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Einmal komplett den Rhein herunter: Ein Chemie-Professor geht schwimmen

KEHL. Ein Chemie-Professor will den Rhein auf mehr als 1230 Flusskilometern durchschwimmen – und das, um an seiner Hochschule ein Analyse-Gerät anschaffen zu können. Wer ist dieser Mann?

Chemie-Professor - und guter Schwimmer: Andreas Fath, Foto: Hochschule Furtwangen, Projekt Rheines Wasser.

Chemie-Professor – und guter Schwimmer: Andreas Fath, Foto: Hochschule Furtwangen, Projekt Rheines Wasser.

Erst, als Andreas Fath seinen Neopren-Anzug überstreift und ins kühle Rheinwasser springt, scheint die Hektik von ihm abzufallen. Eben noch klingelte sein Handy, er antwortete auf SMS, erzählte nebenbei von seinem anstehenden Projekt: «Ich bin der Lachs, der guckt, ob er bis nach Rotterdam kommt», sagt der 49-Jährige bei einem Treffen im badischen Kehl am Rhein. Vom morgigen Montag an (28.7.) will er durch den Fluss schwimmen und von der Quelle in der Schweiz bis zur Mündung in den Niederlanden mehr als 1230 Kilometer hinter sich bringen. Und das, obwohl er als Chemie-Professor und dreifacher Vater genug um die Ohren hat.

«Verrückt eigentlich. Ich würde das nicht machen», habe Fath noch vor sieben Jahren gesagt, als er beim Zürichsee-Schwimmen mitmachte. Während damals einige Teilnehmer die lange Strecke von mehr als 26 Kilometern zurücklegten, schwamm er mit Freunden die Staffel. «Das ganze Jahr hat es mich beschäftigt, dass man die Strecke auch alleine schaffen kann», erinnert sich Fath. Auf den letzten Drücker habe er sich dann für das Marathonschwimmen im Folgejahr 2008 angemeldet. «Und festgestellt, dass man im Wasser reisen kann.»

Wettkampf- oder Rekordgedanken sind es diesmal nicht, die den leistungsorientierten aber zurückhaltenden Mann antreiben, sich rund vier Wochen zwischen Fischen, Felsen im Wildwasser und krautigen Algen bewegen zu wollen. «Ein Auslöser war die Finanzsituation an der Hochschule», berichtet Fath. Seit 2011 ist er Professor für Chemie und Analytik an der Hochschule Furtwangen in Baden-Württemberg.

Seinen Fachbereich voranbringen – das ist eine Herzensangelegenheit des Chemikers. Um ein Analyse-Großgerät anzuschaffen, fehlen jedoch die Mittel. Faths «real-life-project» soll Sponsoren aufmerksam machen und Geld in die Hochschulkasse bringen – immerhin geht es um 100 000 Euro. Fundraising, Sponsoring und Marketing – das sind längst keine Fremdwörter mehr im Wissenschaftsbetrieb. Aufgrund der knapp bemessenen Grundfinanzierung überlegen sich auch andere Hochschulen Strategien, um an alternative Geldquellen zu kommen.

Allerdings dürfte keine Aktion so waghalsig sein wie Faths Vorhaben: Um sein Ziel in 25 Etappen zu erreichen, trainiert der Extremsportler am Rande des Uni-Betriebs täglich ein bis zwei Stunden im Freibad in der Kleinstadt Haslach im Kinzigtal (Schwarzwald), wo er mit seiner Familie wohnt. Die hat Verständnis: Faths Söhne bestreiten ebenfalls Wettkämpfe, seine Frau lernte der Chemiker beim Schwimmen kennen.

Doch Fath wäre nicht Wissenschaftler, wenn er neben der sportlichen Herausforderung im Rhein nicht auch forschen wollen würde. Gemeinsam mit einigen Studenten will er auf der Tour täglich Wasserproben entnehmen, um sie etwa auf Hormone, Drogen und Schwermetalle zu untersuchen. Schließlich habe der Chemiker als Student selbst erlebt, dass er sich Dinge am besten merken könne, die er sich nicht kurzfristig einverleiben müsse: «Die geistige Erkenntnis bleibt nur, wenn sie auch mit Emotionen verbunden ist.» dpa

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