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Vom Pausenbrotschmierer zum Millionär? Schülerfirmen als pädagogisches Projekt

MAGDEBURG. Landauf landab fördern die Schulpolitiker Schülerfirmen. Soweit, dass sich bereits kritische Stimmen melden, die ein Übergewicht bei der Förderung wirtschaftlicher Kompetenzen gegenüber anderen Bereichen wie der Kultur befürchten. Auch die Wirtschaftsverbände sind bestrebt Gründer- und Unternehmergeist bei der Jugend zu wecken. Ein erfolgreiches Projekt ist „Gründerkids“ in SachsenAnhalt.

Vom Café bis zum Reisebüro: Seit Februar 2009 hat sich die Zahl der Schülerfirmen in Sachsen Anhalt nach Angaben des Wirtschaftsministerium mehr als verdreifacht Inzwischen gibt es 137. Möglich wurde der kleine Boom durch das Projekt «Gründerkids», das mit Mitteln aus der Landeskasse und des Europäischen Sozialfonds gefördert wird. Es vergibt Zuschüsse an Schüler, die ihre eigene Firma gründen und managen wollen. Staatssekretär Marco Tullner (CDU) stellte jüngst in Magdeburg ein «Schülerfirmen-Branchenbuch Sachsen-Anhalt» vor, das immerhin 170 Seiten umfasst.
«Das Projekt macht etwas Gutes mit ihnen», sagt Claudia Köhler, eine von zwei «Gründerkids»-Koordinatorinnen in Sachsen-Anhalt, im Interview

Unternehmen und Verbände fördern auf vielfältige Weise die mehr oder minder reale wirtschaftliche Tätigkeit von Schülern. (Foto der Preisträger beim Deutschen Gründerpreis für Schüler 2014). Bild: Pressefoto Deutscher Gründerpreis für Schüler.

Unternehmen und Verbände fördern auf vielfältige Weise die mehr oder minder reale wirtschaftliche Tätigkeit von Schülern. (Foto der Preisträger beim Deutschen Gründerpreis für Schüler 2014). Bild: Pressefoto Deutscher Gründerpreis für Schüler.

Wie nah dran ist eine Schülerfirma an der wirklichen Geschäftswelt?

Es geht tatsächlich um eine Firma, die von Kindern und Jugendlichen erdacht, aufgebaut und geführt wird. Schülerfirmen sind ein didaktisches Modell und ein pädogisches Projekt. Sie können die Wirklichkeit natürlich nicht komplett abbilden, aber sie ermöglichen den Schülern Erfahrungen, die sie auch in realen Unternehmen machen würden. Alles fußt auf einer Idee, es fließt richtiges Geld und es muss alles ordentlich verwaltet und gebucht werden. Rechtlich und pädagogisch ist die Firma über die Schule und den Förderverein abgesichert. Die Geringfügigkeitsgrenze für den Verein legt die Umsatzgrenze fest. Und es ist wirklich so, dass sich vorrangig die Schüler um das Wohl der Firma kümmern. Die Lehrer und wir als Koordinierungsstelle beraten nur.

Ist diese Art von Unternehmertum von besonders viel Kreativität und Mut geprägt? Kinder und Jugendliche sehen die Welt ja anders als Erwachsene, meistens leichter und lockerer.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Businesspläne schon sehr genau auf ihre Realisierbarkeit abgeklopft werden. Die Firma soll ja auch laufen. Sehr gern werden Schülercafés betrieben, weil so etwas im Schulalltag gut funktioniert. Es gibt auch eine Firma, die eine Solaranlage betreibt, andere machen Stadtführungen oder verkaufen Töpferware. So eine Schülerfirma ist ein Antrieb für die Schüler, Ideen wirklich umzusetzen.

Was ist mit dem Geldverdienen? Eine Karriere vom Pausenbrotschmierer zum Millionär gibt es wohl eher nicht.

Nein, das ist gar nicht das Ziel. Es geht um Stärken und Schwächen. Eine Schülerfirma macht etwas Gutes mit den Schülern, weil es sie formt und prägt. Sie bietet die Möglichkeit, Lust am Tun zu entwickeln, zu netzwerken und unternehmerisch zu denken, ohne egoistisch zu sein. Teile des Gewinns werden oft an den Förderverein gespendet. Gut ein Viertel zahlen sich eine Aufwandsentschädigung aus, viele geben das Geld auch gemeinsam aus, zum Beispiel für einen Firmenausflug.

Inwieweit können Schülerfirmen der teilweise schleppenden Gründermentalität im Land einen neuen Schub geben?

Schülerfirmen sind langfristig angelegt. Macht ein Schüler während dieser Zeit positive Erfahrungen mit der «Selbstständigkeit», dann nimmt er das mit in sein Berufsleben und ist weniger skeptisch, ein Unternehmen zu gründen.

Claudia Köhler ist 36 Jahre alt und eine von zwei Koordinatorinnen in der Landeskoordinierungsstelle Schülerfirmen in Magdeburg. Die gebürtige Altmärkerin ist Sozialpädagogin und hat Management für Gesundheits- und Sozialeinrichtungen studiert. Sie ist verheiratet und hat ein Kind. (Interview: Sabrina Gorges, dpa)

zum Bericht: Als Schüler schon “Chef” lernen – Schülerfirmen sind ein Erfolgsmodell

Ein Kommentar

  1. Auch der Bundes-Schülerfirmen-Contest fördert mit seinem Wettbewerb die Schülerfirmen in Deutschland und lobt Geldpreise in Höhe von 8.000 EUR aus. Jährlich können sich bundesweit alle Schülerfirmen an dem Online-Voting um die beste Schülerfirma Deutschlands beteiligen. http://www.bundes-schuelerfirmen-contest.de

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