Startseite ::: Nachrichten ::: „Nicht zurück zu G9!“: Zöllner und andere Ex-Kultusminister appellieren an die KMK

„Nicht zurück zu G9!“: Zöllner und andere Ex-Kultusminister appellieren an die KMK

BERLIN. Im Streit um die Schulzeitverkürzung im Gymnasium haben namhafte Erziehungswissenschaftler und Ex-Bildungsminister zu mehr Sachlichkeit gemahnt. Eine Rückentwicklung zum neunjährigen Gymnasium (G9) würde den Schulen erneut eine ähnliche Anstrengung abverlangen wie bei der jetzt fast in allen Ländern vollzogenen Umstellung auf einen achtjährigen Bildungsgang bis zum Abitur, heißt es in dem veröffentlichten Aufruf. Der Philologenverband kritisiert die Initiative.

Hat mit unterschrieben: der ehemalige Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD). Foto: Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung

Hat mit unterschrieben: der ehemalige Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD). Foto: Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung

Der Aufruf ist unter anderem von den Bildungsforschern Hermann Avenarius, Jürgen Baumert, Ludwig Huber, Klaus Klemm, Eckhard Klieme, Olaf Köller, Anand Pant, Manfred Prenzel und Klaus-Jürgen Tillmann unterzeichnet sowie von den Ex-Ministern Jan Hendrik Olbertz (Sachsen-Anhalt), Eva Maria Stange (Sachsen), Sybille Volkholz und Jürgen Zöllner (beide Berlin). Der Appell an die KMK trägt zudem die Unterschrift von BDA-Präsident Ingo Kramer,GEW-Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann, Gudrun Wolters-Vogeler, der Vorsitzenden des Allgemeinen Schulleitungsverbandes Deutschland (ASD) und von Rainer Stein-Bastuck, dem Vorsitzenden der Bundesdirektorenkonferenz der Gymnasien. Eine Rolle rückwärts würde auf Kosten von Unterricht und Schulleben gehen, hieß es. Gleichzeitig entstünden auf Dauer in den Ländern unterschiedlich strukturierte Gymnasien, was die Mobilität innerhalb der Bundesrepublik weiter erschweren würde.

In fast allen West-Bundesländern setzen sich derzeit Elterninitiativen vehement für eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium ein. Beklagt wird von den Initiatoren eine Überanstrengung der Kinder, lange Unterrichtszeiten und das Fehlen von individueller Freizeit für musische, sportliche und soziale Aktivitäten außerhalb der Schule. In Hamburg hat die Initiative «G9-Jetzt-HH» einen Antrag auf ein Volksbegehren gestellt, das am 18. September beginnen soll. „Die Debatte ist emotional aufgeladen, von Schuldzuweisungen geprägt und nicht immer sachlich“, so heißt es in dem Aufruf. Und: „Auffällig ist, dass es die o.g. Kritikpunkte in den neuen Bundesländern, in denen seit Jahrzehnten das Abitur nach 12 Schuljahren abgelegt wird und in Berlin kaum gibt.“

Weiter: Die Unterzeichner bitten die Kultusministerkonferenz (KMK) um Prüfung, ob nicht die notwendigen bundesweiten Pflicht-Unterrichtsstunden bis zum Abitur von 265 auf 260 gesenkt werden können. Dies würde bei den verkürzten achtjährigen gymnasialen Bildungsgängen vor allem den Umfang der Stundenzahl in der Mittelstufe reduzieren und weniger Nachmittagsunterricht erfordern. „Die durch die Reduzierung des Pflichtunterrichts frei werdenden Ressourcen müssten in den Schulen bleiben und könnten für individuelle Angebote genutzt werden, um die zunehmend heterogene Schülerschaft der Gymnasien zu fördern und herauszufordern“, so schreiben die Autoren.

Vom Philologenverband kam Kritik. Eine erneute Reduzierung der Pflichtstunden bis zum Abitur würde zu weiteren Qualitätseinbußen führen, sagte der Vorsitzende des Gymnasiallehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, am Dienstag. Schon heute zähle Deutschland zu den Staaten, die ihren Abiturienten den wenigsten Unterricht böten, nämlich rund 9.400 Vollzeitstunden – gegenüber einem Mittel in den OECD-Industriestaaten von 11.500 Vollzeitstunden. Untersuchungen hätten gezeigt, dass Unterrichtszeit und Kompetenzerwerb sehr wohl in einem Zusammenhang stünden, sagte Meidinger. Leider zeige der Aufruf, dass nicht wenige G8-Befürworter bereit seien, im Zweifel auch an der Qualität zu kürzen, um eine Rückkehr zu G9 zu verhindern.

Als erstes Bundesland will Niedersachsen zum neunjährigen Gymnasium als Regelform zurückkehren. In Hessen besteht inzwischen weitgehend Wahlfreiheit zwischen G8 und G9. Nordrhein-Westfalen hat nach einem „Runden  Tisch“ mit Verbänden und Gruppen eine Rückkehr zu G8 abgelehnt – vorerst. News4teachers / mit Material der dpa

Hier geht es zu dem Appell.

Ein Kommentar

  1. Die Macher von G8 wollen die Rückkehr zu G9 verhindern, das ist verständlich. Vermutlich haben sie auch keine Kinder mehr im Gymnasium.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*