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Studie: Coole Teenager haben es später oft schwerer

CHARLOTTESVILLE. Cool-Sein im Teenageralter zahlt sich nicht immer aus. Das legt zumindest eine aktuelle Studie der Universität in Virginia in den USA nahe. Demnach haben Jugendliche, die in jungen Jahren als cool galten, später größere Probleme als ihre uncoolen Mitschüler. Im Alter von 23 Jahren hatten die Probanden mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Alkohol- oder Drogenprobleme, waren kriminell und in der Wahrnehmung anderer sozial weniger kompetent.

Die Wissenschaftler untersuchten über einen Zeitraum von zehn Jahren 184 Jugendliche. Die Daten stammen sowohl aus Befragungen der Teenager selbst, als auch von deren Freunden und Eltern. Als cool galten vor allem die 13-Jährigen, die früh eine Beziehung hatten, sich durch kleine kriminelle Handlungen hervortaten oder mit attraktiven Gleichaltrigen rumhingen. Mit 23 Jahren war von diesem coolen Status nicht mehr viel übrig.

Jeder 50. Jugendliche konsumiert regelmäßig Drogen, vor allem Cannabis. Foto: icanteachyouhowtodoit / flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Coolsein im Teenageralter ist ein kurzes Vergnügen, sagen die Forscher. Foto: icanteachyouhowtodoit / flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Die Forscher vermuten, dass die Jugendlichen über die Jahre ein immer extremeres Verhalten entwickelten, um weiterhin anerkannt zu bleiben. In der Folge gerieten sie stärker mit dem Gesetz in Konflikt und konsumierten mehr Alkohol oder Drogen als andere Teenager, die unter weniger Druck standen. dpa

14 Kommentare

  1. Schön, dass bestätigt wird, was man sich denken kann.

    Zweifelhaft scheint höchstens, ob es nötig ist, ein „immer extremeres Verhalten“ an den Tag zu legen, um in Schwierigkeiten zu kommen.

    In der Regel dürfte es reichen, älter zu werden. Manche Dinge, die man einem 12- oder 13-jährigen mehr oder weniger nachsieht oder die hier weitgehend folgenlos bleiben (Beleidigungen, körperliche Auseinandersetzungen, Sachbeschädigungen) bleiben mit 20 eben nicht folgenlos. Und wo der Faustschlag eines 12-jährigen oder das betrunkene Radfahren vielleicht relativ harmlos sind, gilt das für den Faustschlag eines 25-jährigen oder betrunkenes Autofahren nicht. Wie es auch einen Unterschied macht, ständig zu spät zur Schule oder ständig zu spät zum Arbeitsplatz zu kommen.

  2. Da kann ich Strob nur zustimmen. Ich sehe zusätzlich einen weiteren Aspekt, der ebenfalls in die Richtung geht: Derjenige, dem die Anerkennung immer in den Schoß gefallen ist, der musste sich nie mit sich selbst auseinandersetzen und hat auch nicht gelernt, dass man sich Dinge erarbeiten muss.
    Ein Klassentreffen vor vielen Jahren hat mir das deutlich vor Augen geführt: Die Mitschüler, die damals beliebt waren und deshalb eine führende Rolle einnahmen, versuchten sich in dem Treffen ungefragt mit dem, was sie alles „Tolles“ machen, hervorzutun, was ihnen einen unsympathischen Touch verlieh. Diejenigen, die bescheiden waren, sind auffallend angenehme und selbstbewusste Persönlichkeiten geworden.

  3. mehrnachdenken

    Für mich sind junge Menschen „cool“, wenn sie nicht jedem Trend hinterlaufen, sondern trotz vermeintlicher oder tasächlicher Nachteile (z.B. „Freunde“ verlieren) auch „Nein“ sagen können.

    • Nein, Sie wollen, dass junge Leute nicht jedem Trend hinterherlaufen und deshalb sagen Sie, dass Sie solche jungen Leute cool finden, die das nicht tun, weil Sie wissen, dass junge Leute gerne cool sind. Das ist alles und ein kleiner, aber feiner Unterschied.

      • Sehr gut!

      • mehrnachdenken

        Tatsächlich, wollen jungen Menschen immer „cool“ sein? Das sehe ich aber ganz anders!
        Laufen nicht eher die fast jedem noch so absurden Trend unkritisch hinterher, die
        meinen, sonst nicht dazu zu gehören?
        Starke junge Menschen haben das überhaupt nicht nötig, weil sie ihr Selbstbewusstsein eben nicht aus so fragwürdigen Aktivitäten ziehen wie „kleinen kiminellen Handlungen“, excessivem Alkoholmissbrauch, frühen Beziehungen, immer nach dem neuesten „Schick“ gekleidet usw., sondern sie lernen z.B. im Elternhaus, in Jugendgruppen wie den Pfadfindern, Sportvereinen oder in Umweltverbänden, dass es ganz andere Werte gibt, die ihnen den nötigen Halt und eine große Ich-Stärke geben.

        • Bei allem Respekt – aber man merkt, dass Sie dem Teenager-Alter doch schon etwas entrückt sind.

          • Begründen statt behaupten wäre besser.
            Außerdem fühle mich von Ihrem „man merkt“ bevormundet. Wenn Sie eine persönliche Empfindung mitteilen wollen, dann sprechen Sie doch bitte in der Ich-Form und nicht für die Allgemeinheit.

        • mehrnachdenken

          @Heike
          Leider befindet sich „storb“ mit seinem „man“ in bester Gesellschaft. Darüber gab es hier mal einen interessanten Meinungsaustausch.

          In der Sache stimme ich Ihnen zu. Ich warte auch auf Argumente von „storb“ und „jagothello“ und „malun“ bittet „sofawolf“ den „kleinen, aber feinen Unterschied“ zu erläutern.

          Grundsätzlich wird es bei diesem Thema ganz bestimmt unterschiedliche Sichtweisen geben.

          • @mehrnachdenken
            Dann werde ich einmal eine Interpretation versuchen:
            Es gab Zeiten, da war es cool, als Jugendlicher und junger Erwachsener gegen den Trend zu schwimmen.
            Heute ist gerade anders herum. Wenn man gewisse Dinge/Trends nicht mitmacht, hat man wesentlich mehr Probleme bei den Gleichaltrigen anerkannt zu werden. Das Wichtigste ist immer die Anerkennung von Gleichaltrigen.
            Mitarbeit in Verbänden hat nicht mehr den Anerkennungswert, den er einmal hatte. Insgesamt hat der sozial engagierte „Gutmensch“ kaum einen Stellenwert mehr. Übernehmen Jugendliche einmal Verantwortung in Sportvereinen, haben sie oft mit aufmüpfigen Eltern zu kämpfen und verlieren die Lust. Viele Verbände haben schpon seit geraumer Zeit Nachwuchsprobleme.
            Ich finde es eh schwierig hier über ein Jugendproblem zu diskutieren ohne dass die Betroffenen sich selbst äußern. Wir Älteren sind einfach nicht mehr genug in der Situation bzw. hatten, als wir selbst in dem Alter waren, ganz andere Lebensumstände. Ich selbst kann es nur von dem her sehen, wie ich es als Elternteil beobachte.

          • Sie können Ihr Wunschdenken bemänteln, wie Sie möchten. „Argumente“ oder „Begründungen“ haben Sie ja nun leider auch nicht anzubieten. Sätze wie „Starke junge Menschen haben das überhaupt nicht nötig, weil sie ihr Selbstbewusstsein eben nicht aus so fragwürdigen Aktivitäten ziehen“ sind rein normative Sätze, die keinerlei Entsprechung in irgendeiner Empirie haben.

            Nach einer neuesten Studie begehen 84% der männlichen Jugendlichen kleinkriminelle Handlungen. Schon allein diese Zahl dürfte zeigen, dass Ihre Diagnosen realitätsfern sind.

            http://www1.wdr.de/themen/politik/jugendkriminalitaet100.html

          • mehrnachdenken

            @storb
            Ich habe hier nichts „diagnostiert“, sondern lediglich formuliert, was ich unter „coolen“ jungen Menschen verstehe. Dass es sie Gott sei Dank auch heute noch gibt, entspricht nicht meinem „Wunschdenken“, sondern realen Erfahrungen und Kontakten zu jungen Menschen. Dafür benötige ich keine „Empirie“. Mögliche Gründe für das abweichende Verhalten entnehme ich aus den Gesprächen mit dieser Zielgruppe.

  4. Den feinen Unterschied sehe ich nicht. Können Sie ihn näher erklären?

  5. Irgendwie verwundert mich das nicht. Rückblickend war ich wohl eher einer der uncoolen Fraktion in meiner Klasse. Ich hatte erst sehr spät meine erste Freundin und wenn man sich nicht durch die teuersten Markenklamotten oder Partyexzesse hervorgetan hat, hatte man es schon schwer bei den „Coolen“. Dazu würde ich auch das Thema Alkohol zählen:
    http://www.elternwissen.com/pubertaet/erziehung/art/tipp/drogen-in-der-pubertaet-so-schuetzen-sie-ihr-kind.html
    Trotzdem strebt man immer in deren Richtung und würde gerne „dazu“ gehören.

    Und hier liegt genau der Schlüssel zu dieser These: Ich glaube, dass man dieses „Uncool sein“ ständig im Hinterkopf hat und sich sagt: „Wartet nur ab, ich werde schon ncoh Erfolg haben“. Man versucht dann auf seinem weiteren Lebensweg dieses Defizit auszugleichen durch beruflichen Erfolg.

    Meine zweite Theorie wäre, dass im späteren Leben andere Dinge als „Cool“ gelten und es eher um eine solide Ausbildung und Geld verdienen geht. Da wirkt mancher coole Teenager von damals mehr wie ein zurückgebliebener Berufsjugendlicher. Auf jeden Fall ein spannendes Thema.

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