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Musikhochschulen im Protest gegen grün-rote Sparpolitik vereint

KARLSRUHE. Die baden-württembergischen Musikhochschulen bleiben bei ihrer Ablehnung der grün-roten Rotstiftpolitik. Wissenschaftsministerin Bauer würdigt die fünf Fachkonferenzen seit Februar, in denen neue Wege der Musikausbildung erkundet wurden, als fruchtbaren Prozess. Jetzt wird sich zeigen, ob es für die Hochschulen zwischen Mannheim und Trossingen auch das nötige Geld vom Land gibt: Der Landtag hat nun das Wort.

Auf dem Programm stehen geplante Einsparungen von vier bis fünf Millionen Euro an den fünf Musikhochschulen in Baden-Württemberg. Kritisch hören Katharina Jäckle, Florence Awotula und Joss Reinicke den Worten von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) zu: «Zum Kernangebot jeder Musikhochschule soll die Orchesterausbildung gehören.» Da applaudieren die drei Studierenden aus Trossingen und Freiburg. Sie sind nach Karlsruhe gekommen, in Sorge um ihr Studium, um ihre berufliche Zukunft.

«Vor einem Jahr hatten wir Angst, dass eine der fünf Hochschulen ganz dichtgemacht werden könnte», sagt die Trossinger Studentin Katharina Jäckle. «Das ist inzwischen vom Tisch. Aber wir befürchten, dass durch eine enge Profilierung nur noch bestimmte Studiengänge angeboten werden.»

Was ist Kernbereich, was soll zum speziellen Profil einer Hochschule gehören? Diese Fragen stehen im Zentrum des fünften Symposiums zur Zukunft der Musikhochschulen. Die Fachkonferenzen wurden beschlossen, nachdem es vor einem Jahr großen Wirbel um Empfehlungen des Rechnungshofs und Sparbeschlüsse der grün-roten Landesregierung gab. Jetzt loben alle Beteiligten artig den bundesweit beispielhaften Prozess dieser fünf Symposien, die sich auch grundsätzlichen Fragen nach der gesellschaftlichen Bedeutung von künstlerischer und pädagogischer Musikausbildung stellten.

Die Stuttgarter Streichvorgaben stürzten die fünf Hochschulen zunächst in einen heftigen Streit, der jetzt behoben ist. Gemeinsam haben sie ein Konzept erstellt, das den Vorstellungen des Wissenschaftsministeriums entgegen kommt: Klare Profile und Schwerpunkte, mehr Zusammenarbeit der Hochschulen, auch mit der Popakademie in Mannheim, die sowohl aus staatlichen als auch aus privaten Mitteln finanziert wird.

Der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz, der Karlsruher Professor Hartmut Höll, geht am Montag betont taktvoll mit Ministerin Bauer um, wird in der Sache sehr nachdrücklich: «Die Sparforderung von vier bis fünf Millionen ist nicht einzulösen, diese Sparforderung muss vom Tisch!»  Es sei ja nicht so, dass der Gesamtetat der fünf Hochschulen mit 43 Millionen Euro besonders üppig ausgelegt wäre, erklärt Höll. Allein die Kölner Musikhochschule habe 42 Millionen zur Verfügung. Die Umsetzung der Sparbeschlüsse würde bedeuten, dass die Hochschulen kaputt gespart und in Deutschland wie international an den Rand gedrängt würden.

Die fünf Symposien haben seit Februar haben vor allem eines deutlich gemacht: Musik erfüllt vielfältige gesellschaftliche Aufgaben und lässt sich nicht auf den Bedarf an Orchesterstellen reduzieren. Ministerin Bauer würdigt am Montag die Aufgaben der Musikpädagogik, die traditionell eher im Schatten der künstlerischen Ausbildung stand. Sie hebt die Bedeutung der Amateurmusik hervor und fordert, dass die Musik von Einwandererkulturen stärker in den Blick zu nehmen sei als bisher. Aber dann kommt die Ministerin doch wieder auf zweckorientierte Bedarfsausbildung zu sprechen: «Angesichts der immer kleiner werden Zahl von Orchesterstellen müssen wir die steigende Zahl von Absolventen hinterfragen.»

Jetzt schütteln die Asta-Vertreter den Kopf. Den Studierenden ist klar, dass sie keine Stellengarantie haben, dass sie vielleicht als Freiberufler tätig sein werden oder in einem anderen kreativen Beruf. Aber die Musik ist ihr Lebensweg, und der lässt sich nicht immer in ein geradliniges Profil zwängen, wie der Freiburger Student Joss Reinicke sagt: «Zur persönlichen Entwicklung gehört doch auch, dass man seinen Interessen frei nachgehen kann.» Peter Zschunke, dpa

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