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Wirtschaft im Nordosten ist sauer: Kein Land gibt weniger für Berufsschulbildung aus als Mecklenburg-Vorpommern

SCHWERIN. Die Berufsschulen sind das Stiefkind der Bildungspolitik im Land, klagt der Hauptgeschäftsführer der IHK Neubrandenburg, Haasch. Viele Berufe würden nur noch an einer Schule unterrichtet, die Wege für die Lehrlinge seien zu lang. Die Opposition kündigt Konsequenzen an.

Zu lange Wege, zu viel Ausfall: Die Kritik der Wirtschaft an den Berufsschulen in Mecklenburg-Vorpommern hat die Landtagsopposition auf den Plan gerufen. Linke- und Grünenfraktion forderten die Regierung auf, mehr Geld in diesen Bildungsbereich zu investieren. Nach dem jüngsten Bildungsfinanzbericht des Statistischen Bundesamtes, der im Februar erschien, gibt kein Bundesland weniger für die Berufsschulbildung aus als Mecklenburg-Vorpommern.

Zuletzt, im Jahr 2010, waren es 2200 Euro pro Berufsschüler und Jahr im dualen System (praktische Ausbildung im Unternehmen und Theorie-Unterricht in der Berufsschule). Der Bundesdurchschnitt lag bei 2500 Euro, der Durchschnitt der ostdeutschen Flächenländer bei 2900 Euro.

«Die Zahlen zeigen, dass es im Bereich der beruflichen Bildung dringend Verbesserungen geben muss», sagte die Bildungspolitikerin der Grünen im Landtag, Ulrike Berger. Der Fraktionsvorsitzende der Linken, Helmut Holter, kündigte an, das Thema nach der Sommerpause erneut ins Parlament zu bringen. «Der anhaltend fahrlässige Umgang mit den Berufsschulen muss ein Ende haben», verlangte er. Die Klassenstärken und der Anteil fachfremder Unterrichtsvertretungen müssten deutlich verringert werden. Auch sei die Erstattung der Fahrtkosten zur Berufsschule viel zu bürokratisch.

Die Ausbildungsumfrage 2014 der drei Industrie- und Handelskammern im Nordosten hatte ergeben, dass die Berufsschulen ein ernstzunehmendes Ausbildungshemmnis für Unternehmen geworden sind. Von den 280 befragten Firmen nannten 22,8 Prozent die zu große Entfernung zur Berufsschule als Problem. 10,6 Prozent beschrieben Schwierigkeiten wie Unterrichtsausfall oder mangelnde Praxisorientierung des Berufsschulunterrichts. Diese beiden Punkte lagen auf Platz vier und fünf der Rangliste der am häufigsten genannten Ausbildungshemmnisse.

Das Bildungsministerium widersprach dieser Einschätzung. Ausschlaggebend für die Entscheidung für oder gegen eine Ausbildung sei die Attraktivität des Arbeitsplatzes, erklärte ein Sprecher. Dabei spiele das Lohnniveau immer auch eine Rolle. Wenn jemandem eine Ausbildung nicht gefällt, suche er oder sie sich eher eine neue als noch vor zehn Jahren Jahren. Zu glauben, das habe zuerst mit Schule zu tun, lenke von den Herausforderungen bei der Fachkräftegewinnung nur ab.

Der Hauptgeschäftsführer der IHK Neubrandenburg für das östliche Mecklenburg-Vorpommern, Torsten Haasch, beklagte, dass für viele Ausbildungsberufe nur noch an einer Berufsschule im Land der Theorie-Unterricht erteilt wird. Das betreffe auch Berufe mit recht vielen Lehrlingen, wie Konditor, Zahntechniker, Anlagenmechaniker, Chemielaborant oder Hotelkaufmann. Wenn ein Lehrling von Eggesin nach Wismar zur Berufsschule fahren müsse, sei das ein echtes Problem. Das ist bei Pferdewirt-Lehrlingen der Fall.

Für angehende Bauzeichner und Gebäudereiniger wiederum ist die landesweit einzige Berufsschule in Greifswald – von Boizenburg an der Elbe dauert die Anreise mit dem Zug fast fünf Stunden. Haasch forderte, die Mindestschülerzahlen für Berufsschulklassen zu senken, um mehr Standorte zu erhalten. Auch sollten mehr Berufsschullehrer ausgebildet werden. dpa

Ein Kommentar

  1. Die Fachkräftegewinnung fängt schon in der Ausbildung an. Wenn eine BS nach Ansicht der Betriebe nicht gut ist, stellen sie lieber ausgelernte Fachkräfte aus anderen Bundesländern / Staaten ein, weil sie besser sind. Ich kann von einem Metaller nicht erwarten, dass er einer Bäckerklasse erklärt, wie sie Brötchen richtig backen und welche Prozesse wichtig sind, damit dei Brötchen nicht altbacken werden. Da gehe ich als BS-Lehrer doch eher nach Thüringen, bevor ich in ein Bundesland gehe, dem meine Schulform egal erscheint.
    Das Lohnniveau spielt sicherlich bei der Ausbildungswahl eine Rolle, aber wenn ich schon 5 oder 6 Stunden als Schüler im Zug sitze um zur BS zu kommen, dann würde ich doch einen anderen Beruf ergreifen.
    Allerdings ist zu sagen, dass es auch Berufe gibt in denen der Sprengel sich auf ganz Deutschland bezieht und die SuS quer durch die Republik düsen dürfen, um in der BS zu sitzen. Die Lösung in diesem Fall nennt sich Blockunterricht über die gesamte Ausbildungszeit. Währe auch in Meck-Pomm eine Möglichkeit, so denn das Ministerium sich zu dieser Regelung durch ringen kann.

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