Startseite ::: Aus den Verbänden ::: VDR-Vorsitzender macht sich stark für die „Ehrenrunde“

VDR-Vorsitzender macht sich stark für die „Ehrenrunde“

MÜNCHEN. Nachdem der Bayerische Lehrerverband gefordert hat, das Sitzenbleiben abzuschaffen, warnt der Bundesvorsitzende des Verbands Deutscher Realschullehrer (VDR), Jürgen Böhm, vor Leistungsfeindlichkeit, Vernachlässigung von Mindeststandards und Ökonomisierungstendenzen in der Bildung. „Wieder einmal wird am Ende eines Schuljahres das Gespenst der Noten, der Pflichtwiederholung und hoher Kosten an die Wand gemalt. Mit dieser leistungsfeindlichen Einstellung kann man im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe nicht bestehen und wird langfristig im Mittelmaß enden“, so Böhm.

Nachhilfeschüler

Die Möglichkeit, Schüler eine Klasse wiederholen zu lassen, erhalte den Wert der Schulabschlüsse, so der VDR-Vorsitzende Jürgen Böhm. Foto: Pink Sherbet Photography / flickr (CC BY 2.0)

Der VDR-Vorsitzende fragt sich, was ein Abschluss noch wert sei, wenn er nicht durch Standards und Leistung hinterlegt ist? „Was wäre der Realschulabschluss noch wert, wenn er künftig im Gießkannenprinzip vergeben würde? Wichtiger ist wohl, dass Kinder und Jugendliche nicht fehlgeleitet werden, sondern die passenden Bildungsgänge besuchen. Eine einseitige Orientierung auf Akademisierung führt zu Fehlentwicklungen wie sie derzeit in Südeuropa zu verzeichnen sind.“

Durch eine qualitative Aufweichung der Bildungsgänge und Abschlüsse würden Leistungsanreize zerstört, Kindern und Jugendlichen ein falsches Selbstbild vor Augen geführt und die künftigen Arbeitgeber und aufnehmenden Bildungseinrichtungen getäuscht. Sinnvolle pädagogische Maßnahmen seien die Einstellung von mehr Lehrkräften in allen Schulformen, die Ausweitung des Angebotes an differenzierten Lernangeboten, die Schaffung von integrierten Lehrerreserven an den Schulen und vor allem die Verkleinerung der Klassen. Die wenigen Kinder oder Jugendlichen, die in einem gewissen Zeitraum trotz aller angebotenen Fördermaßnahmen die gestellten Standards nicht erfüllen, müssten dann die Möglichkeit der Wiederholung wahrnehmen können.

 

Zum Beitrag: 30.000 Schüler bleiben in Bayern voraussichtlich sitzen – Lehrerverband: Abschaffen!

8 Kommentare

  1. Gibt es eine Möglichkeit diesen Verbandslautsprechern einmal das Maul zu stopfen? Diese diversen bayrischen Verbandsfunktionäre scheinen unterbeschäftigt. Entweder sie werden in die Ferien entsorgt oder überhaupt einmal ans Arbeiten gebracht.

    • Herrn Böhms Ansichten sind doch in Ordnung. Ich weiß gar nicht, was es da zu motzen gibt. Wenn alle Verbandsleute so dächten wie er, wäre ich zufrieden.
      Die Äußerungen der Funktionäre vom BLLV finde ich allerdings meist auch ärgerlich.

  2. Der Vorsitzende des Realschullehrer-Verbandes hat den Vorschlag des BLLV-Präsidenten leider nicht verstanden. Das Abschaffen des Sitzenbleibens hat nämlich überhaupt nichts mit Leistungsfeindlichkeit zu tun.

    Der Vorschlag lautet ja nicht, jeden Schüler ohne Beachtung seiner Leistung einfach so in die nächste Jahrgangsstufe vorrücken zu lassen. Klaus Wenzel fordert statt des Sitzenbleibens die während des Schuljahres auftretenden Leistungsdefizite sofort durch Stützkurse, individuelle Zusatzförderung etc. zu beheben statt den Schüler mit seinen Defiziten und damit verbundenen Frustrationen durchzuschleppen, diesen dann sitzenzulassen und ein kostenintensives weiteres Jahr in der Schule zu behalten.

    Es ist sehr schade, wenn solch konstruktive, pädagogisch und psychologisch wertvollen Vorschläge aus ideologischer Sicht eines offenbar sehr konservativ denkenden Lehrervertreters schlechtgeredet und pauschal als leistungsfeindlich diffamiert werden.

    • Ich bin einmal sitzengeblieben. Klar war das anfänglich alles andere als schön. Aber man höre und staune, im Nachhinein empfand ich das als Glücksfall. Nie war ich in der Schule besser, erfolgreicher und voller Selbstbewusstsein als in diesem Wiederholungsjahr. Ich entwickelte mich zum Überflieger, weil vom vergangenen Jahr doch etliches hängengeblieben war, das mir vieles erleichterte. Ich hatte sogar nie gekannte Arbeitsfreude und Mühegeben war kein Fremdwort mehr. Das Vitamin „Sitzenbleiben“ hielt natürlich nicht allzu lange an. Immerhin machte ich aber noch ein mttelmäßiges Abitur.
      Wenn ich da den Vorschlag „Stützkurse, individuelle Zusatzförderung etc.“ höre, kann ich nur den Kopf schütteln und stelle mir vor, das Wiederholungsjahr wäre mir verwehrt worden. Welches Pech. Als Leistungs-Schwachmatikus hätte ich zusätzliche Förderstunden absolvieren müssen und in den Ferien wahrscheinlich bis zum Erbrechen büffeln, ohne auf einen so herrlich grünen Zweig zu kommen wie im Wiederholungsjahr.
      Was Leute doch nicht so alles an gut gemeintem Unsinn verzapfen, weil sie aus der Mücke Sitzenbleiben einen Elefanten machen und aus dem Elefanten „Saukindheit durch ewiges Lernen“ eine Mücke.
      Nein, Herr Bless, aus eigenem Erleben kann ich an dieser Stelle nur die Binsenweisheit wiederholen: Gut meinen ist noch lange nicht gut machen. Lieber mal ein kurzfristiges Ende mit Schrecken als einen Schrecken ohne Ende.

      • Politiker meinen ihre Beschlüsse häufig gut — für wen, weiß man jedoch nicht immer so genau. In Bildungsfragen ist „gut meinen“ besonders einfach, weil sie es ja weder „machen“ noch „gut machen“ müssen — dafür sind ja die Lehrer da.

      • mehrnachdenken

        @Heike, sehr treffend formuliert.

        Was soll noch alles mit Förder- oder Stützkursen bzw. dieser – ich kann’s nicht mehr hören – „individuellen Förderung“ erreicht werden?
        Gut, gegen temporäre Unterstützungsmaßnahmen ist ja nichts einzuwenden, aber was bringen denn diese langen zusätzlichen „Begleitkurse“ außer einer zunehmenden Abneigung der betreffenden SchülerInnen gegen alles Schulische?
        Meistens ist es mit der schulischen Unterstützung nicht vorbei. Zusätzlich suchen die Eltern noch nach außerschulischen Angeboten, von denen sie sich leider oft genug vollkommen überzogene wahre Wunderdinge versprechen.
        Mir kann niemand erzählen, dass derartig malträtierte SchülerInnen noch irgendwie „Lust auf Schule“ haben.
        Persönlich hätte ich 1000 Jahre in Mathe gefördert werden können, ein Mathestudium hätte auch dann außerhalb meiner intellektuellen Möglichkeiten gelegen.

        • mehrnachdenken

          Kleiner Zusatz:
          Gibt es da nicht einen Prof. G. Hüther, der allen Ernstes behauptet, jedes Kind sei hochbegabt?
          Bei mir kam die Hochbegabung im Fach Mathematik irgendwie nicht an.

          • Schätze mal, diese Behauptung hat er aufgestellt, um sich und seine Veröffentlichungen gut zu verkaufen. Welche Eltern, Großeltern und evtl. sogar Onkel und Tanten fahren denn nicht auf solche Thesen ab?
            Vielleicht auch der eine oder andere Lehrer?

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*