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CDU-Abgeordnete fordern: 35-Stunden-Woche für Schüler – Kraus: „Alarmismus“

BERLIN. Um den Leistungsdruck von Schülern zu nehmen, fordern Bundestagsabgeordnete der CDU jetzt weniger Unterrichtsstunden. Der familienpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Marcus Weinberg, verlangte die Einführung einer 35-Stunden-Woche als Obergrenze. Kritik kam vom Deutschen Lehrerverband an dem Vorstoß. Die Kultusminister reagieren allerdings. Sie prüfen derzeit, die Zahl der Pflichtstunden bis zum Abitur zu verringern, bestätigte der Generalsekretär der Kultusministerkonferenz (KMK), Udo Michallik.

Hält die Schüler in Deutschland im Schnitt nicht für überlastet: Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Foto: Deutscher Lehrerverband

Hält die Schüler in Deutschland im Schnitt nicht für überlastet: Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Foto: Deutscher Lehrerverband

«Schüler lernen bis zu 45 Stunden in der Woche, mehr als viele Erwachsene arbeiten. Ich trete für eine maximale 35-Stunden-Woche ein», sagte Weinberg. Damit sollten die Jugendlichen vor Burnout und Stress geschützt werden. Auch der CDU-Familienpolitiker Martin Patzelt sprach sich für diese Deckelung aus. «Schüler dürften nicht mehr arbeiten als Erwachsene, weil ihre Leistungsfähigkeit auch an die Möglichkeit zu freiem Spiel und zu sozialen Kontakten gebunden ist», sagte der Abgeordnete.

Tatsächlich kommen Schulexperten und Studien immer wieder zu dem Schluss, dass bei Jugendlichen der Schulstress zunimmt. So schlugen im März die Jugendärzte auf ihrem Bundeskongress in Weimar Alarm: Inzwischen würden bei rund 25 Prozent der Kinder und Jugendlichen während ihrer Schulzeit psychische oder psychosomatische Beschwerden festgestellt.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, hält von dem Vorstoß aus Reihen der Union trotzdem nichts. „Das sind Schaufensteräußerungen“, sagte Kraus gegenüber der „Welt“. Schon die Grundlage des Vorschlags sei falsch. Offenbar seien dafür Unterrichtsstunden mit einer Dauer von 45 Minuten mit echten Zeitstunden gleichgesetzt worden. „Mindestens bis zur zehnten Klasse bleibt der normale Schüler unter den 45 Stunden“, sagte Kraus dem Bericht zufolge. Er rechnete vor: Wenn ein Zehntklässler 35 Stunden Unterricht habe, entspreche das 26 Zeitstunden. Kämen dann noch dreimal nachmittags zwei zusätzliche Unterrichtstunden dazu, so würde dies immer noch unter der Zahl von 35 bleiben. Kraus, der ein Gymnasium im bayerischen Vilsbiburg leitet und auch Psychologe ist, warnt: „Wir müssen aufpassen, dass wir in der deutschen Schulpädagogik nicht noch mehr auf Spaßschule und Erleichterungspädagogik setzen.“ Länder wie Japan und China, mit deren Schulsystemen das deutsche letztlich konkurrieren müsse, würden sich amüsieren über das, was in Deutschland als Schulstress definiert werde.

Auch das Fazit vieler Studien, Kinder und Jugendliche würden zunehmend unter dem von der Schule ausgelösten Stress leiden, hält Kraus für irreführend. „Das ist ein Alarmismus, der hier betrieben wird, der unseren Kindern letztlich Stress suggeriert.“ Viel problematischer sei der Freizeitstress, dem viele Schüler ausgesetzt seien. Insbesondere der mediale Stress durch den massiven Gebrauch von elektronischen Geräten sei für die jungen Menschen belastend.

Nach einer Vereinbarung der Kultusministerkonferenz müssen von der fünften Klasse an bis zum Abitur 265 Unterrichts-Wochenstunden erteilt werden. Bei einem achtjährigen Bildungsgang (G8) entspricht dies im Schnitt 33,1 Unterrichtsstunden pro Woche, bei einem neunjährigen Bildungsgang (G9) 29,4. Zwischen den neunten und elften Jahrgangsklassen werden diese Werte jedoch häufig überschritten. News4teachers / mit Material der dpa

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