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SPD hält an Reform der Lehrerausbildung fest

KIEL. Es gebe zwar noch Klärungsbedarf bei der künftigen Lehrerbesoldung räumt SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat ein, „das müssen wir allerdings in der kommenden Woche aber noch nicht abschließend entscheiden“.

Die SPD will trotz Kritik an den wesentlichen Punkten der geplanten Reform der Lehrerausbildung in Schleswig-Holstein festhalten. «Ich habe den Eindruck, dass an dieses Gesetz höhere Ansprüche gestellt werden als an andere Gesetze», sagte der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat. Das hänge auch mit der Frage zusammen, wie die Opposition mit Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) umgehe. Sie steht seit Monaten in der Kritik.

Das dreigliedrige Schulsystem sei überwunden sagt der stellvertretende SPD-Landtagsfraktionsvorsitzende Martin Habersaat. Foto: Gerd Seidel (Rob Irgendwer) / Wikimedia Commons (CC-BY-SA-3.0)

Das dreigliedrige Schulsystem sei überwunden sagt der stellvertretende SPD-Landtagsfraktionsvorsitzende Martin Habersaat. Foto: Gerd Seidel (Rob Irgendwer) / Wikimedia Commons (CC-BY-SA-3.0)

«Die massive Kritik an dem Lehrerbildungsgesetz hat mich überrascht, weil wir im Schulgesetz im vergangenen Jahr die viel elementareren Entscheidungen getroffen haben», sagte Habersaat. Er hätte die Widerstände deshalb eher damals erwartet. «Wir haben mit Gymnasien und Gemeinschaftsschulen nun zwei Schularten, die ihre Schüler individuell fördern sollen, und beide bis zum Abitur führen können. Deshalb brauchen wir jetzt auch die Lehrer dafür.» Das dreigliedrige Schulsystem sei überwunden.

Gleichwohl planten die Regierungsfraktionen in mehreren Punkten Nachbesserungen am Gesetzentwurf, sagte Habersaat. «Mit der Einführung des Sekundarlehrers in Flensburg und Kiel sind noch ein paar offene Fragen verbunden, wo wir nachbessern müssen.» Dabei gehe es beispielsweise um Organisation des Praxissemesters und die Frage, ob es einen Fahrkostenzuschuss für die Studenten gibt. «Da wird es gute Lösungen geben.»

Bei der geforderten Verdopplung der Stundenzahl für die Betreuung der Praxissemestler seien die Fraktionen noch nicht schlüssig. «Die sind 10, 11 Wochen an der Schule und nicht wie Referendare anderthalb Jahre am Stück», sagte Habersaat. In diesen Wochen sei die Belastung für die Betreuungslehrkraft zwar dieselbe wie bei einem Referendar. «Aber danach ist die Belastung wochenlang weg und die Entlastungs-Halbestunde gibt es weiter.»

In einer ganztägigen Sitzung des Bildungsausschusses hatten Vertreter von Hochschulen und Verbänden sowie der Landesrechnungshof auf Mängel am aktuellen Gesetzentwurf hingewiesen. Nach dem Willen von SPD, Grünen und SSW soll die Reform bereits im Juli im Landtag beschlossen werden. «Ich glaube, man muss das jetzt entscheiden», sagte Habersaat.

Die Universität Flensburg hatte im Ausschuss gewarnt, bei der Reform auf Zeit zu spielen. Die Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) drang dagegen auf eine Verschiebung und regte eine Expertenkommission an. Das von der CAU gewünschte Gremium, das ein Auge auf die Lehrerbildung in Schleswig-Holstein wirft, kann sich Habersaat vorstellen.

«Eine Abkehr vom Sekundarlehrer-Modell halte ich für unvorstellbar», sagte Habersaat. Auf Kritik am Wechsel vom drei- auf das zweigliedrige Schulsystem vom Philologenverband könne die Koalition nicht eingehen. Als Gegenbeispiel nannte der Bildungspolitiker die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft: «Die unterstützen Gesetzentwurf und Zeitplan.»

Kritik an der Reform kommt auch vom Rechnungshof, der das Gesetz für nicht wirtschaftlich hält und vor der Schaffung teurer Doppelstrukturen in Kiel und Flensburg warnt. «Für mich hat das Ministerium plausibel vorgerechnet, warum das in Flensburg hinhaut», sagte Habersaat. Gleichwohl müssten die Fraktionen noch auf die Rechnungshof-Kritik reagieren. Klärungsbedarf bestehe auch noch bei der künftigen Lehrerbesoldung. «Das müssen wir allerdings in der kommenden Woche aber noch nicht abschließend entscheiden. Für den Handlungsdruck hier ist auch nicht der Gesetzentwurf ursächlich.»

Als betrüblich bezeichnete Habersaat Drohungen der Universitäten, die Kooperation einzustellen. «So groß ist Schleswig-Holstein nun nicht, dass wir es gegeneinander schaffen können. Die Konkurrenz liegt außerhalb des Landes.» (dpa)

zum Bericht: Bringt die Reform Einkommenseinbußen für tausend Lehrer in Schleswig-Holstein?

Ein Kommentar

  1. Herr Habersat irrt: das Ministerium hat bis heute keine plausible Kostenrechnung vorgelegt. Vor allem sind die Folgekosten wie Einrichtung der Fachlabore noch gar nicht berücksichtigt. Der besondere Weg der Küstenkoalition wird dazu führen, dass junge Lehrer Schleswig-Holstein meiden. Wenn andere Bundesländer verlässlichere Bedingungen bieten als Schleswig-Holstein, wird sich der jetzt schon dramatische Lehrermangel weiter verstärken.

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