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Medienforscher empfiehlt Einsatz von Videospielen im Unterricht

DÜSSELDORF. Fans von Videospielen können den 14. August schon jetzt kaum erwarten: Dann öffnet die Koelnmesse ihre Hallen wieder für die Spielemesse gamescom. Mehr als 340.000 Besucher kamen im vergangenen Jahr an den Rhein, um die neusten Entwicklungen rund um Videospiele zu entdecken.

Als Freizeitbeschäftigung faszinieren Videospiele auch schon Grundschüler. Doch häufig steht Eltern und Pädagogen die Angst vor negativen Auswirkungen im Raum. Über den Einfluss von Videospielen und den Einsatz im Unterricht sprach news4teachers-Autorin Anna Hückelheim mit Steve Nebel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medienforschung der Technischen Universität Chemnitz.

news4teachers: Kinder und Videospiele – das ist eine Kombination, die oft noch Unbehagen auslöst. Es besteht die Befürchtung, Videospiele könnten einen schlechten Einfluss auf die geistige Entwicklung des Kindes haben. Ist die Sorge berechtigt?
Nebel: Aus meiner Perspektive kann ich dazu nur sagen, dass man sich vor allgemein pauschalisierten Ängsten genauso wie vor verallgemeinerten Vorteilen hüten sollte. Jede suchtartige Mediennutzung kann nachteilig für das Kind sein. Das sind aber eher Extremfälle, bei denen sicherlich meist ein großer Verbund an Ursachen zu suchen ist. Videospiele allein vermögen nicht, die geistige Entwicklung zu schädigen. Die genuinen Eigenschaften des Mediums – zum Beispiel die Interaktivität, die es von anderen Medien abgrenzt – sind nicht sonderlich verdächtig, schädlich zu sein. Daher kann man mit einem maßvollen Umgang, genauso wie mit Film oder Buch, eigentlich nichts falsch machen.

Videospiele sind für Grundschüler nicht automatisch schädlich, so Steve Nebel. Hier testen einige jüngere Kinder neue Trends auf der gamescom 2013. Foto: Koelnmesse

Die Spielemesse gamescom besuchen auch jüngere Kinder, um neue Trends auszuprobieren. Hier ein Foto aus dem Jahr 2013. Foto: Koelnmesse

news4teachers: Welche Vorteile bringen Videospiele mit sich, mit denen sie sich auch für Grundschüler empfehlen?
Nebel: Videospiele trainieren die feinmotorischen Fähigkeiten durch das Bedienen der neuen Technik. Darüber hinaus können Kinder für neue Themen begeistert werden, sei es Informatik oder Geschichte, und natürlich auch zusammen spielen. Wichtig dabei ist, dass weitere Beschäftigungen nicht zu kurz kommen.

news4teachers: Gibt es Videospiele, die Grundschülern neben Spielspaß auch inhaltlich einen Mehrwert bieten?
Nebel: Als erstes fallen mir da die Rechenspiele von Psychometrica (Anm. d. Red.: Institut für psychologische Diagnostik) ein. Das sind relativ klassische Lernspiele. Vergleichbare Spiele sind ziemlich verbreitet. Was den einzelnen Mehrwert angeht, muss man allerdings vorsichtig sein. Im Falle der genannten Rechenspiele wurde die Effektivität empirisch nachgewiesen, aber nicht jedes Spiel ist didaktisch gut aufgebaut und nicht jedes Spiel ist tatsächlich unterhaltsam. Hier muss man sich von Erwachsenenseite damit beschäftigen und gegebenenfalls Tipps austauschen.

Steve Nebel, M.A., ist seit 2013 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medienforschung an der Professur für E-Learning und Neue Medien der Technischen Universität Chemnitz. Schwerpunktmäßig beschäftigt er sich mit der Optimierung von digitalen Lernspielen für den Lehr- und Lernprozess – unabhängig von der Zielgruppe und dem Lerninhalt. Foto: Privat

Steve Nebel, M.A., ist seit 2013 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medienforschung an der Professur für E-Learning und Neue Medien der Technischen Universität Chemnitz. Foto: Privat

news4teachers: Lassen sich Videospiele auch sinnvoll im Unterricht einsetzen?
Nebel: Ich würde sogar befürworten, Spiele begleitend im Unterricht einzusetzen, um den Lehrwert der Spiele zu fördern. Studien zeigen, dass Lernspiele besonders nützlich sind, wenn sie begleitend eingebettet werden. Man darf nicht erwarten, dass Spielen allein optimal ist. Wenn es aber nur darum geht, Interesse zu wecken, kann eine kleine Spielsession durchaus reichen – genauso wie man beispielsweise mit „Im Westen nichts Neues“ (Anm. d. Red.: Roman von Erich Maria Remarque) auf den Geschichtsunterricht hinführen kann. Hinzukommen noch weitere positive Eigenschaften des Videospiels: Im Idealfall können sie adaptiv auf den Fähigkeitsstand des Spielers eingestellt werden. Das kann für Lernschwierigkeiten genauso nützlich sein wie die relativ einfache Umsetzung verschiedener Sprachen.

news4teachers: Existieren Richtlinien, wie lange oder wie oft Videospiele zum Einsatz kommen dürfen?
Nebel: Durch die Ratgeber geistern Zahlen von 30 bis 60 Minuten pro Tag für alle Bildschirmmedien. Diese Zahlen beziehen sich aber nur auf die Nutzung in der Freizeit. Genaue Richtlinien für die Lehrzeit in der Schule sind mir nicht bekannt, aber der Freizeitwert ist sicherlich eine Basis, an der man sich orientieren kann. Allerdings kommt es durchaus auf das einzelne Kind und den restlichen Tagesablauf an. Eine Spielzeit von über 60 Minuten ist nicht automatisch schädlich.

 

Eine weitere inhaltliche Auseinandersetzung mit interaktiven Spielen, zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Jugendmedienschutz und der Medienkompetenz, bietet die Spielemesse gamescom mit ihrem gamescom congress am 14. August. Die Konferenz ist als offizielle Fortbildungsmaßnahme für Lehrer und Pädagogen anerkannt. Mit news4teachers können Sie bis zum 8. August eine von drei Teilnahmekarten für den Kongress gewinnen.

 

Kurzvita Steve Nebel:
Steve Nebel, M.A., ist seit 2013 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medienforschung an der Professur für E-Learning und Neue Medien der Technischen Universität Chemnitz. Schwerpunktmäßig beschäftigt er sich mit der Optimierung von digitalen Lernspielen für den Lehr- und Lernprozess – unabhängig von der Zielgruppe und dem Lerninhalt.

Ein Kommentar

  1. Wes‘ Brot ich ess,
    des‘ Lied ich sing.

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