Startseite ::: Praxis ::: “Jude” ist wieder ein Schimpfwort – auch auf deutschen Schulhöfen

“Jude” ist wieder ein Schimpfwort – auch auf deutschen Schulhöfen

BERLIN. Der aktuelle Gaza-Konflikt befeuert Antisemitismus in Deutschland, sagt der Vorsitzende des Zentralrats der Juden Dieter Graumann. In einem Interview mit der Düsseldorfer Zeitung “Rheinische Post” klagt er, dass das Wort “Jude” unter anderem auf deutschen Schulhöfen wieder als Schimpfwort benutzt werde.

Die Rede ist von Wucherern, Kindermördern und der großen Weltverschwörung: Auch nach Einschätzung  der Antisemitismus-Forscherin Monika Schwarz-Friesel haben judenfeindliche Äußerungen ein neues Ausmaß erreicht: «Wir beobachten im Internet eine riesige Flut antisemitischen Schreibens», sagte die Wissenschaftlerin von der Technischen Universität Berlin. Gerade ist unter ihrer Leitung ein Forschungsprojekt angelaufen, in dem moderne antisemitische Sprache in sozialen Medien, Online-Kommentarspalten, Chats und Foren untersucht wird.

„Wir müssen den Schülern zeigen, dass das jüdische Leben in Deutschland auch vor 1933 und nach 1945 stattgefunden hat": Die "Neue Synagoge" in Berlin. Foto: Daniel Ad/Flickr (CC BY-SA 2.0)

Juden kämpfen gegen neue und alte Stereotype – hier eines der Gotteshäuser der Berliner Juden, die “Neue Synagoge” in Berlin. Foto: Daniel Ad/Flickr (CC BY-SA 2.0)

«Als antisemitisch bezeichnen wir Äußerungen, die auf alte Stereotype zurückgehen», erläuterte Schwarz-Friesel. Ziel des Projekts ist nicht nur eine quantitative Auswertung: «Wir wollen zum Beispiel auch die Dynamiken beobachten, die auf einzelne Kommentare hin entstehen.» In einem früheren Projekt haben Schwarz-Friesel und ein US-Historiker rund 14 000 Zuschriften an den Zentralrat der Juden und die Israelische Botschaft in Berlin ausgewertet.

«Der Hass auf Israel vereint Schreiber aller Schichten», bilanziert die Wissenschaftlerin. Ein Großteil von ihnen entstamme der politischen Mitte und agiere mit vollem Namen. «Drei Prozent der Zuschriften waren anonym und kamen aus der rechtsradikalen Szene.» Typischerweise werde aktueller Antisemitismus als Problem geleugnet. nin mit dpa

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*