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Bald 60 Prozent Ganztagsschulen in Niedersachsen

HANNOVER. Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt baut das Ganztagsangebot weiter aus. 111 Schulen sollen im kommenden Schuljahr zu Ganztagsschulen werden. Schulleiter an kleineren Ganztagsschulen sollen eine Entlastungsstunde bekommen. Die Opposition bemängelt einen noch immer ausstehenden Erlass, der klare Vorgabe macht.

Niedersachsen baut das Ganztagsangebot für Schüler aus: Rund 60 Prozent aller öffentlichen Schulen im Nordwesten bieten ab dem kommenden Schuljahr ganztägigen Unterricht an.

«Wir liegen damit auch deutschlandweit sehr weit vorne», sagte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) am Freitag in Hannover. Größere Fortschritte gebe es nur in den Stadtstaaten und den ostdeutschen Bundesländern. Die Nachfrage nach Ganztagsschulen sei groß. Die Ministerin genehmigte Anträge von 111 weiteren Schulen, die nach den Sommerferien ihren Schulbetrieb ausbauen wollen. Insgesamt bieten dann rund 1700 der 2800 allgemeinbildenden Schulen des Landes ganztägigen Unterricht an. Die Ausstattung an den 1200 Schulen mit einem bisher eingeschränkten Angebot soll von 25 auf 75 Prozent angehoben werden.

Kündigte für die Unterrichtsverpflichtung von Schulleitern an kleineren Ganztagsschulen eine einstündige Ermäßigung pro Woche an: Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt. Foto: Martin Rulsch / Wikimedia Commons  CC-by-sa 3.0/de

Kündigte für die Unterrichtsverpflichtung von Schulleitern an kleineren Ganztagsschulen eine einstündige Ermäßigung pro Woche an: Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt. Foto: Martin Rulsch / Wikimedia Commons CC-by-sa 3.0/de

Bei den neu genehmigten Schulen handelt es sich um 71 Grundschulen, 20 Oberschulen, zehn integrierte Gesamtschulen, sieben Gymnasien und drei Realschulen. Insgesamt lässt sich das Land im laufenden Jahr das Ganztagsschulangebot rund 23 Millionen Euro kosten. Für 2015 – wenn nach Angaben der Ministerin voraussichtlich 100 weitere Schulen ihr Angebot ausbauen werden – sind rund 62 Millionen Euro eingeplant, für die beiden Folgejahre jeweils 78 Millionen und 96 Millionen Euro. Der Ausbau des Ganztagsangebots in Niedersachsen war eine Kernforderung der rot-grünen Landesregierung, die dafür ihre «Zukunftsoffensive Bildung» ausgerufen hat.

Heiligenstadt kündigte zudem für die Unterrichtsverpflichtung von Schulleitern an kleineren Ganztagsschulen eine einstündige Ermäßigung pro Woche an. Sie wertete die Umstellung des Schulangebots auf einen ganztägigen Unterricht als einen «Paradigmenwechsel». Dieser ermögliche auch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die entsprechenden Schulen haben bis zum Schuljahr 2015/2016 Zeit, ein neues pädagogisches Konzept zu erarbeiten.

Die quantitative und qualitative Bandbreite der Ganztagsschulangebote in Niedersachsen geht indes weit auseinander. Generell gibt es drei verschiedene Formen: In offenen Ganztagsschulen findet vormittags Unterricht statt, nachmittags gibt es zusätzliche Bildungs- und Freizeitangebote. Statt hauptberuflicher Lehrer werden dabei oft andere pädagogische Kräfte eingesetzt oder Vereine machen Angebote. Die Teilnahme ist für Schüler freiwillig. In gebundenen Ganztagsschulen sind Unterricht und Ganztagsangebote für alle Schüler verbindlich über den Tag verteilt. In teilgebundenen Ganztagsschulen gibt es sowohl verpflichtende als auch freiwillige Ganztagsangebote.

Der schulpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Kai Seefried, kritisierte, dass noch immer kein entsprechender Erlass des Ministeriums zur Organisation der Ganztagsschulen vorliege; nach Angaben von Heiligenstadt befindet er sich in der letzten Abstimmungsphase. «Für Schüler, Eltern und Schulen geht die Hängepartie weiter; sie fragen sich: Wie wird unsere Ganztagsschule im nächsten Schuljahr organisiert sein?“, kritisierte der CDU-Politiker, der von großer öffentlicher Verunsicherung sprach. (dpa)

zum Bericht: Ausbau der Ganztagsschulen kommt in Niedersachsen schneller voran als geplant
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