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Lernstandserhebungen: Achtklässler im Ruhrgebiet abgeschlagen

DÜSSELDORF. Besonders in Mathe, Englisch und Deutsch liegen die Leistungen von Schülern im Ruhrgebiet deutlich unter denen von Gleichaltrigen im Rest von Nordrhein-Westfalen. Dies ergab die Antwort der Regierung auf eine kleine Anfrage der FDP.

Achtklässler im Ruhrgebiet bleiben bei schulischen Leistungen hinter dem NRW-Durchschnitt zurück. Das geht aus einem Vergleich der aktuellen Ergebnisse der Lernstandserhebungen hervor, über den am Donnerstag die «Westdeutsche Allgemeine Zeitung» berichtete. Auskunft über die noch nicht flächendeckend veröffentlichten Daten hatte das NRW-Bildungsministerium aufgrund einer Kleinen Anfrage eines FDP-Abgeordneten gegeben. In den überprüften Fächern Deutsch, Englisch und Mathe gibt es den Daten zufolge an Schulen im Gebiet des Regionalverbandes Ruhr mehr Schüler der achten Jahrgangsstufe mit geringen Kompetenzen als im Landesschnitt.

Symbolisiert das Ruhrgebiet: die Zeche Zollverein in Essen. Foto: ups1974 / Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Symbolisiert das Ruhrgebiet: die Zeche Zollverein in Essen. Foto: ups1974 / Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Für die Lernstandserhebung werden einmal im Jahr schulübergreifend in standardisierten Tests die Leistungen von Schülern in der 8. Klasse abgefragt. Besonders deutlich ist der Unterschied bei den Fähigkeiten in deutscher Sprache: 28 Prozent der getesteten Ruhrgebietsschüler verharren auf unterstem Kompetenzniveau, landesweit sind es nur 20 Prozent. Auf dieser Stufe werden lediglich sehr einfache Fähigkeiten verlangt.

Auch in Mathematik hinkt das Ruhrgebiet hinterher: Während 25 Prozent der Achtklässler landesweit nicht in der Lage sind ein höheres Niveau als Stufe 1 zu erreichen, sind es im Ruhrgebiet 31 Prozent. Umgekehrt gibt es in den Fächern Deutsch und Mathematik landesweit mehr sehr gute Schüler, als in den Ruhrgebietsstädten und -kreisen. Auch in Englisch sind Defizite vergleichsweise häufig (4 Prozentpunkte Unterschied beim Leseverstehen, 2 Prozentpunkte beim Hörverstehen).

«Das unterstreicht den klaren Auftrag, weiter daran zu arbeiten, den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg weiter zu verringern», sagte ein Sprecher des NRW-Schulministeriums. So unterstütze die Landesregierung Schulen bereits jetzt mit zusätzlichen Stellen zur Integrations- und Sprachförderung. Auch der Ausbau von Ganztagsschulen diene dem Ziel, Schüler landesweit zu besseren Abschlüssen zu führen.

Die Erhebung soll Lehrern dabei helfen zu überprüfen, wo ihre Schüler gemessen an bundesweiten Standards stehen, erläuterte der Sprecher. «Es ist kein Instrument, dass einem regionalen Ranking dienen soll», betonte er. Folglich habe das Ministerium über die FDP-Anfrage hinaus keine Vergleichswerte zu weiteren Regionen vorliegen. (dpa)

zum Bericht: Wissenschaftler zweifeln am „Armenhaus“ Ruhrgebiet

Lernstandserhebungen 2013 (pdf)
Kleine Anfrage von Ingo Wolf (FDP)

7 Kommentare

  1. Ach – es liegt also an der sozialen herkunft der Schüler. Gut zu wissen, dass die infrastrukturellen Verhältnisse wie sie zum Beispiel in Monheim oder Delbrück geboten werden mit denen in DU-Marxloh oder GE-Buir vergleichbar sind. Es liegt also nur am familiären Background der Schülerschaft und nicht an den sozio-ökonomischen Bedingungen der Region.

  2. Trotzdem finde ich das ziemlich heftig, besonders weil die Aufgaben für die Hauptschulen noch anders, sprich einfacher, sind als für die Gymnasien, und das höchste Lernstandsniveau 5 bzw. 5+ umgerechnet bereits einer 2 oder 2- in den Klassenarbeiten entspricht (Schulform Gymnasium an meiner Schule, gemessen an der Prozentzahl der richtig gelösten Aufgaben und dem normalen Notenschema). Meine Umrechnung in eine Note gibt höchstens eine Größenordnung wieder, aber nach Abgabe der Aufgaben wollen die Schüler ihr Ergebnis ja irgendwie einordnen. Mit diesen Kompetenzen können sie deutlich weniger anfangen als mit Noten.

  3. Willkommen in der realität. An Hauptschulen im Ruhrgebiet gibt es Klassen mit maximal 1 bis 2 „deutschen“ Schülern. Um die 90% Schüler mit Zuwanderungsgeschichte sind keine Seltenheit. Selbst an gymnasien liegt die Quote von SuS mit Zuwanderungsgeschichte bei 40%.

    In Dortmund und Duisburg leben eben auch viele Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien, deren ergebnisse gehen eben mit in die Ergebnisse der lLrnstandserhebungen ein. Inwieweit Standorttyp 5 bei Gymnasien und Hauptschulen überhaupt vergleichbar ist, frage ich mich allerdings.

    • Sie meinen wohl auch Lernstandsniveau 5 und nicht Standorttyp. Direkt miteinander vergleichbar sind sie natürlich nicht, jedoch relativ gehört Niveau 5 zu den besten der jeweiligen Schulform. Niveau 3 ist an meiner Schule (Gymnasium) schon die Ausnahme, 1 und 2 kamen überhaupt nicht vor.

      Wenn die Zuwanderungsgeschichte Ostasien zuzuordnen wäre, dann sähe die Sache anders aus. Die haben im Gegensatz zur osteuropäischen Zuwanderungsgeschichte bereits in frühester Kindheit das Lernen als wichtiges Kulturgut anerzogen bekommen und in der Gesellschaft ein ganz anderes, sprich deutlich positiveres Ansehen.

      Trotzdem würden mich die um jegliche Zuwanderungsgeschichte bereinigten Ergebnisse interessieren.

      • Ich meine tatsächlich den Standorttyp und nicht das Lernstandsniveau. Wie soll den im Standorttyp 5 (sozialer Brennpunkt) ein hohes Lernstandsniveau heranwachsen, vor allem wenn die Zeiten entschuldigten und unentschuldigten Fehlens größer sind als die Präsenszeit. Gibt es überhaupt Gymnasien des Standortyps 5?

        • Wir haben wohl die ganze Zeit aneinander vorbei geschrieben.

          Ich kenne beim Gymnasium (NRW) nur zwei Standorttypen, vereinfacht wird nach Großstadt und keine Großstadt getrennt. Beim Lernstandsniveau geht es von 1 (gruselig) bis 5 (gut und sehr gut) für D/Eng bzw. 5+ (gut und sehr gut) für Ma, wobei ich Niveau 1;2 nie und 3 nur vereinzelt erlebt habe.

  4. Die Definition kann nicht stimmen. Die Stantorttypisierung erfolgt über das Wohnumfeld.

    Typ 5: sozialer Brennpunkt, hohe Anzahl von Transferleistungsempfängern;
    Typ 4: einfache Wohngegend, überwieegnd Arbeiterquartiere, untere Mittelschicht;
    Typ 3: gemischte Wohngegend, überwiegend kleinere Angestellte;
    Typ 2: bürgerliche Wohngegend, obere Mittelschicht;
    Typ 1: Villengegend, Nobelvorort.

    Das hat absolut nichts mit Kompetenzniveaus zu tun, es geht lediglich um das wirtschaftliche Umfeld einer Schule – also die durchschnittlichen Lebensbedingungen im Einzugsgebietes der Schule.

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