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Das neue Schuljahr in Berlin beginnt mit den alten Baustellen

BERLIN. Nur knapp konnten die drohende Lücke von 2000 Lehrerstellen in Berlin vor dem Beginn des neuen Schuljahres geschlossen werden, unter anderem weil das Land Kollegen nicht verbeamtet. Dennoch steht Bildungssenatorin Scheeres weiterhin vor Problemen. Sechs Baustellen zu Schuljahresbeginn:

LEHRERMANGEL: In der Hauptstadt sind Lehrer notorisch knapp. Derzeit gehen viele in den Ruhestand, mehr Bedarf entsteht durch Altersermäßigungen und steigende Schülerzahlen. Zugleich werden zu wenig Lehrer mit der Ausbildung fertig. Zum neuen Schuljahr gab es deshalb eine Lücke von 2000 Stellen, die die Bildungsverwaltung nur mit großer Mühe schließen konnte – unter anderem, weil Berlin anders als andere Bundesländer nicht verbeamtet. Von den neuen Lehrern kommt jeder zehnte aus Nordrhein-Westfalen, viele aus Baden-Württemberg oder Bayern. Doch es reicht nicht: Nach der Prognose der Gewerkschaft GEW werden bis 2022 rund 14 000 neue Lehrer gebraucht.

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat fast alle Fächer für Quereinsteiger geöffnet. Foto: Senatsverwaltung Berlin

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat fast alle Fächer für Quereinsteiger geöffnet. Foto: Senatsverwaltung Berlin

QUEREINSTEIGER: Weil sich nicht genug Bewerber fanden, erklärte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) fast alle Schulfächer zu Mangelfächern. So konnten auch Quereinsteiger eingestellt werden, die den Lehrerberuf nicht studiert haben. Jeder siebte neue Lehrer, insgesamt 300, muss nun neben dem Job noch ein Seminar zu Pädagogik, Unterrichtsvorbereitung und Didaktik belegen. «Es bleibt abzuwarten, wie viele der Bewerber im Laufe der kommenden Monate abspringen, sobald sie mit der Lebensrealität konfrontiert sind», warnten kürzlich die Grünen.

DIE UNGELIEBTE GRUNDSCHULE: Die meisten offenen Stellen gab es an Grundschulen – hier fangen mit 810 Pädagogen mit Abstand die meisten neuen Lehrer an. Zugleich lassen sich immer weniger Studenten zu Grundschullehrern ausbilden. Die GEW führt das auch darauf zurück, dass Grundschullehrer weniger Geld bekommen als ihre Kollegen an Oberschulen. Um den Bedarf für das neue Schuljahr zu decken, stellte die Bildungsverwaltung jetzt 245 Lehrer an Grundschulen ein, die eigentlich für Gymnasien oder Sekundarschulen ausgebildet sind. Sie sollen vor allem in Klasse 5 und 6 eingesetzt werden. Denn für die absoluten Lernanfänger, das räumt Scheeres ein, fehlt ihnen oft das Handwerkszeug.

SCHULLEITER: Es gibt noch immer eine Reihe Schulen ohne richtigen Schulleiter. Inzwischen liege die Zahl der unbesetzten Direktoren-Posten bei «deutlich unter 50», sagt die Bildungsverwaltung. Zu Jahresbeginn sollen es noch mehr als 60 gewesen sein. Gerade an kleinen Grundschulen lohnt sich die Chef-Stelle finanziell kaum. Das Land will angehenden Schulleitern jetzt zumindest organisatorisch unter die Arme greifen und bietet Fortbildungen für Führungskräfte an.

BAUMÄNGEL: In vielen Berliner Schulen bröckelt der Putz, Schüler ekeln sich vor den Toiletten. Allein in diesem Jahr gibt das Land 64,3 Millionen Euro für Sanierungen aus. Doch das Geld reiche nicht, kritisieren die Grünen. Die Bezirke könnten die Mindeststandards in Klassenräumen, Toiletten und Sporthallen nicht halten. Zugleich wird der Platz angesichts steigender Schülerzahlen knapp. An sieben Schulen muss daher kurzfristig angebaut werden.

FLÜCHTLINGE: Durch Zuwanderung und den anhaltenden Flüchtlingsstrom kommen in Berlin viele Kinder ohne Deutschkenntnisse in die Schule. Seit dem Schuljahr 2011/12 lernen sie in sogenannten Willkommensklassen Deutsch. In den vergangenen zweieinhalb Jahren stieg die Schülerzahl in diesen Lerngruppen um das Fünffache. Aktuell gibt es allein in Grundschulen 135 Klassen mit 1390 Schülern, in der Sekundarstufe 132 Klassen mit 1500 Schülern. (Theresa Münch, dpa)

zum Bericht: Scheeres: Genügend Lehrer für Berliner Schulen gewonnen

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