Startseite ::: Leben ::: Schülerinnen in Hotpants: Provokation gegenüber Lehrern – oder nur eine harmlose Mode?

Schülerinnen in Hotpants: Provokation gegenüber Lehrern – oder nur eine harmlose Mode?

STUTTGART. Kürzer geht’s kaum: Hotpants sind voll im Trend. Mädchen und junge Frauen tragen sie überall – auch in den Schulen. Wie angemessen sind Pobacken, die aus den ultrakurzen Hosen herausschauen, im Unterricht?

Sind Hotpants eine angemessene Schulkleidung? Foto: CSD2006 / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Sind Hotpants eine angemessene Schulkleidung? Foto: CSD2006 / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Ultrakurze Hosen junger Frauen und Mädchen dominieren in diesem Sommer die deutschen Fußgängerzonen. Sie kamen Modeexperten zufolge zwar schon vor fünf Jahren wieder auf – aber jetzt sind sie zur Streetwear geworden. Völlig alltagstauglich also, sagt die Geschäftsführerin des Verbandes deutscher Mode- und Textildesigner, Mara Michel. «Das sieht einfach hübsch aus.» Wer schöne Beine habe, könne sie auch zeigen. Das provoziere heute kaum noch jemanden. «Ihre Eltern schocken sie damit nicht, die haben es in den 60er und 70er Jahren ja vorgemacht.» Doch nicht alle nehmen das Thema so leicht.

An einigen Schulen stören sich Lehrer, Eltern oder auch Mitschüler an den Hotpants. Manchmal sind es religiöse Gründe, manchmal fürchten Mütter und Väter, ihr Sohn könne über die viele Haut das Lernen vergessen. Zum Teil gelten sogar Verbote unangemessener Kleidung. Am Evangelischen Heidehof-Gymnasium in Stuttgart zum Beispiel gibt es für Schüler, die sich unpassend anziehen, schwarze und graue XXL-T-Shirts zum Überziehen. So groß, dass sie fast bis zu den Knien reichen.

Zum Einsatz gekommen seien die Shirts zwar fast noch nie, sagt Schulleiter Berthold Lannert. Aber die Klassenlehrer frischen die Erinnerung daran bei den Schüler immer wieder auf – zu Beginn der warmen Jahreszeit. Mit Prüderie habe das nichts zu tun. «Schule ist praktisch die Arbeitsumgebung und da sollte man so etwas nicht anziehen. Schule ist kein Laufsteg.» Die Idee dahinter: «Wir wollen das Gefühl dafür stärken, wann etwas anfängt, peinlich zu sein – immer im Dialog mit den Schülern.»

Die Wahrheit liegt dann vielleicht irgendwo zwischen Bikinihose und Jeans. Denn was peinlich ist, sieht wohl jeder ein bisschen anders. «Ich bin immer der Meinung: Dem Anlass entsprechend», findet der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Realschullehrer, Jürgen Böhm. Dialog sei hier der Schlüssel. Lehrer müssten Schülern auch Freiheit und Individualität zugestehen. «Wenn die Hosen zu kurz werden und der halbe Hintern raushängt, wird es schwierig.» Bei vielen ist hier auch auf der Straße die Schmerzgrenze überschritten.

Nicht unbedingt für Mode-Expertin Michel. «Die probieren einfach aus», sagt sie. «Wenn man die Pobacken sieht und das hübsch aussieht, ist das doch ästhetisch.» Sie schränkt aber ein: Zur Bikinihose sollten die ultrakurzen Hosen nicht werden. Und es könne sie auch nicht jeder tragen. Wer nicht die Figur dazu habe, solle sie besser nicht anziehen. «Es gibt für jeden Körper die Ästhetik, die zu ihm passt.» Das wüssten nicht alle Mädchen – weshalb Michel dafür plädiert, ein Schulfach Ästhetik und Geschmacksbildung einzuführen.

Ein wenig Nachhilfe in Sachen guter Geschmack befürwortet auch Jugendforscher Klaus Hurrelmann. Eltern und Lehrer müssten darauf achten, die Geschmacksbildung der Kinder und Jugendlichen zu unterstützen. Es spreche deshalb vieles dafür, ihnen feste Grenzen zu setzen und die Gründe dafür zu erklären.

Und Zoff zu Hause wegen zu wenig Stoff? Eher nicht, sagt der Wissenschaftler. «Tatsächlich lassen sich Eltern heute kaum noch durch die Kleidung ihrer jugendlichen Kinder provozieren. Oft machen sie ihnen den Kleidungsstil sogar direkt nach, denn sie wollen auch jugendlich und frech erscheinen.» Aber noch viel zu selten, findet Michel, die auch ältere Frauen zu mehr Offenheit ermuntert: «Mir sind deutsche Frauen noch viel zu langweilig angezogen, hier fehlt noch ganz viel Mut. Und die Jugendlichen machen uns vor, wie es geht.» dpa

14 Kommentare

  1. Die überwiegende Zahl der Lehrkräfte isr weiblich. Somit sind Hotpants keine Provokation, allenfalls ein Grund neidischer Betrachtung.

    • Wenn Sie die Grundschulen herausrechnen, dürfte das Wort “überwiegend” nicht mehr ganz so stark überwiegen.

      Eine generell angemessene Bekleidung und dezentes Make-Up sollte man aber sowohl von Schülern als auch von Lehrern erwarten können. Karneval ist schließlich nur ein Mal im Jahr, verschlissene Kleidung gehört in den Müll. Darüber hinaus sollten Lehrer so professionell sein, dass sie sich von Hotpants oder Batikhemden nicht in ihrer Arbeit und Notengebung beeinflussen lassen.

      • Nee, auch dann nicht. Die einzigen allgemeinbildenden Klitschen, die noch eine Männerquote bei fünfzig Prozent haben sind die Gymnasien. An allen anderen Schulformen muss langsam wegen der Gleichberechtigung eine Männerquote eingeführt werden. Im SekI-Bereich liegt die XX-Quote bei 60%.

        • Meine Rede: 60% Sek I sind eine Mehrheit, aber keine überwältigende Mehrheit.

          • Die 60% allein genommen nicht. Aber Primarstufe und Sekundarstufe I haben zusammen einen Lehrerinnenanteil von annähernd 75%.

            Tut mir leid, aber Schule ist nun einmal aufgrund der guten teilzeitarbeitsbedingungen, geringen Karrieremöglichkeiten und der exzellenten Unterbezahlung ein typischer, wenig respektierter Frauenjob der Neuzeit. Männer sind im Regelfall nicht so dämlich sich das anzutun. Deshalb macht es immer wieder besonderen Spaß den Gleichstellungsbeauftragten an Schulen zu wählen, der per Gesetz weiblich sein muss.

          • @ dickebank: Sie bestätigen meine erste Äußerung (“Wenn Sie die Grundschulen herausrechnen […]”) erneut ;-).

            In der Tat ist Lehrer mehr eine Berufung als ein Beruf. Insbesondere Naturwissenschaftler sollten aus finanzieller Sicht, den Arbeitsbedingungen und dem gesellschaftlichen nicht-Ansehen des Berufs ernsthaft überlegen, Lehrer zu werden. Schulleitergehälter sind oftmals geringer als Einstiegsgehälter in der freien Wirtschaft.

          • Liebe(r)Drei-X,

            ich bestätige Ihnen gar nix. Im übrigen gibt es zwei Sichtweisen auf das Thema. Das eine ist die Kopfzahl, das andere die Unterrichtsverpflichtung. Da der Anteil an weiblichen Lehrkräften mir reduzierter Stundenzahl höher ist als der der männlichen Lehrkräfte, fällt es in der Stundenplangestaltung beim “Endverbraucher” nicht so auf.

            Bei der Kopfzahl muss dennoch festgehalten werden, dass da Verhältnis Männlein zu Weiblein im Schuldienst nicht mehr stimmt. Das können Sie dann auch bei den bewerbungen auf freie Stellen sehen. Der Anteil der weiblichen Bewerbungen liegt bei 80%. An Gesamtschulen, die grunsätzlich ein geschlechtergemischtes Klassenleitungsteam haben sollten, sind lediglich 2 von 3 Klassen mit einer weiblichen Doppelspitze besetzt. Ebeno sieht es an HS und RS wie an den neugegründeten Sekundarschulen aus.

            Selbst an den Gymnasien hier in NRW kippt langsam das verhältnis von Räten und Rätinnen zugunsten der Rätinnen. Und ihre andere ansicht, dass lehramt eine Folge von Berufung ist, führt eher zu einem dialektischen Ansatz. Ja, man wird in ein öffentliches Amt berufen. – Ansonsten ist Lehrer aber ein Job im ÖD, um Kohle zu kassieren. Besser bezahlt als ein Job bei der Müllabfuhr, aber nicht besser als ein Job in einem mittelständischen Unternehmen der Metallindustrie als Meister oder Sachbearbeiter.

        • “Die einzigen allgemeinbildenden Klitschen, die noch eine Männerquote bei fünfzig Prozent haben, sind die Gymnasien.”

          Oh, oh, das hört sich aber nach doppelter dicker Abneigung an!

          • Träum weiter …

          • Wieso datt dann, 30% der Abi-Enten erlangen ihre Hochschulreife ohnehin nicht an einem Gymnasium sondern an den gymnasialen Oberstufen von beruflichen Gymnasien/Berufkollegs oder Gesamtschulen.

        • “An allen anderen Schulformen muss langsam wegen der Gleichberechtigung eine Männerquote eingeführt werden.”

          Das wäre nur dann sinnvoll, wenn Männer nicht aufgrund geringerer Qualifikation oder aufgrund geringeren Interesses an dem Beruf, sondern infolge von Diskriminierung weniger stark vertreten wären (so, wie es Experimenten mit anonymisierten Bewerbungen zufolge zuweilen Frauen und Bewerbern mit ausländischen Namen geht). Sie schreiben über die Wahl des Lehrberufs aber selbst: “Männer sind im Regelfall nicht so dämlich sich das anzutun.” Sie sind also auf eigenen Wunsch weniger stark vertreten; insofern wäre eine Quote offensichtlich unangemessen.

          • Ach, und in anderen bereichen z.B. DAX-Vorständen sieht das anders aus? Dagibt es ungeheuer viele Frauen, die diesen Arbeitsbereich liebend gerne ausfüllen würden, aber von den bösen männlichen Aufsichtsräten diskriminiert werden?

            Im ÖD ider Länder st Schule ein Feigenblatt; es gibt zwei personalintensive Aufgabenbereiche im Landesdient – Polzei und Schule. Der extreme Frauenüberschuss auf Stellen des gehobenen und vor allem höheren Dienstes im Schulbereich gleicht so wunderschön die Verhältnisse bei der Polizei aus. Im gehobenen Dienst der Polizei steigt zwar mittlerweile die Frauenquote, im höheren Dienst sieht es für Frauen aber noch schlecht aus.

  2. “Wer nicht die Figur dazu habe, solle sie besser nicht anziehen. «Es gibt für jeden Körper die Ästhetik, die zu ihm passt.» Das wüssten nicht alle Mädchen – weshalb Michel dafür plädiert, ein Schulfach Ästhetik und Geschmacksbildung einzuführen.”

    Lese ich richtig? Eine Mode-Expertin will ein Schulfach einführen, in dem die Schülerinnen einzuschätzen lernen, ob sie die Figur für Hot Pants haben oder nicht?!
    Tolle Idee! Vielleicht könnte die Mode-Industrie dafür ja auch Arbeitsmaterialien zur Verfügung stellen; ich denke da an Overhead-Folien mit Bildern von Mädchen in Hot Pants – auf der einen Seite die dünnen aus den Katalogen und auf der anderen Seite eher dickliche, die nicht diesem Schönheitsideal entsprechen. Zu den Bildern dürfen sich die Jungs und Mädchen dann im Plenum äußern, damit die Mädchen, die nicht wissen, dass sie keine Hot Pants tragen können, “subtil” zur Erkenntnis geführt werden. Um Zeit für das neue Fach zu haben könnte man Mobbing-Prävention streichen oder auch die Ethikstunde zum “Selbstkonzept” oder die Bio-Stunde zur “Anorexia nervosa”.

  3. Die Mode-Expertin hat recht und unrecht zu gleich. Als Lehrer in der Klasse habe ich die Kleiderordnung der Schule (sofern sie in der Schulordnung festgelegt ist) durch zu setzen, so habe ich es im Dienstrechtseminar gelernt und ich werde es auch tun, wenn mich die Kleidungswahl der SuS stört, aber immer mit Rücksprache mit dem Dienstvorgesetzten.
    Ansonsten gäbe es die Möglichkeit das Probelm über Schuluniformen zu lösen, wo mit auch das Problem der Markenklamotten auf dem Schulhof gelöst wäre. Letzteres ist ein anderes Thema.
    Allerdings scheiden sich am Thema Schuluniformen auch die Geister.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*