordern – allen Ernstes – eine Verschiebung des Schulunterrichts während der Fußball-Weltmeisterschaft. So zeigt die CDU im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern Mitgefühl mit fußballbegeisterten Schülern und grätscht damit Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) in die Beine. Fraktionschef Vincent Kokert, Vater von vier Kindern, forderte eine Möglichkeit für Schulen, während der WM in Brasilien später mit dem Unterricht zu beginnen. Auch die bayerischen Grünen schlagen eine Verlegung des Unterrichts vor – zumindest nach Spielen der deutschen Nationalmannschaft am späten Abend.

Fußball-Feste feiern könnte für Schüler (und Lehrer) bei der kommenden WM schwierig werden. Foto (vom World-Cup 2006): Arne Müseler / www.arne-mueseler.de / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0 DE)

Fußball-Feste feiern könnte für Schüler (und Lehrer) bei der kommenden WM schwierig werden. Foto (vom World-Cup 2006): Arne Müseler / www.arne-mueseler.de / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0 DE)

Die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt am 12. Juni. Die Hälfte der Spiele wird ab 22.00 Uhr deutscher Zeit ausgetragen, sodass die Fernseh-Übertragungen erst kurz vor Mitternacht enden. «In Brandenburg ermöglicht das Bildungsministerium den Schulen einen flexiblen Unterrichtsbeginn während der WM», sagte Kokert. «Dort können die Schulleitungen in Eigenverantwortung entscheiden, ob der Unterricht später anfängt.» Dieser Weg sei sinnvoll und sollte auch in Mecklenburg-Vorpommern möglich sein, meinte er. Ein Sprecher von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) hatte am Vortag hingegen erklärt, die Schulorganisationsregeln im Land ließen nur für die Wintermonate in Ausnahmefällen die Festlegung eines späteren Unterrichtsbeginns zu. Zudem drohten bei späterem Schulstart logistische Probleme im Schülertransport, gab er zu bedenken.

Auch die Grünen in Bayern machen sich für einen späteren Schulbeginn nach nächtlichen Fußball-WM-Spielen der deutschen Nationalmannschaft stark: Wenn Begegnungen in Brasilien erst spätabends nach 22 Uhr deutscher Zeit angepfiffen werden, sollen Schulen den Unterrichtsbeginn nach hinten schieben dürfen. Das Kultusministerium solle eine entsprechende Empfehlung geben, sagte der Grünen-Bildungspolitiker Thomas Gehring. «Ein späterer Unterrichtsbeginn nützt nicht nur den Kindern, sondern auch den Lehrerinnen und Lehrern, die dann nicht vor einer gähnenden Klasse unterrichten müssen», argumentierte er. Gehring hat ausgerechnet, dass maximal drei Schultage betroffen sein könnten – wenn die deutsche Elf ins Finale einzieht. Das späte Vorrundenspiel gegen Ghana falle dagegen auf einen Samstag.

Während der Weltmeisterschaft in Brasilien bis Mitternacht Fußball gucken? Für Schüler in Brandenburg könnte das ohne Schlafverlust klappen. «Die Schulen können in eigener Verantwortung entscheiden, ob der Unterricht später beginnt», sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums. «Wir halten es nicht für notwendig, Vorgaben zu machen.» Er gab jedoch zu bedenken, dass eine Verlagerung des Unterrichtsbeginns zu logistischen Problemen führen könnte – beispielsweise beim Schülertransport.

Ähnlich die Lage in Sachsen: Jede Schule im Freistaat kann selbst entscheiden, ob sie zur Fußball-WM den Unterrichtsbeginn nach hinten verlegt. «Das legen die Schulen in eigener Verantwortung fest», erklärte eine Sprecherin des Kultusministeriums. Laut Schulgesetz können die Schulen den Unterrichtsbeginn prinzipiell selbst festlegen – spätestens jedoch auf neun Uhr. Der Sächsische Lehrerverband (SLV) gibt jedoch zu bedenken, dass eine Verlagerung des Unterrichtsbeginns zu logistischen Problemen führen kann – beispielsweise bei den Schulbussen. Werde der Unterricht nach hinten verlagert, könne in den späten Nachmittagsstunden zudem die Konzentration nachlassen. Einen späteren Unterrichtsbeginn während der gesamten WM-Zeit hält der SLV-Vorsitzende Jens Weichelt für unangebracht. «Wenn, dann vielleicht Ausnahmen zu den Deutschlandspielen.» «Es wäre natürlich schön, wenn wir dann auch einmal ausschlafen könnten», sagte Tom Beyer vom Landesschülerrat.

Auch Niedersachsens Schüler können darauf hoffen, während der Weltmeisterschaft in Brasilien später zur Schule gehen zu dürfen. «Wir haben die eigenverantwortliche Schule. Ich bin mir sicher, dass die Schulen verantwortliche Lösungen erarbeiten werden», sagte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD). Möglicherweise ausgefallene Stunden müssen in jedem Fall nachgeholt werden. Ob die Schulen am Ende wirklich ihre Stundenpläne an die WM anpassen, muss sich daher zeigen.

In Hamburg gilt dagegen: keine Flexibilität. «In Hamburg findet Unterricht wie gewohnt statt, eine Änderung aus Anlass der WM ist nicht geplant», teilte die Schulbehörde mit. Die Schulen dürften keinen Unterricht ausfallen lassen oder verschieben. Auch in Nordrhein-Westfalen ist die WM kein Anlass für Ausnahmeregelungen zu einem späteren Unterrichtsbeginn. Das stellte eine Sprecherin des Düsseldorfer Schulministeriums klar. NRW startet aber als erstes Land in die Sommerferien. Vom Viertelfinale an können die Schüler die Spiele daher – trotz des späten Anpfiffs um 22 Uhr – entspannt genießen und am nächsten Tag ausschlafen.

Schleswig-Holsteins Schülern droht dagegen Schlafverlust. «Das Bildungsministerium sieht keine Notwendigkeit für besondere Regelungen zum Unterrichtsbeginn der Schüler in Schleswig-Holstein bei sportlichen Großereignissen wie der WM in Brasilien», sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums in Kiel. Gleiche Situation in Sachsen-Anhalt: Lange Fußball gucken und am nächsten Tag später zur Schule? Das können sich Sachsen-Anhalts Schüler abschminken. Sie müssen die WM mit den üblichen Unterrichtszeiten überstehen. Es sei nicht daran gedacht, den Unterricht später beginnen zu lassen, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums. Schließlich hängen an den Anfangszeiten unter anderem der Schultransport, personalrechtliche Fragen und Nachmittagsangebote. Außerdem sei nicht jeder Fußballfan und wolle auf Hobbys oder nachmittägliche AGs verzichten. dpa

4 Kommentare

  1. Schwachsinn!
    Jedes Spiel kann über die mediathek der Sender am nächsten Tag angesehen werden bzw. als (oft spannendere Zusammenfassung) in den öffentlich – rechtlichen Sendern.
    Das muss doch genügen.
    Ich erinnere mich noch genau: Bei der WM in Mexiko haben wir die Spiele auch erst am Folgetag gesehen und es war genau so spannend.
    Wenn ich jetzt nur das Beispiel unserer Schule nehme: regulärer Unterrichtsschluss um 13:15 Uhr. jetzt eine Stunde später beginnen => Schluss um 14:15 Uhr. Dann etwa 45 Minuten mit dem Schulbus => die Schüler sind frühestens um 15:00 Uhr zu Hause. Und da laufen dann schon die nächsten Spiele!
    Ist denn Fußball wirklich sooooooo wichtig?
    Am besten ist, die Politiker nehmen in der Zeit Parlamentsferien, dann können sie uns in Brasilien auf Staatskosten repräsentieren und vor allem keinen Sch… ausbrüten.
    rfalio

  2. Müssen jetzt wirklich alle Deutschen zwangsweise zu Fußball-Fans werden???

    Ihren Einwand, rfalio, finde ich sehr passend 🙂 Ich hätte gerne einen „gefällt mir“-Button *ggg*

  3. „Immer mehr Politiker fordern..eine Verschiebung des Schulunterrichts …“. Manchen Damen und Herren Politikern ist offensichtlich kein Thema zu dämlich, um populistische Forderungen zu stellen, mit denen sie sich an den Stammtischen und beim Wahlvolk in ein günstiges Licht rücken wollen. Einfache Antwort auf solchen Unsinn: Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Die Schüler sollten bei dieser Gelegenheit ruhig mal wieder die etwas in Verruf gekommenen guten alten preußischen Tugenden wie Pflichterfüllung und Pünktlichkeit lernen. Niemand wird daran gehindert, bis in die Puppen den Balltretern zuzuschauen, aber morgens um halb acht ist schlicht und ergreifend „business as usual“. Basta!

  4. Natürlich stellen die Busunternehmen auf dem Land ihren Fahrplan um, damit die Schüler nicht schon um 8 Uhr in der Schule sind? Wie weltfremd ist das denn? Auf dem Land fahren die Busse nun mal nicht halbstündlich. Den Schülern nützt ein späterer Unterrichtsbeginn überhaupt nichts.

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