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Waren schlüpfrige Fotos von Schülerinnen das Motiv? Aushilfslehrer angeklagt, seinen Cousin erschlagen zu haben

DÜSSELDORF. Dramatischer Auftakt im Prozess um eine Bluttat hinter bürgerlicher Fassade: Ein angehender Sportlehrer (28) soll seinen sieben Jahre älteren Cousin erschlagen haben. Dessen Eltern appellieren an ihren Neffen, sein Schweigen zu brechen. Waren schlüpfrige Fotos von Schülerinnen das Motiv?

Wusste das Opfer von den Machenschaften des Aushilfslehrers an der Schule? Foto: Carlo Schrodt /pixelio.de

Wusste das Opfer von den Machenschaften des Aushilfslehrers an der Schule? Foto: Carlo Schrodt /pixelio.de

«Es ist unbegreiflich, dass er uns so etwas antun konnte. Er hat uns all die Jahre belogen.» Für den 68-Jährigen Rentner im Zeugenstand steht bereits fest, wer seinen einzigen Sohn auf dem Gewissen hat. Es ist sein Neffe, für den er jahrelang auch Vater-Ersatz war und der wenige Meter weiter sitzt – auf der Anklagebank in Saal E.122 des Düsseldorfer Landgerichts. Der Rentner schaut den 28-Jährigen eindringlich an: «Warum?» Doch der Angeklagte schaut weg und bleibt stumm. Das mysteriöse Verbrechen an dem Versicherungskaufmann Daniel D. (35) hatte im vergangenen Dezember in bürgerlichen Wohngegenden am Niederrhein für erhebliche Unruhe gesorgt.

Die Leiche des 35-Jährigen wird neben dessen Limousine an einer Landstraße in Kaarst bei Düsseldorf entdeckt. Mit schweren Hieben auf den Kopf wurde er erschlagen, stellen die Rechtsmediziner fest. Als seine Eltern erfahren, dass das Haus ihres Sohnes von der Polizei versiegelt ist, ruft die Mutter als erstes den Cousin ihres Sohnes an: «Es muss etwas Schlimmes passiert sein». Der Cousin tröstet die Eltern. Erst viel später sei ihr klar geworden: Er habe sofort den Platz ihres Sohnes eingenommen, berichtet die Mutter im Gerichtssaal.

Wie Brüder seien beide aufgewachsen, «Garten an Garten». Bei der Beerdigung am offenen Sarg habe der 28-Jährige die Eltern noch vor dem Anblick gewarnt: «Schaut ihn Euch nicht an, er sieht schrecklich aus.» Wochen später gerät der Cousin unter dringenden Tatverdacht. Die Ermittler lassen sogar den Sarg des Opfers ausgraben, weil sie vermuten, der Cousin könnte die Tatwaffe darin «entsorgt» haben. Doch dort ist sie nicht. Auch das Motiv für die Tat bleibt im Dunkeln. Das quält die Eltern.

Er wolle wissen, warum sein Sohn sterben musste – und er wolle eine gerechte Strafe für den Täter, sagt der Vater des Getöteten. Die Ermittlungen fördern eine bislang unbekannte Seite des Cousins zutage: Er ist mit dem Lehramtsstudium längst nicht kurz vor dem Abschluss, wie er behauptet. Er arbeitet zur Aushilfe an einer Schule. Die Ermittler finden schlüpfrige Fotos von seinen Schülerinnen bei ihm und er soll an der Uni mit den «Scheinen» getrickst haben. Wusste der Cousin von diesen Machenschaften? Und: Ist das ein Motiv für eine Tötung? «Warum hast du den Daniel umgebracht? Sage es mir doch!», ruft die Mutter flehend in den Gerichtssaal. Doch Verteidiger Gordon Christiansen sagt, sein Mandant werde weiter schweigen. Er bestreite, der Täter zu sein. Es gebe keine Tatwaffe und kein Tatmotiv: «Das Verfahren ist ein Ritt auf der Rasierklinge.»

Er habe auch nach der Tat lange nicht damit gerechnet, dass sein Neffe der Täter sei, selbst als dieser bereits unter Verdacht gestanden habe, sagte der Vater des Opfers. Als der aber nach der Tat erzählt habe, Jugendliche hätten seinen Autoschlüssel gestohlen, Benzin im Wagen vergossen, den Gurt herausgeschnitten und den Wagen wieder verschlossen, habe er dies keinen Moment geglaubt.

Und die Mutter des Opfers erzählt die Geschichte von der Waschmaschine ihres Neffen, die ganz plötzlich am Tag nach dem Tod ihres Sohnes kaputt, verschwunden und gegen eine Neue ausgetauscht gewesen sei. Dabei hätte er doch die Maschine ihres toten Sohnes haben können.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der 28-Jährige seinen Wagen selbst manipuliert hat. Dennoch entdeckten Spezialisten winzige Blutspuren des Opfers darin. Vor der Tat sollen die Cousins mehrfach miteinander telefoniert haben. Der Vater sagt aus, fünf Tage vor der Tat habe sein Sohn bei einer Familienfeier nicht mehr neben seinem Cousin sitzen wollen. Was der Grund dafür gewesen sei, wisse er «leider» bis heute nicht.

Das Düsseldorfer Landgericht mit dem Vorsitzenden Richter Rainer Drees hat für den Indizienprozess zunächst 22 Verhandlungstage angesetzt. Frank Christiansen, dpa

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