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Gewalttätige Schüler – Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Schule

WUPPERTAL. Ein 15-jähriger Realschüler aus Wuppertal, der immer wieder jüngere Kinder aus seiner Schule bedroht haben soll, ist wegen Diebstahls und räuberischer Erpressung in mehreren Fällen zu einem vierwöchigen Dauerarrest verurteilt worden. Ihm wurde zudem ein Schulverweis erteilt. Trotzdem hat ein Vater eines anderen Schülers jetzt Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Leitung der betroffenen Realschule erhoben – sie soll zu lange dem Treiben des Jugendlichen und anderer brutaler Schüler tatenlos zugesehen haben. „An der Schule herrscht ein Geist der Gewalt“, so sagte der Vater nun der „Westdeutschen Zeitung“. Sich häufende Berichte aus ganz Deutschland über gewalttätige Schüler legen die Vermutung nahe, dass es sich dabei um keinen Einzelfall handelt.

Zunehmendes Phänomen? Gewalt unter Schülern - Symbolfoto: Martin Büdenbender / pixelio.de

Zunehmendes Phänomen? Gewalt unter Schülern – Symbolfoto: Martin Büdenbender / pixelio.de

Vor dem Jugendschöffengericht habe der bislang nicht vorbestrafte Jugendliche die ihm vorgeworfenen Taten bestritten oder heruntergespielt, heißt es in dem Bericht der „Westdeutschen Zeitung“. Das Gericht habe aber den mutmaßlichen Opfern geglaubt, die als Zeugen auftraten. Laut Anklage soll der 15-Jährige vorwiegend Schüler einer fünften Klasse immer wieder bedrängt und von ihnen Geld oder Essen erpresst haben. Ein Kind soll von dem Angeklagten und zwei Komplizen kopfüber gehalten worden sein, bis dessen Geldbörse zu Boden fiel. Ob und wann der 15-Jährige die Strafe verbüße, sei allerdings offen: Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, berichtet die Zeitung. An die Schule darf er gleichwohl nicht mehr zurückkehren.

Trotzdem listet der Vater in einem zweieinhalb Seiten umfassenden Schreiben an die zuständige Bezirksregierung Düsseldorf auf, wobei die Schule angeblich versagt hat. So seien Erpressungen des 15-Jährigen zwar angezeigt worden. Eine anschließende Aufarbeitung der Taten an der Schule habe es aber nicht gegeben. „Ganz offensichtlich ist es wichtiger, hier den Deckmantel des Schweigens auszubreiten, statt den traumatisierten Schülern ein geeignetes Rüstzeug mitzugeben, um sich künftig gegen solche über Monate währende Übergriffe zu schützen“, heißt es in der Dienstaufsichtsbeschwerde.

Der Vater betont: „Es geht dabei nicht um meinen Sohn, sondern darum, für alle Schüler die Situation zu verbessern.“ Er fragt, warum es an der Schule keine Präventionsarbeit gebe, obwohl sich die Polizei bereit erklärt habe, dabei zu helfen. Außerdem seien von der Polizei Gespräche mit angeblich gewalttätigen Schülern und mutmaßlichen Opfern angeregt worden. Termine habe es aber nicht gegeben. Stattdessen seien die Bedrohungen weitergegangen – ohne Konsequenzen. So sei einem Schüler nach einem erneuten Übergriff verboten worden, an der gemeinsamen Pause teilzunehmen. Dieses Verbot wurde laut Beschwerdbrief aber nicht durchgesetzt.

Während einer Pause habe der Schüler Mitschüler prompt erneut bedroht – ohne dass ein Lehrer eingeschritten sei. Fazit des Beschwerdebriefs, aus dem die „Westdeutsche Zeitung“ zitiert: „Die Kinder der Schule leben in Angst und Schrecken.“ In jüngster Zeit wurden bundesweit immer wieder Angriffe von Schülern auf Lehrer bekannt. So verlor in Mecklenburg-Vorpommern ein 14-Jähriger bei einem Streitschlichtungsgespräch die Nerven und trat seine Lehrerin zu Boden.

Gibt es eine wachsende Gruppe von Schülern, die Probleme bereiten – bis hin zu Gewalt? Gerhard Froneck, seit 35 Jahren Leiter einer Förderschule für soziale und emotionale Entwicklung des nordrhein-westfälischen Kreises Herford, sieht in einem Gespräch mit der „Neuen Westfälischen“ durchaus Anzeichen für eine solche Entwicklung. „Wir haben hier an der Schule immer mehr Schüler mit seelischen Problemen. Die Ansprechbarkeit der Schüler hat sich verändert. Wir müssen von der Zuwendung und dem Mutmachen her noch mehr auf die Schüler zugehen“, sagt er. Warum? Froneck: „Das hängt mit gesellschaftlichen Veränderungen zusammen. Das Familienleben, die Mediennutzung und die Bedürfnisse haben sich verändert.“ Vor allem Jungen würden dabei auffällig. „Jungen, die Probleme haben, steuern das in ihrer Außendarstellung häufig mit Wut und Aggression. Sie sind extrovertierter. Sie reagieren heftiger als Mädchen. Die ziehen sich bei Problemen in sich zurück“, erklärt der Schulleiter. News4teachers

Zum Bericht:  Schülergewalt: 14-jähriger tritt Lehrerin ins Krankenhaus

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3 Kommentare

  1. Ein offenkundig kompletter Versager in Sachen Kindererziehung stellte eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Schule! Ganz toll!

  2. Die Schule soll es richten, wenn die Erzeuger der Kinder nicht in der Lage sind diesen eine angemessene Erziehung zu kommen zu lassen. Dabei heißt es doch so schön, Erzeihung beginnt bereits im Elternhaus.
    Küstenfuchs und storb, ich gebe Ihnen recht.

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